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Lehr- und Lernmittel

Smartphones machen schlau! — Wie Handys den Unterricht bereichern

Für Schüler ist das Smartphone aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. In vielen Schulen ist es jedoch tabu. Erste Pilotprojekte zeigen, dass Mobiltelefone produktiv im Unterricht eingesetzt werden können.

Lehr- und Lernmittel: Smartphones machen schlau! — Wie Handys den Unterricht bereichern Auch das SMS-Schreiben kann man im Deutschunterricht sinnvoll einsetzen © Syda Productions - Fotolia.com

Handys sind an vielen Schulen tabu. Doch das ändert sich allmählich. Erste Pilotprojekte zeigen, dass Mobiltelefone den Unterricht auflockern und bereichern. Das jüngste Beispiel ist das Projekt „Smartphones und Tablets im Unterricht“ des Friedrich-Gymnasiums in Freiburg, dessen Lehrer Smartphones gezielt in den Unterricht eingebunden haben. Die Schüler befassten sich motivierter mit den Inhalten und gestalteten den Unterricht aktiver mit. Das Projekt erhielt den Deutschen Lehrerpreis 2016. 

Die Vorstellung, Smartphones im Unterricht zuzulassen, die Schüler sogar zu motivieren, die Geräte zu nutzen, betrachten viele noch mit Skepsis. Zum einen wird die soziale Ungleichheit diskutiert, denn nicht jeder Schüler besitzt ein Smartphone, auch wenn das heute nur noch selten der Fall ist. Laut einer Umfrage des Branchenverbandes Bitkom besitzen 92 Prozent der 14- bis 19-Jährigen ein internetfähiges Handy und bringen es in die Schule mit.

Ein weiterer Aspekt, der diskutiert wird, ist der Kostenfaktor. Lern- und Lehr-Apps gibt es wie Sand am Meer, aber viele haben ihren Preis. Lehrer sind daher besser beraten, wenn sie die Funktionen für den Unterricht nutzen, die ohnehin auf den Smartphones vorinstalliert sind: SMS, Chat-, Notiz-, Kamera- und Audio-Apps. Mit diesen Funktionen können die Schüler den Unterricht multimedial mitgestalten — und dabei den Umgang mit den Geräten lernen und besser reflektieren. Der Trend geht genau dahin: Laut der Bitkom-Studie findet die Mehrheit der Schüler, dass die Nutzung digitaler Medien den Unterricht interessanter machen. Lehrer wie Schüler (82 %) wünschen sich, dass der richtige Umgang mit digitalen Medien stärker im Unterricht vermittelt wird.

Einführung des Handys in den Unterricht

Zunächst sollte der Lehrer gemeinsam mit den Schülern erörtern, welche Vorteile ein Handy im Unterricht hat und aufzeigen, welcher Umgang den Unterricht hingegen stören würde. Die Schüler sollen selbst äußern, was sie sich vom Einsatz digitaler Medien im Unterricht erhoffen. Dazu gehört auch die Bereitschaft, damit keinen Missbrauch zu betreiben, wie zum Beispiel heimlich Nachrichten schreiben, private Bilder und Videos austauschen oder Schummeln.

Dann werden Teams gebildet, bestehend aus zwei bis drei Schülern, die gemeinsam ein Gerät nutzen. So ist kein Schüler benachteiligt, wenn er kein Smartphone besitzt, und die Teamfähigkeit der Schüler wird gefördert. Je nach Aufgabenstellung können die Schüler den Flugmodus auf den Geräten aktivieren, um nicht von privaten Nachrichten oder Push-Benachrichtigungen von Facebook, Twitter oder ähnlichem abgelenkt zu werden.

Weiterführende Informationen:

Die Seite medien+bildung.com hat im Rahmen des Projekts „Taschenfunk — Das Handy als Unterrichtswerkzeug“ hilfreiche Materialien und praktische Anleitungen zusammengestellt.

Der Branchenverband Bitkom hat bundesweit 502 Lehrer der Sekundarstufe I sowie 512 Schüler zwischen 14 und 19 Jahren zur Nutzung digitaler Medien im Unterricht befragt. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass das Potenzial digitaler Lernmittel bei weitem noch nicht ausgeschöpft wird.

Die Smartphones sinnvoll im Unterricht einzusetzen, bedeutet nicht nur, dass die Schüler ein wenig im Internet recherchieren oder sich Lernvideos ansehen. Mit geeigneten Übungen lockert das Smartphone den Unterricht auf und schult gleichzeitig den richtigen Umgang mit den gängigen Chat-, Foto, Video- und Audio-Apps. Wie das Smartphone medienpädagogisch sinnvoll eingesetzt werden kann, wird im Folgenden beispielhaft erklärt.

