Fach/Thema/Bereich wählen
Homeschooling

Kunst & Kultur statt Isolation und Langeweile

Kunst und Kultur wirken Wunder gegen Lagerkoller und sind, online betrachtet und gehört, ideale Projekte für einen abwechslungsreichen Unterricht im digitalen Klassenzimmer in Fächern wie Kunst, Musik, Deutsch, Fremdsprachen und auch Ethik und Politik.

Homeschooling: Kunst & Kultur statt Isolation und Langeweile Konzerte einmal anders: einzeln musiziert, aber vielfach per Videoübertragung gehört und gesehen © AntonioDiaz - stock.adobe.com

Ausstellungen, Theater, Kleinkunst, Opern und Konzerte – fällt alles aus in Zeiten von Corona. Das heißt aber nicht, dass Sie bzw. Ihre Schüler darauf verzichten müssen. Im Gegenteil: Viele Kultureinrichtungen initiieren derzeit Spontanaktionen, zeigen ihre Exponate online und streamen Live-Events oder Aufzeichnungen der Programm-Highlights. – Das trifft sich gut, denn Sie haben gerade viel Zeit und Muße dafür. Und auch für Ihren Online-Unterricht sind viele interessante Angebote dabei. 

Mit den Tipps im folgenden Beitrag haben Sie Optionen und Okkasionen im Blick und picken sich – je nach Ihren Vorlieben, Fächern und Lerninhalten – die Rosinen ‘raus.

Kunst: Ab ins virtuelle Museum!

„Geschlossene Museen locken digital!“ – so titelt die Münstersche Zeitung in diesen Tagen, und gibt – wie derzeit viele Tageszeitungen – gute Tipps: Wie wäre es etwa mit einem Gang durch die historischen Sammlungsräume des Frankfurter Städelmuseums per Virtual-Reality-App und Smartphone? Oder Sie verfolgen die virtuellen Werkbesprechungen der Mannheimer Kunsthalle oder vielleicht lieber eine Online-Führung durch die Ausstellung „Körper. Blicke. Macht – Eine Kulturgeschichte des Badens“, natürlich in Baden-Baden?

Eine virtuelle Tour durch 17 Museen in neun Ländern unternehmen Sie mit dem „Art-Project“ von Google mithilfe der Street-View-Technology: „1061 Bilder von Kunstwerken in hoher Auflösung“ gebe es bislang zu sehen, so das Magazin ntv, das auch die Links zur Seite liefert.

Wenn der Vatikan zur Osterzeit verwaist ist wie nie zuvor, trösten womöglich die sieben virtuellen Rundgänge der vatikanischen Museen darüber hinweg: Hier kann man zum Beispiel die Sixtinische Kapelle mit Michelangelos Fresken u.v.m. besichtigen. 

Interessant für den naturwissenschaftlichen Unterricht sind die interaktiven Audio-Touren durch das Deutsche Museum in München, die sich mit Schifffahrt, Luft- und Raumfahrt befassen.

Literatur im Netz erleben

„Keep calm and read a book or write a diary.“ Wer diesen Grundsatz befolgen möchte, lässt besser die Finger von Thomas Manns „Tod in Venedig“, Albert Camus „Die Pest“ oder Philip Roths „Nemesis“. 

Besser ist es da schon, sich mit epidemiefreier Literatur abzulenken, zum Beispiel mit den Autorenlesungen auf der Website zehnseiten. Oder Sie lassen sich von Denis Schecks Buchbesprechungen im Literaturmagazin „druckfrisch“ inspirieren, und bestellen sich die ein‘ oder andere Neuerscheinung – online, versteht sich. Übrigens wunderbare Möglichkeiten, den Deutschunterricht für die gymnasiale Oberstufe digital aufzufrischen.

Tröstlich kann es auch sein, von anderen zu lesen, die mit der gleichen misslichen Lage zurechtkommen müssen, wie wir selbst: Das Literaturhaus Graz veröffentlicht jetzt jeden Freitag „Die Corona-Tagebücher“ mit Beiträgen verschiedener österreichischer Autoren. Sie schreiben über „die Auswirkungen des Corona-Virus und die Maßnahmen seiner Bekämpfung auf das alltägliche Leben und den Zustand der Gesellschaft“ (ebd.). 

Corona-Tagebücher – das klingt spannend und ist auch eine wunderbare Idee für Ihren Unterricht: Regen Sie einfach Ihre Schüler zu ihrem eigenen Corona-Tagebuch an. Ein paar Impulsfragen dazu: Wie geht es dir? Wie wirken die Nachrichten auf dich? Wie verbringst du deine Freizeit? Welche Rezepte gegen Einsamkeit probierst du aus? Wie haben sich deine Kontakte zur Außenwelt verändert? – Für Ihre Schüler ist das eine Chance zu erleben, wie befreiend es sein kann, sich etwas „von der Seele zu schreiben“. Natürlich sind auch andere kreative Ausdrucksformen möglich: Bilder, Collagen, Handytagebücher, What’s-App-Dialoge, Lapbooks  u. v. m.

