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Suchtprävention

Drogen: Wegschauen ist keine Lösung

Wenn Schüler Drogen nehmen, sind Lehrer verpflichtet, aktiv zu werden. Doch Lehrer sind keine Sozialarbeiter, oftmals fehlt es den Betroffenen an Handlungssicherheit. Hilfreich ist, wenn die Schule ein Präventionskonzept bereit hält.

Suchtprävention: Drogen: Wegschauen ist keine Lösung Ob Schüler Drogen nehmen — womöglich in der Schule — lässt sich nicht immer kontrollieren © ADDICTIVE STOCK - Fotolia.com

Dominik Forster sieht gut aus. Dass er jahrelang drogenabhängig war, täglich Metamphetamin und Kokain konsumierte und, schließlich von dem Wahn besessen war, unter seiner Haut würden Tiere leben, sieht man ihm nicht mehr an. Heute führt der 27-Jährige ein drogenfreies Leben. Über sein altes Leben hat er eine Autobiographie „Chrystal.klar“ geschrieben, um andere zu warnen. Deshalb besucht er auch Schulen, wo er schonungslos seine Lebensgeschichte erzählt und den jugendlichen Zuhörern Rede und Antwort steht. Er selbst hat mit 17 Jahren begonnen, Drogen zu nehmen. Mancher jugendliche Erstkonsument ist sogar noch jünger, wenn er erste Drogen ausprobiert. Umso wichtiger ist es, Schüler für die verheerenden Auswirkungen zu sensibilisieren — und frühzeitig einzuschreiten, sollte man den Verdacht haben, dass einzelne Schüler Rauschmittel nehmen.

Leichter gesagt als getan. Der in den Medien immer wieder geäußerte Satz „es gibt keine drogenfreie Schule“ mag vielleicht übertrieben sein. Dass Schüler, die von der Suchtmittelproblematik betroffen sind, diese nicht ablegen, sobald sie den Klassenraum betreten, liegt indessen auf der Hand. Rechtlich ist die Situation eindeutig: Drogen sind gefährlich. Die im Strafrecht verankerte Garantenpflicht des Lehrers gebietet es, die Schüler vor derartigen Gefahren zu schützen. Bekommt ein Lehrer mit, dass an seiner Schule Rauschmittel konsumiert oder verkauft werden, ist er verpflichtet, etwas dagegen zu unternehmen.

Drogenkontrolle schwer möglich

In der Praxis ergeben sich daraus einige nicht unerhebliche Schwierigkeiten. Wenn jemand nicht gerade mit einem Joint in der Hand erwischt wird, ist ihm schwerlich nachzuweisen, dass er Drogen nimmt. Typische Anzeichen wie Müdigkeit, Konzentrationsprobleme oder Leistungsabfall können ja auch andere Ursachen haben.

Weiterführende Links:

Der Verein „KEINE MACHT DEN DROGEN“ hat sich ganz der Sucht- und Gewaltprävention verschrieben. Auch Lehrer finden hier Materialien und Informationen für eine zeitgemäße Präventionsarbeit.

Das Hamburger Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung hat eine Broschüre zum Thema „Drogen und Recht“ verfasst. Da Gesetze, die der Drogenproblematik Rechnung tragen, überwiegend deutschlandweit gelten, ist das Heft auch für Lehrer aus anderen Bundesländern interessant.

Der Pharmakologe David Nutt fordert ein Umdenken in der Drogenpolitik. In einem Interview mit der Zeit erläutert er seinen Standpunkt

Möchte man einem entsprechenden Verdacht nachgehen, lauern wieder diverse Fallstricke. Taschenkontrollen sind — solange das Einverständnis des Schülers fehlt — tabu. Selbst Polizisten dürfen nur unter den engen Voraussetzungen des § 105 StPO Gegenstände wie Rucksäcke untersuchen. Lehrer haben diese Ermächtigung nicht. Möchte man nachschauen, ob jemand zwischen Heften und Schulbüchern Drogen versteckt hat und der Betroffene untersagt das, muss dieser Widerspruch akzeptiert werden. Ob ein von den Eltern eingeholtes Einverständnis wirksam ist, ist bei Schülern im Jugendalter strittig. Hält man eine Taschenkontrolle dennoch für unverzichtbar, sollte man die Polizei rufen und diese damit betrauen.

Suchtpräventionskonzept für die Schule

Das Abtasten von Schülern oder das Untersuchen ihrer Kleidung stellt einen noch größeren Eingriff in ihr allgemeines Persönlichkeitsrecht dar. Hierbei gelten die oben genannten Regeln erst recht. Sandra Hainzl vom Verein „KEINE MACHT DEN DROGEN“ rät von einem vorschnellen Hinzuziehen der Polizei ab. Sie erklärt: „Man sollte immer versuchen, solche Fälle schulintern bzw. mit fachlichen Beratungsstellen zu lösen. Es gibt keine Pflicht, die Polizei einzuschalten. Hat man das einmal gemacht, muss diese auch ermitteln. Treten Vorfälle wiederholt auf und können sie pädagogisch nicht gelöst werden oder werden andere Schüler konkret gefährdet (dealen), dann sollte man die Polizei benachrichtigen.“

Hainzl empfiehlt, ein Suchtpräventionskonzept zu entwickeln: „Viele Schulen haben dies nicht und wissen in eben solchen Fällen dann nicht, mit der Situation umzugehen. Im Idealfall werden Schüler, Eltern und Kollegium in das Konzept eingebunden. Es dient dann als Leitfaden für den Umgang mit den betreffenden Situationen und liefert konkrete Handlungsanweisungen auch in Bezug auf die verschiedenen Substanzen.“

Vertrauliche Hilfsangebote, aber auch Sanktionen

Ein derartiges Konzept basiert oft auf einem Stufenplan. Je nachdem, wie gravierend ein Verstoß gegen Schulordnung und Betäubungsmittelgesetz ist, folgen passende Hilfsangebote und Sanktionen. Pädagogisches Geschick ist gefordert, wenn ein Schüler einem Lehrer in einem vertraulichen Gespräch verrät, dass er Drogen konsumiert. Idealerweise sollten dann entsprechende Maßnahmen vereinbart werden. Die Frage, ob die Eltern des Betroffenen auch ohne dessen Einverständnis informiert werden sollten, ist nicht leicht zu beantworten. Als Amtsträger gem. § 203 Abs. 2 Nr. 1 StGB würde ein Lehrer sich strafbar machen, wenn er ein derartiges Geheimnis offenbart, andererseits besitzen Eltern Minderjähriger gegenüber der Schule einen im Grundgesetz verfassten Informationsanspruch.

Der Schüler würde es höchstwahrscheinlich als herben Vertrauensbruch wahrnehmen, wenn die Folge eines solchen Gesprächs ein besorgter Anruf bei seinen Eltern wäre. Am  besten fährt man daher, wenn man ihn motiviert, sein Problem auch zu Hause anzusprechen, und ihm als vermittelnde Instanz Unterstützung anbietet.

Stefan Hirsch

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