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Homeschooling

Für die Schüler da sein – trotz Corona

Schule ist nicht nur Lernen, sondern auch ein Gemeinschaftsgefühl. Das geht zu Corona-Zeiten leicht verloren. Stellen Sie ein Wir-Gefühl her, indem Sie die Schüler-Lehrer-Beziehung stärken: per Video-Talk, telefonisch, über E-Mails oder per Post.

Homeschooling: Für die Schüler da sein – trotz Corona Der persönliche Kontakt ist wichtig, um Schülerinnen und Schüler beim Lernen zu unterstützen © Tetiana Soares - stock.adobe.com

Eine Schule ohne Schüler? Das findet Björn Lengwenus „richtig schrecklich“. Deswegen hat sich der Schulleiter der Hamburger Grund- und Stadtteilschule Alter Teichweg etwas einfallen lassen, um mit seinen Schülern und Lehrern in Kontakt zu bleiben: Er rief eine tägliche Late Night Show für seine Schüler ins Leben, deren erste Ausgabe am 23.03.2020 online ging. Sogar die ARD-Tagesthemen berichteten über das Projekt, wie in der zweiten Ausgabe zu sehen ist (einfach bei YouTube bis zur „Dulsberg Late Night Show #2: Homeschooling“ scrollen). „Unsere Show ist eigentlich der Pausenhof in schweren Zeiten“, sagt Björn Lengwenus im Tagesthemen-Interview – und genau das ist es auch, was den Schülern fehlt: Die persönlichen Kontakte zu Mitschülern, Freunden und Lehrern und das tägliche Miteinander.

10 bis 20 Minuten dauern die Sendungen, die täglich neu auf YouTube stehen. Mittlerweile (Stand 07.04.2020) sind es bereits 11 Videos, die sicherlich auch Ihnen viele gute Ideen liefern, um mit Ihren Schülern auch auf der zwischenmenschlichen Ebene in Verbindung zu bleiben, vielleicht sogar in Verbindung zu kommen. – Wir haben für Sie die oft berührenden Late Night Shows „quergeguckt“ und picken für Sie die besten Anregungen für beziehungsstiftendes pädagogisches Handeln heraus, die sich unschwer realisieren lassen. – Auch sporadisch, ohne allabendliche Show.

Interesse zeigen und zuhören

In nahezu jeder Show kommen auch die Schüler zu Wort: Lengwenus interviewt sie im Videochat oder telefonisch und veröffentlicht ihre Grußbotschaften. Auch die Lehrer holt er ins Boot. Da erzählt der Vertrauenslehrer, wie er in der ersten Woche nur wenig Unterricht machen konnte, weil er erst die Strukturen für den Online-Unterricht entwickeln und implementieren musste (vgl. dazu „DULSBERG LATE NIGHT #2: Homeschooling!“). „Vermisst du die Schüler?“, fragt Lengwenus und der Kollege antwortet: „Total!“ Und verrät noch einen kleinen Trick: Alle ein bis zwei Tage veranstaltet er mit den Schülern ein „soziales Spielchen“. Da bekommen die Schüler z. B. die Aufgabe, den nächsten im Alphabet auf der Klassenliste anzurufen und einen Witz zu erzählen. – Klasse-Idee, unbedingt übernehmen, denn das kostet Sie keine Zeit und Mühe, wirkt sich aber positiv auf den Klassenzusammenhalt aus, wenn etwa auch die Schüler ins Gespräch kommen, die sonst eher wenig Kontakt miteinander haben.

Ein Wir-Gefühl herstellen

Jeden Abend um dieselbe Zeit gemeinsam mit allen Lehrern und Mitschülern eine Sendung über die eigene Schule sehen, das allein schon ist ein Gemeinschaftserlebnis für die gesamte Schulfamilie. Bei Björn Lengwenus bekommen nicht nur alle eine Stimme, sie erzählen auch, wie es ihnen geht, was für sie schwierig ist und was sie vermissen. Die Schüler erleben dabei: Alle leiden darunter, dass sie ihre Freunde nicht treffen können. Das schweißt zusammen und fördert die Empathie, wie auch die vielen Grußbotschaften zeigen. Die Kids schicken gute Wünsche, äußern Anerkennung für den Einsatz ihrer Lehrer, und fast alle freuen sich schon sehr auf ein Wiedersehen in der Schule.

