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Bußgelder drohen

Wenn Eltern die Ferien „verlängern“

Wenn Eltern die Ferien „verlängern“, kann das ganz schön teuer werden. Bußgelder drohen. Einzelne Bundesländesländer gehen mittlerweile sehr restriktiv dagegen vor. Doch vielleicht geht es ja auch anders?

Bußgelder drohen: Wenn Eltern die Ferien „verlängern“ Ferien sind eine große Freude für die ganze Familie, die man sich nicht durch Ärger mit der Schule selbst verderben sollte © AboutLife - Fotolia.com

Ein paar Tage vor und nach den Ferien sind Flüge in Urlaubsregionen meist günstiger. Auch manche Eltern schulpflichtiger Kinder nutzen die Gelegenheit: Sie buchen einen Billigflug kurz vor Ferienbeginn oder nach Ferienende und melden ihre Kinder für die Fehltage in der Schule einfach krank. In Bayern geraten in diesem Zusammenhang immer wieder Einsätze der Bundespolizei in die Schlagzeilen: So hielten die Beamten etwa kurz vor den Pfingstferien 2018 an den Flughäfen in Nürnberg und Memmingen gezielt Ausschau nach Familien mit Kindern und Jugendlichen im schulpflichtigen Alter und wurden fündig: „21 Familien in Bayern wegen Schulschwänzens angezeigt“, meldete daraufhin die Süddeutsche Zeitung am 21.05.2018. Sie alle konnten keine gültige Unterrichtsbefreiung vorweisen.

Mit welchen rechtlichen Konsequenzen haben die Erziehungsberechtigten in einem solchen Fall zu rechnen? Und wie können Schule und Lehrkräfte einer eigenmächtigen Ferienverlängerung durch die Eltern vorbeugen? Dieser Beitrag informiert Sie über die Rechtslage und liefert Ihnen Anregungen für eine konstruktive Lösung des Problems.

Die Eltern im Vorfeld aufklären

In allen Bundesländern besteht eine allgemeine Schulpflicht, die natürlich auch in den letzten Schultagen vor den großen Ferien gilt. In dieser Zeit nach Notenschluss entsteht für manche Eltern womöglich der Eindruck, dass ihre Kinder nicht viel versäumen, wenn sie dem Unterricht fernbleiben. Vertreter von Schulbehörden und Lehrerverbänden sehen das jedoch ganz anders: Zum Schuljahresende gebe es „viele Projekte, die die Schulgemeinschaft stärkten“, sagt ein Sprecher des Bayerischen Kultusministeriums in der Süddeutschen Zeitung. Dem pflichtet Alexandra Brumann vom Münchner Schulamt bei und erläutert, dass die Lehrpläne „bewusst pädagogische Freiräume für Projekte oder Wandertage“ vorsähen (ebd.).

Stefan Kuen vom Schulamt in Nürnberg beobachtet bei Eltern „oft (...) auch Unwissenheit“. — Hier wäre also ein Elternrundbrief sicherlich sinnvoll, in dem man die Eltern darüber informiert, was in den letzten Schultagen geplant ist und warum die Schüler auch von gemeinsamen Aktivitäten mit den Klassenkameraden profitieren (soziales Lernen!). Und noch ein wichtiger Aspekt für die Eltern: ihre Vorbildfunktion gegenüber ihren Kindern. „Wenn Eltern ihren Kindern beibringen, dass man sich nicht an Regeln halten muss, kann das nur schädlich sein“, sagt Stefan Behlau, der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung in Nordrhein-Westfalen im Radiosender WDR2. Zudem bringt „das elterlich legitimierte Schwänzen (...) die Kinder in Situationen, in denen sie lügen müssten, wenn etwa Klassenkameraden sie nach dem Urlaub in den Ferien fragen würden“, sagt Rechtsanwältin Jetta Kasper auf der Website der Deutschen Anwaltshotline. Darin sieht sie „eine erzieherisch zweifelhafte Signalwirkung für die Kinder“ (ebd.).