Theater-Streaming: oft schwierig aber nicht unmöglich

Auch die Bühnen sind von den Corona-Schließungen betroffen. Doch für die Theater ist das Ausweichen auf den Online-Bereich oft keine Option, wie Eva Marburg auf SWR 2 berichtet: Oft fehlen die technischen Mittel für hochwertige Aufzeichnungen und häufig können die Ensembles aus gesundheitlichen Gründen nicht miteinander proben oder spielen. 

Manche tun es trotz alledem, wie SWR 2 hier unter Verweis auf das Online-Theaterportal „nachtkritik“ zeigt. 

Oper und Klassik: Live-Streams entdecken 

„Wir wollen ein Zeichen setzen“, erklärte Sir Simon Rattle der Berliner Morgenpost vor dem ersten „Geisterkonzert“ in der Geschichte der Bundeshauptstadt. Die Berliner Philharmoniker spielten, ohne Publikum und Presse im Saal, dafür gab es aber einen kostenlosen „Live-Stream für alle“. Und das soll mindestens in den nächsten Wochen so bleiben. 

Am selben Abend war auch eine „Carmen“-Aufführung unter Leitung von Daniel Barenboim im Staatstheater Unter den Linden im Live-Stream zu erleben. Mit ihrem Engagement wollten die Musiker der „Corona-Depression“ entgegenwirken, und das Publikum nahm es dankbar an – 170 000 Zuschauer genossen die Oper zu Hause am Bildschirm. 

Das Programm der „Digital Concert Hall“ der Berliner Symphoniker steht jetzt schon für die nächsten drei Monate fest, sodass Musiklehrer ihre Schüler im Online-Unterricht unter verschiedenen thematischen Schwerpunkten vorbereiten können. Das Programm und die möglichen Unterrichtsinhalte sind breit gefächert: Solokonzerte, Symphonien, Ballettsuiten von der Wiener Klassik bis zu neuer Musik, und auch Beethoven-Kompositionen sind vertreten. – Vielleicht geht ja so das Beethovenjahr doch nicht sang- und klanglos an Ihren Schülern vorbei ... 

Viele solcher Live-Streams kommen derzeit von den großen Opern- und Konzerthäusern. Wo und wann Sie jeweils stattfinden, erfahren Sie zum Beispiel, wenn Sie „Geisterkonzert“ googeln. Über „Digitale Konzertsäle“ mit Live-Streams oder Video-on-Demand informiert Sie zudem dieser laufend aktualisierte Artikel auf der Website des Klassikmagazins „concerti“. – Ideal, um zum Beispiel im Musikunterricht im Vorfeld eines Konzertes bestimmte musikalische Gattungen, verschiedene Epochen, ein bestimmtes Solo-Konzert oder die Besetzung eines Symphonieorchesters zu besprechen. 

Musik entdecken mit arte concert

Besonders ergiebig für den Musikunterricht ist die Website „arte concert“. Auch hier finden Sie hochkarätige Live-Streams und Aufzeichnungen aus Klassik und Oper und dazu Pop & Rock, Bühnen-Performance, Metal, Oper, Jazz, Hip-Hop, Electronic, Weltmusik – das ganze Spektrum der Musikrichtungen, die auch die Lehrpläne der Sekundarstufe thematisieren. – Hier könnten Sie zum Beispiel – nicht nur im Musik-, auch im Deutschunterricht – Referate vergeben: Die Schüler stellen ihr Lieblingskonzert oder ihren Lieblingsinterpreten vor, recherchieren auf der Seite über „Festivalkultur in Europa“ über Indie und Punk, geben den Inhalt einer deutschsprachigen Oper wieder o. Ä. 

Musik und Fremdsprachenunterricht 

Auch für den Fremdsprachenunterricht gibt arte concert gute Impulse: In der Sendung „Echoes“ stellt Jenny Beth jeweils drei Bands mit einem Live-Gig vor und spricht mit den Bandmitgliedern. Eigentlich ist die Musikerin Französin, doch mit den Bands spricht sie Englisch – eine gute Übung für das Hörverstehen. Das gilt auch für die Dokumentationen in französischer Sprache, derzeit zum Beispiel über die Chansonsängerin Barbara. Die Schüler könnten auch Texte von Liedern, Songs oder Arien in verschiedenen Sprachen abhören, aufschreiben und dann ins Deutsche übertragen. Künstler helfen, darum Künstlern helfen.

Nicht nur im Unterricht der Fächer Deutsch, Ethik, Sozialkunde oder Religion sollte auch unbedingt immer wieder das Thema „Solidarität“ angesprochen werden. Zehntausende von Kunstschaffenden sind derzeit ohne Beschäftigung und hängen in der Luft. Trotzdem sind sie online für ihr Publikum da. Für Lau! Zum Beispiel auch die DJs der Berliner Clubs: „Als Antwort darauf, dass in Berlin die Clubs geschlossen sind und auch der Rest der Welt in Quarantäne sitzt, unterstützen sich Berliner Clubs, Veranstalter*innen und Künstler*innen untereinander und starten ab Mittwoch, den 18.03.2020 den größten virtuellen Club der Welt: #UnitedWeStream“, auf arte concert hier online. – Jeden Abend ab 19 Uhr kommen Live-Streams aus Berlin, bei denen kaum einer stillsitzen kann: Tanzen gegen den Corona-Frust! 

Martina Niekrawietz

Dazu passender Ratgeber

Mehr zu Ratgeber Schulorganisation
Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×