Jeder darf Fotos schicken, die dann gezeigt werden. Auch Videos sind willkommen, der Schulleiter erklärt zum Beispiel ein kleines Geschicklichkeitsspiel, das die Schüler nachmachen und – wenn sie Lust haben – in einem kurzen Film festhalten und mailen können (LNS #3). Oder er hinterlegt einen Karaoke-Link vom allen bekannten Schullied („Wir sind die Kinder vom alten Teichweg“) und fordert die Kids auf, sich beim Singen von den Eltern filmen zu lassen und die Videofiles ins Studio zu schicken.

Ein Ohr für die Nöte der Schüler haben

Kritische Hinweise der Schüler, zum Beispiel auf das übergroße Arbeitspensum in der Mittelstufe, nimmt der Schulleiter freundlich auf und verspricht, sie an die jeweiligen Kollegen weiterzugeben. Und er denkt auch an die Schüler, die gerade besonders viel „wegstecken“ müssen: zum Beispiel an die Sportprofis unter ihnen, die sich eigentlich auf einen hochkarätigen Sportwettbewerb vorbereitet haben, der nun leider nicht stattfinden kann. In der „DULSBERG LATE NIGHT #4: Olympia 2021!“ erzählt der Sportlehrer vom „Gemütszustand“ der betroffenen Schüler und von den häuslichen Trainingseinheiten. Und natürlich berichten auch die sportbegeisterten Schüler, deren Träume für dieses Jahr geplatzt sind, was die Absagen der Sportereignisse mit ihnen machen und wie sie sich zu Hause fit halten.

Auch die Rektorin der Grundschule hat es gerade nicht leicht: Sie war in Tirol beim Schifahren und musste sich danach in Quarantäne begeben. Authentisch berichtet sie darüber (LNS #3: Quarantäne), wie es ihr geht und dass sie froh ist, dass sie ihre Schüler online unterrichten darf, denn das lenkt sie etwas von den Sorgen um einige erkrankte Familienmitglieder ab. Besonders fehlt ihr der Chor – der Schulleiter will sie mit einem Ständchen überraschen ...

Kontakt zu Schülern in Not halten

Bei manchen – besonders auch in sozial benachteiligten Familien – fehlt die erforderliche technische Ausstattung, um dem digitalen Unterricht und den Hausaufgaben gerecht werden zu können. Diese Schüler erreichen Sie dann nur per Post oder telefonisch. Hier könnten Sie eine Telefonsprechstunde anbieten, am besten zu festen Zeiten. Je nach Bedarf könnten Sie auch nach Voranmeldung individuelle Sprechzeiten vereinbaren. Eine Lehrerin an einer Hamburger Stadtteilschule berichtet im Spiegel von weiteren möglichen Problemen: Manche ihrer Schüler leben in Flüchtlingsunterkünften, wo es „oft nicht einmal WLAN“ gibt. Diesen Schülern kopiert sie die Aufgaben in der Schule und schickt ihnen dann „Pakete mit dem Material“. Und wenngleich die meisten ein Smartphone haben, sei doch oft ihr Datenvolumen aufgebraucht.

Homeschooling mit digitalen Mitteln und viele Familienmitglieder auf oft engem Raum – das führt für viele Schüler zu besonders problematischen Ausnahmesituationen. Die Fälle von häuslicher Gewalt nehmen zu, und die Kinder und Jugendlichen, die in ihrer Familie sexuellem Missbrauch ausgesetzt sind, haben ohne Schulbesuch überhaupt keinen „sicheren Ort“ mehr. Deshalb ist es wichtig, dass Lehrkräfte hier Hilfe anbieten. Das tut auch die Sabine-Ball-Schule in Darmstadt: per E-Mail an Eltern UND Schüler.

Martina Niekrawietz

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