Textverständnis trainieren — per SMS, Chat und Notiz-App

Einen Text in einer SMS zusammenfassen, ein Gedicht mit Emojis verbildlichen oder ein Tipp-Wettbewerb: Aufgaben wie diese motivieren die Schüler, ihr Handy-Können unter Beweis zu stellen und trainiert nebenbei das Lesen und Schreiben. Zum Beispiel mit dieser Übung: Die Schüler sollen einen Schulbuchtext lesen und in einer SMS (160 Zeichen) zusammenfassen. Dafür müssen die Schüler-Teams erst diskutieren, welche Informationen elementar sind und wie der Text kurz und knapp zusammengefasst werden kann. Danach werden die Ergebnisse vorgetragen und verglichen. Die Klasse analysiert gemeinsam: Kann man diese SMS verstehen? Enthält sie alle wesentlichen Informationen? Gibt es womöglich zu viele Abkürzungen? Wie steht es um die Rechtschreibung? Auf diesem Weg trainieren die Schüler ihr Textverständnis und lernen gleichzeitig dabei, wie man diesen verständlich und vor allem kurz in einer SMS zusammenfasst.

Auch Chat-Dienste sind ein geeignetes Unterrichtswerkzeug. In ihrer Freizeit schicken sich Schüler Nachrichten voller Smileys und Emojis. Das kann den Deutschunterricht gleich interessanter machen: Wie könnte zum Beispiel ein Gedicht aussehen, wenn man es mit Emojis darstellt? Jedem Team wird dabei ein anderes Gedicht vorgelegt. Sobald alle Gedichte verbildlicht sind, werden die Emoji-Gedichte getauscht und die anderen Teams müssen interpretieren, welchen Text die Bildchen visualisieren könnten. Damit reflektieren die Schüler auf spielerische Weise die Bildsprache eines Gedichts und setzen sich bewusster mit ihrer „Chatsprache“ auseinander.

Dokumentieren und Analysieren — mit der Foto- und Video-Funktion

In ihrer Freizeit fotografieren und filmen die Schüler vieles mit ihrem Smartphone. Tun sie das gezielt zu Unterrichtszwecken, lernen sie ihr Handy von einer ganz neuen Seite kennen. Im Physikunterricht beispielsweise können Bewegungen und Flugkurven gefilmt und anschließend berechnet werden. In Biologie können die Schüler den Schulgarten fotografieren und den Bestand der Insekten, Tiere und Pflanzen dokumentieren — oder Veränderungen aufzeigen. Wie unterscheiden sich beispielsweise Blumen und Pflanzen morgens und mittags? Mit Aufgaben wie diesen lernen die Schüler die Natur besser kennen und können ihr Handy als sinnvolles, wissenschaftliches Werkzeug einsetzen.

Im Kunstunterricht zeigt sich das Handy von seiner kreativen Seite. Zum Beispiel, wenn die Klasse gemeinsam ein Handy-Mosaik erstellt. Die Schüler fotografieren dabei jeweils einen Teil eines Objektes ab und legen am Ende ihre Smartphones so nebeneinander, dass das Gesamtkunstwerk entsteht — das dann wiederum als Ganzes abfotografiert wird. Die Schüler lernen dabei, ihre Umwelt genauer unter die Lupe zu nehmen, aus anderen Blickwinkeln zu betrachten und erleben, dass Handy-Fotos viele kreative Möglichkeiten bieten. 

Genau hinhören, Sprache trainieren — per Audioaufnahme

Schüler nutzen häufiger als andere Text- und Bild-Funktionen des Mobiltelefons. Dabei ist ihnen oft nicht klar, dass sie auch ein vielseitiges Audiogerät in der Hand halten. Im Musikunterricht wird das Smartphone zum mobilen Tonstudio. Zum Beispiel können die Schüler ihren eigenen Klingelton komponieren und machen sich dabei Gedanken, wie solch ein „Jingle“ beschaffen sein muss, damit er gut klingt und eindringlich genug ist. Im ersten Schritt analysieren die Schüler den Klingelton ihres Handys, hören genau hin, wie die Klingeltonmelodie beschaffen ist und welche Instrumente verwendet wurden. Daraufhin wählen sie selbst geeignete Instrumente aus und kreieren in kleinen Arbeitsgruppen eine kleine Melodienfolge. Diese wird später mit der Diktier- bzw. Aufnahmefunktion des Handys aufgezeichnet und kann dann als eigener Klingelton abgespeichert und verwendet werden.

Audio-Apps sind auch im Sprach- und Deutschunterricht gut einsetzbar. Die Schüler können zum Beispiel eigene Hörspiele schreiben und die Dialoge selbst ins Handy einsprechen. Dadurch wird einerseits die Schreibkompetenz trainiert und gleichzeitig befassen die Schüler sich genauer mit der Aussprache und hören anschließend selbst, wie ihre Aussprache klingt.

Handys besser verstehen

Die Schüler haben nicht nur Spaß daran, Aufgaben mit ihren Handys zu lösen. Sie erkennen auch, dass man mit einem Smartphone mehr machen kann als nur telefonieren, chatten und posten. Sie lernen viel mehr, dass die digitale Welt auch Möglichkeiten bietet, besser zu lernen und sie entwickeln Ideen, wie sie diese sinnvoll für Schule und Alltag nutzen können. Smartphones im Unterricht sollten also nicht gleich verteufelt werden, sondern sind eine Möglichkeit, Schüler zum Lernen zu motivieren und ihre Medienkompetenz zu stärken.

Ananda Bräunig

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