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Erasmus+-Projekte

Europa kennenlernen, erleben und mitgestalten

Erasmus+-Förderprogramme für alle Schulformen machen Projekte möglich, die Verständnis, Toleranz und Mitmenschlichkeit praktizieren und fördern. Denn: Europa und seine Vielfalt muss gelebt und erlebt werden.

Erasmus+-Projekte: Europa kennenlernen, erleben und mitgestalten Schüler realisieren durch gemeinsame Projekte: Europa ist nicht nur eine Flagge, sondern es stecken reale Menschen dahinter © Marian Weyo/Shutterstock.com

Derzeit widmet sich eine Sonderausstellung im Lohrer Schulmuseum der „Erziehung zum Europäer“, die nach zwei blutigen Weltkriegen in Europa mehr und mehr in den Fokus rückte. So wurde etwa 1951 in Bayern eine Medienkiste zum Thema „Die Europa-Unterrichtsstunde“ an Schulen in Umlauf gebracht, die anhand von Schaukästen und Wandkarten „noch sehr unbeholfen aber kindgerecht die Notwendigkeit der übernationalen Zusammenarbeit zu erklären versuchte“, erläutern die Autoren der Museums-Website zur Ausstellung. Gleichzeitig sollten die Exponate „für Toleranz und Verständnis für die nationalen Eigenheiten jedes Volkes“ werben, was allerdings durch klischeehafte Bilder von den verschiedenen Nationen konterkariert wurde: Da erscheint etwa der Franzose „als träger, zigarettenrauchender Baskenmützenträger“, während der Deutsche als fleißig forschender Wissenschaftler dargestellt wird.

Heute bietet der pädagogische Austausch mit Erasmus+ und anderen Förderprogrammen den Schülern Gelegenheit, Vorurteile im persönlichen Kontakt und direkt vor Ort in anderen europäischen Ländern abzubauen. Die Kinder und Jugendlichen bauen Beziehungen mit Gleichaltrigen auf, arbeiten gemeinsam an Projekten und lernen Land und Leute kennen. Und auch die Lehrkräfte vernetzen sich bei Fortbildungen, hospitieren bei Partnerschulen oder setzen mit den dortigen Kollegen ein Praxisprojekt um.

Unterstützt werden dabei ausdrücklich Projekte von Lehrkräften und Schülern aller Schularten, wie auch die Best-Practice-Beispiele auf der Website des Pädagogischen Austauschdienstes der Kultusministerkonferenz im folgenden Beitrag zeigen.

Kinder setzen sich für Menschenrechte und Integration Geflüchteter ein

Das waren die drei wesentlichen Inhalte des zweijährigen Projektes „Die Welt ist bunt — Die Kunst zusammen zu leben“. Dabei haben sich drei Grundschulen aus Schildow (Brandenburg), Neustift (Österreich) und Prag (Tschechische Republik) zum Ziel gesetzt, „die Kinder zu demokratischen und toleranten Bürgerinnen und Bürgern zu erziehen, die bereit sind, anderen Menschen in Not zu helfen“, so heißt es im Text der Projektvorstellung.

Im Unterricht erlebten die Kinder kulturelle Vielfalt und bauten Ängste vor fremden Kulturen ab. Mit vielfältigen Aktivitäten wie gemeinsam kochen, spielen, Theater machen etc. näherten sich die Schüler den Themen Menschenrechte, Flucht und Vertreibung. Die Geflüchteten, die in der Turnhalle der deutschen Schule einquartiert waren, wurden „einfach mit ins Projekt geholt“, erzählt eine Lehrerin. Im Video auf der Projektseite berichten die Kinder empathisch von den Begegnungen mit den Menschen aus Syrien: „Der Weg, den die meistens laufen (...), der ist ja riesig. Ich frag mich, wie man den zurücklegen kann. Mich ärgert’s ja schon immer, wenn wir über den Berg wandern müssen“, sagt z. B. eine Schülerin.

