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Unfälle/Schüler

Im Zweifel gleich zum Arzt

Unfälle, bei denen Schüler sich verletzen, sind der Albtraum jedes Lehrers. Besonders schlimm ist es, wenn außerhalb der Schule etwas passiert. In ungewohnter Umgebung ist es schwieriger, Hilfe zu finden, außerdem ist das Verletzungsrisiko ungleich höher.

Unfälle/Schüler: Im Zweifel gleich zum Arzt Bei Schülerunfällen ist der Erste-Hilfe-Koffer ebenso wichtig wie die dann notwendigen weiteren Schritte © Zerbor - Fotolia.com

Das dürfte nicht nur allen, die eine Klassenfahrt planen, schwer im Magen liegen: Zwar nimmt die Anzahl verunglückter Schüler seit Jahren kontinuierlich ab, doch die schlimmsten Unfälle passieren außerhalb der Schulmauern. So handelte es sich 2012 beispielsweise bei nur ca. 9 Prozent der Zwischenfälle, die der gesetzlichen Unfallversicherung gemeldet wurden, um sogenannte Wegeunfälle, also Schäden, die sich auf dem Schulweg ereignen. Fielen die Folgen jedoch so gravierend aus, dass dem Betroffenen ein Rentenanspruch zustand, lag deren Anteil bei über 50 Prozent. Jenseits von Pausenhof und Klassenzimmer ist das Verletzungsrisiko ungleich höher.

Gesetzliche Unfallversicherung leistet mehr als Krankenkasse

Ebenso wie bei erwachsenen Arbeitnehmern ist es auch für Schüler ein enormer Vorteil, wenn die gesetzliche Unfallversicherung für die Kosten einer Heilbehandlung aufkommt. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) zahlt umfangreiche Reha-Maßnahmen die üblicherweise über die Leistungen einer Krankenkasse hinausgehen, im Extremfall kann sogar ein Rentenanspruch geltend gemacht werden.

Der Schulweg liegt zum großen Teil im Verantwortungsbereich der Eltern. Für gewöhnlich beginnt die schulische Aufsichtspflicht mit Betreten des Pausenhofes bzw. des Schulgeländes.

Ein Sonderfall sind Schulbushaltestellen, für diese wird in vielen Bundesländern eine Beaufsichtigung durch die Lehrer der zugehörigen Schule verlangt. Unter Umständen gilt dies auch für Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel, solange sie sich in unmittelbarer Nähe zur Schule befinden. Die Regelungen hierzu sind bundesweit uneinheitlich, so wird beispielsweise in Nordrhein-Westphalen per Erlass ein entsprechender Konferenzbeschluss vorausgesetzt. Bei Schülern, die mit dem Schulbus fahren, trägt das Transportunternehmen die Verantwortung für ihre Sicherheit.

Links zum Thema:

Auf der Website Sichere Schule werden zahlreiche Hinweise zum Thema Unfallverhütung gegeben.

Informationen speziell zum Unfallversicherungsschutz auf Klassenfahrten hat die Unfallkasse Sachsen zusammengestellt.

Klassenfahrten und Schulwanderungen gelten als „Unterricht am anderen Ort“, die Regeln bezüglich Aufsicht und Haftung sind im Prinzip dieselben, wie innerhalb der Schule. Das heißt, der Lehrer ist aufsichtspflichtig. Wenn etwas passiert, springt die gesetzliche Unfallversicherung ein, die ihn bei grober Fahrlässigkeit oder gar Vorsatz jedoch in Regress nehmen kann.

Zudem kann eine Aufsichtspflichtverletzung straf- und zivilrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Dabei muss allerdings dem Umstand Rechnung getragen werden, dass Klassenlehrer und Begleitperson schwerlich jeden Schüler einer gesamt Schulklasse durchgehend im Auge behalten können. Wie viel Aufsicht konkret geleistet werden muss, hängt von Alter und Reife der Schüler sowie den örtlichen Gegebenheiten ab.

D-Arzt ist erster Ansprechpartner

Was aber muss getan werden, wenn es zu einem Unfall kommt? Elke Biesel von der DGUV sagt: „Die Verantwortung für die Sicherheit und Gesundheit ihrer Schutzbefohlenen hat die Lehrkraft. Verunglückt ein Schüler, muss sie je nach Schwere des Ereignisses entscheiden, ob sie ihn direkt zu einem D-Arzt (Anmerkung: Durchgangsarzt, der für die Erstbehandlung nach Arbeits- und Wegeunfällen zuständig ist) schickt oder dies nicht für notwendig erachtet.

In Fällen, in denen ein Arztbesuch angezeigt erscheint, sollte die Lehrkraft eine Unfallanzeige ausfüllen und darin den Hergang des Unfalls möglichst genau schildern.  Vordrucke der Unfallanzeige gibt es in den Schulen. Danach muss dafür Sorge getragen werden, dass die Unfallanzeige an die zuständige Unfallkasse weitergeleitet wird. Wer das übernimmt, ist von Schule zu Schule unterschiedlich geregelt.

Auch der D-Arzt wird eine  Unfallanzeige an die Unfallversicherung schicken. Diese kann den Unfall dann entsprechend dokumentieren, was  —  zum Beispiel für später auftretende Beschwerden  —  sehr wichtig ist.  Gemeldet werden muss ein Unfall im Bereich der Schüler-Unfallversicherung auf jeden Fall, sobald ärztliche Behandlung in Anspruch genommen wird.“

Ob ein Arzt hinzugezogen werden muss, liegt also im Ermessen des Lehrers. Im Zweifelsfall sollte jedoch nicht lange überlegt werden, denn eins ist klar: Wenn etwas passiert, sollte alles dafür getan werden, dass die Folgen nicht schlimmer ausfallen als nötig.

Stefan Hirsch

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