Merkblatt zur Schulpflicht — in acht Sprachen

Eltern mit Migrationshintergrund, besonders neu Zugezogene, erreicht man am besten in ihrer Herkunftssprache. Die Bezirksregierung Münster hat deshalb ein Informationsblatt herausgegeben, das in insgesamt acht Sprachen über das Thema „Schulpflicht“ informiert.

In Münster gilt übrigens „vor und nach den Ferien (...) ein grundsätzliches Beurlaubungsverbot“ (S. 4 des PDFs), Ausnahmen sind nur „aus wichtigen Gründen“ möglich, wie zum Beispiel Beerdigungen oder Hochzeiten im engsten Familienumfeld. Eine „kostengünstigere An- oder Abreise im Falle einer Urlaubsreise“ zählt nicht dazu. Dadurch rückt eine gemeinsame Flugreise für manche Familien mit sehr geringem Einkommen womöglich dauerhaft in unerreichbare Ferne. Also wirklich kein „wichtiger Grund“? Doch, sagt die langjährige Schulleiterin eines Gymnasiums in Nordrhein-Westfalen. Sie hat schon auch mal ein Auge zugedrückt, um einer „Großfamilie mit Migrationshintergrund“ den Heimaturlaub möglich zu machen. Gleichzeitig hat sie allerdings auch „deutlich gemacht, dass nicht jedes Jahr mit solchem Entgegenkommen zu rechnen ist“, berichtet sie in der Süddeutschen Zeitung.

Gesprächsbereitschaft signalisieren

Ein Elternbrief mit überzeugenden Argumenten für die Einhaltung der Schultage ist schon ein guter Anfang, um mit den Eltern oder dem Elternbeirat über das Thema Ferienverlängerung ins Gespräch zu kommen. In den Bundesländern mit beweglichen Ferientagen könnte man die flexiblen Tage auch vor und nach die Sommerferien legen, falls das mehrheitlich gewünscht wird (Elternabstimmung). Vielleicht wäre es ja auch möglich, z. B. die letzten beiden Schultage vor den Ferien an zwei Samstagen hereinzuarbeiten. Damit davon auch Eltern mit Kindern an verschiedenen Schulen etwas haben, sollten sich benachbarte Schulen diesbezüglich kurzschließen.

Hohe Bußgelder drohen

Ferienverlängerung auf eigene Faust ist zwar keine Straftat, aber eine Ordnungswidrigkeit. Wer erwischt wird, bekommt eine Geldstrafe. Diese „kann gerne mal ein paar hundert Euro betragen“, sagt Udo Beckmann vom Verband Bildung und Erziehung. Damit ist die „Einsparung durch den früheren Urlaubstermin (...) ganz schnell aufgezehrt“. Ob und wie viel die Eltern bezahlen müssen, ist von Bundesland zu Bundesland verschieden und hängt auch von der Dauer des unerlaubten Fernbleibens ab. In Münster beispielsweise „berechnet die Behörde pro Kind, pro Tag, pro Elternteil 80 Euro“. Wer also seine zwei Kinder zwei Tage vor den Ferien eigenmächtig beurlaubt, „muss mit einer Strafe von 640 Euro rechnen“, erfährt man im oben verlinkten WDR2-Radiobeitrag. Manche Behörden recherchieren sogar die Ticketpreise und berechnen das Bußgeld auf Grundlage des eingesparten Betrages, schreibt Jetta Kasper auf der Website der Deutschen Anwaltshotline (Link s. o.). Bis zu 2.000 Euro könne das Bußgeld „je nach Bundesland und Schwänzdauer“ betragen.

Und noch eine interessante Frage zum Schluss: Was macht die Polizei eigentlich mit den „Schulschwänzern“, die bei der „Razzia“ am Flughafen ertappt werden? Muss die Familie dann die Reise abbrechen? Nein, denn „selbst wer erwischt wird, darf wie geplant fliegen“, sagt Jetta Kasper von der Deutschen Anwaltshotline. Fabian Klimm, Leiter der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West in Kempten bestätigt das in der Süddeutschen Zeitung: „In den meisten Fällen lassen wir die Familien (...) fliegen, der Urlaub hat ja schließlich auch Geld gekostet.“ („21 Familien in Bayern wegen Schulschwänzens angezeigt“, Link s. o.)

Martina Niekrawietz

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