Für die Kinder sind die persönlichen Begegnungen mit Schülern in den Partnerschulen oft das Beste an dem Erasmus+-Projekt: „Da geht mir immer wieder das Herz auf, wenn unsere Kinder von Reisen wiederkommen und sagen (...) ‚Ich hab jetzt ‘n ganz neuen Freund kennengelernt‘“, sagt Schulleiterin Ines Meier von der Schildower Schule.
MINT-Fächer im Austausch: Experimente mit Kugelbahn und selbstgebautem Drachen

Bei dem Projekt „Out of the Box“ erstellen Lehrkräfte von Grundschulen in Deutschland, Island, Italien und Belgien eine Box mit Unterrichtsmaterialien für den handlungsorientierten und experimentellen Unterricht in MINT-Fächern. Jede der Partnerschulen konzentriert sich jeweils auf einen der drei Schwerpunkte Mathematik, Technologie und Naturwissenschaft und entwickelt dazu konkrete Unterrichtseinheiten mit Handreichungen für Schüler und Lehrer. Auf der Website der Grundschule an der Oberföhringer Straße findet man bereits eine Vielzahl von begeisternden Unterrichtsideen (Drachen, Brücken, Katapulte, Autos, Kugelbahnen bauen etc.), die an allen Partnerschulen erprobt und in Teamarbeit optimiert werden. Reihum finden in den Schulen insgesamt drei Projekttreffen und zwei internationale Workshops statt, wobei zu letzteren Experten eingeladen werden, die neue Impulse geben.

Nach Abschluss des Projektes sind die Materialien übrigens in der Erasmus+-Ergebnisdatenbank in allen Projektsprachen frei verfügbar.

Über Länder Grenzen hinweg: gemeinsam gegen Mobbing

Die Mittelschule Wörth an der Donau (Bayern) arbeitet bereits seit mehreren Jahren mit europäischen Partnerschulen zusammen. In ihrer aktuellen Erasmus+-Partnerschaft „R.E.S.P.E.C.T.“ kooperieren die Schüler mit fünf Schulen in Finnland, Polen, Spanien, Griechenland und Island in einem Anti-Mobbing-Projekt. Sie tauschen sich dabei über konkrete Maßnahmen gegen Mobbing und Ausgrenzung an ihren jeweiligen Schulen aus.

Reihum treffen sich die Jugendlichen in den sechs beteiligten Ländern und leben dort in Gastfamilien zusammen. In gemeinsamen Workshops erstellen die Schüler „Präsentationen und Videos, lösen Konflikte in Rollenspielen oder probieren interaktive Spiele aus, die Toleranz und Kommunikationsfähigkeit fördern“, erfährt der Leser der Projektbeschreibung. Kommuniziert wird Face to Face und über Messengerdienste wie WhatsApp und immer auf Englisch, wodurch die Schüler auch gleich ihre Fremdsprachen-Skills verbessern.

Die Organisation der europäischen Projektarbeit übernimmt ein vierköpfiges Lehrerteam, sodass sich der Aufwand auf mehrere Schultern verteilt.

„Wir sind eine Mittelschule, deren Schülerinnen und Schüler nur begrenzte Möglichkeiten haben, Auslandserfahrung zu sammeln, zu reisen und Schülerinnen und Schüler anderer Länder kennenzulernen“, sagt Schulleiter Martin Voggenreiter. Deshalb sei „die großzügige Förderung durch das EU-Programm Erasmus+“ sehr wichtig für die Schule. Und auch sonst ist das Erasmus+-Programm ein Gewinn für die Schule: Die Jugendlichen kehrten nach einem Auslandsaufenthalt selbstbewusster zurück. Martin Voggenreiter beobachtet auch eine „größere Offenheit gegenüber fremdsprachigen Mitbürgern“. Insgesamt habe sich zudem „der Zusammenhalt zwischen Eltern und Lehrkräften zum Besseren entwickelt“ (ebd.).

Martina Niekrawietz

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