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Teilzeit

Familienfreundliche Arbeitszeiten sind oft Glückssache

Laut einer Erhebung der Hans-Böckler-Stiftung arbeiten in Deutschland 10,9 Millionen Menschen in Teilzeit. Die meisten von ihnen sind auf familienfreundliche Arbeitszeiten angewiesen. Hier winken Probleme, denn klare rechtliche Regelungen fehlen.

Teilzeit: Familienfreundliche Arbeitszeiten sind oft Glückssache Um mehr Zeit für die Kinder zu haben, arbeiten zumeist Mütter in Teilzeit © Konstantin Yuganov - Fotolia.com

„Was bringt mir eine Teilzeitstelle, wenn ich trotzdem jeden Tag in die Schule muss?" Vanessa Finke ärgert sich. Die 32-Jährige arbeitet mit deutlich reduzierter Stundenzahl. Dennoch soll sie an fünf Tagen pro Woche unterrichten. Vor allem dank ihres rund 30 Kilometer langen Weges zur Schule, ist die Zeiteinsparung ihrer 70%-Stelle gegenüber einer Vollbeschäftigung bei fünf Arbeitstagen kleiner als erhofft. Finke hat sich, wie die meisten der rund 10,9 Millionen Teilzeitkräfte in Deutschland, nicht aus hedonistischen Gründen für eine Reduzierung ihrer Arbeitszeit entschieden. Die Lehrerin ist alleinerziehende Mutter zweier Kinder. Mit einer Vollzeitstelle wäre sie familiären und beruflichen Aufgaben — ihrer Einschätzung nach — kaum gewachsen.

Nicht immer haben Schulleitung und Kollegen Verständnis für die Bedürfnisse von Teilzeitkräften. Dass die Rechtslage oft uneindeutig ist, hilft dabei wenig. Das Teilzeit und Befristungsgesetz (TzBfG) enthält vor allem allgemeine Vorschiften. Alles, was darüber hinaus geht und den Bereich Schule betrifft, ist auf Landesebene geregelt.

Vorrechte bei Teilzeit aus familiären Gründen

In den meisten Bundesländern haben Teilzeitkräfte kein Anrecht auf einen freien Tag. Dort, wo es entsprechende Regelungen gibt, sind sie zumeist an Bedingungen geknüpft. So zum Beispiel in Niedersachsen (RdErl. v. 30.12.2004 (SVBl. 2005, S.14) — VORIS 20411). Ist jemand auf Grundlage des § 62 NBG, also weil er sich um ein Kind oder einen pflegebedürftigen Angehörigen kümmern muss, in Teilzeit gegangen, genießt er gewisse Vorrechte. Dann muss ihm, solange seine Unterrichtsverpflichtung um mindestens ein Drittel der Regelstundenzahl reduziert ist, ein freier Tag gewährt werden. An den Tagen, an denen er unterrichtet, muss er mindestens zwei Stunden arbeiten. Desweiteren dürfen Teilzeitkräfte, die ihre Stundenzahl nach § 62 reduziert haben, nicht am selben Tag sowohl vor- als auch nachmittags eingesetzt werden. Bei allen anderen Teilzeitbeschäftigten sind die Schulleitungen angehalten, nach Möglichkeit ebenso zu verfahren, es ist jedoch nicht zwingend vorgeschrieben.

Reibungsloser Ablauf des Schulbetriebs geht vor

Ähnlich sieht es in Hamburg aus. Hier stehen Teilzeitkräften mit einem Beschäftigungsumfang von zwei Dritteln der regulären Arbeitszeit zwei freie Tage pro Woche zu. Lehrer, die drei Viertel der üblichen Zeit unterrichten, können sich über einen freien Tag freuen, „sofern ... dienstliche Belange nicht entgegen stehen" (Dienstvereinbarung über die Einsatzregelung für Teilzeitkräfte § 2).

Weiterführende Links:

Auf der Homepage der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di werden einige grundsätzliche Fragen zur rechtlichen Situation von Teilzeitkräften beantwortet.

Einen Artikel mit jeder Menge Zahlen und Fakten rund ums Thema Teilzeitarbeit gibt es bei der Bundeszentrale für politische Bildung.

Die Website beamten-informationen.de klärt über Sonderregelungen für Beamte auf.

Auch in Nordrhein-Westfalen sind Schulleiter dazu angehalten, Arbeitszeitwünsche von Teilzeitbeschäftigten zu berücksichtigen. Doch auch dort besteht kein Anrecht auf eine Drei- oder Vier-Tage-Woche, ein reibungsloser Ablauf des Schulbetriebs geht vor.

Rechtsanwalt Wolfgang Fuhrmann erklärt auf Nachfrage: „Oft ist davon die Rede, dass Teilzeitkräften nach Möglichkeit ein freier Tag gewährt werden ‚sollte‛. Daraus ergibt sich zwar kein Rechtsanspruch, das heißt allerdings auch nicht, dass Schulleiter die Arbeitszeiten von Beschäftigten mit verminderter Stundenzahl nach Gutsherrenart festlegen dürfen. Der Vorgesetzte muss begründen können, warum er den Wunsch nach einem freien Tag verweigert und für eine Alternativlösung offen sein."

Auch Teilzeitkräfte müssen auf Klassenfahrt

An Klassenfahrten müssen Teilzeitkräfte ebenfalls teilnehmen. Wie oft, das hängt von ihrer Stundenzahl ab. Wer zum Beispiel eine 50%-Stelle hat, muss halb so oft fahren wie seine vollbeschäftigten Kollegen. Dasselbe gilt für Pausenaufsicht, Springstunden und ähnliche Tätigkeiten, die neben dem Unterricht anfallen.

Anders ist es bei den sogenannten nichtteilbaren Lehreraufgaben, hierzu zählen vor allem Konferenzen. Hier muss jeder in vollem Umfang partizipieren, ganz gleich, ob er mit regulärer Stundenzahl beschäftigt ist oder nicht.

Vanessa Finke hat ihren freien Tag doch noch bekommen. Nachdem sie den Personalrat konsultiert hatte, wurde eine entgegenkommende Regelung für die junge Frau gefunden. Trotzdem wünscht sie sich mehr Verständnis für Leute, die sich in ihrer Situation befinden: „Es ist ja nicht so, dass ich zu Hause bleiben möchte, um auf der faulen Haut zu liegen. Es geht einfach nicht anders."

Stefan Hirsch

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