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Schulentwicklung

SMARTe Ziele erleichtern Projekte im Schulalltag

Lehrer unterrichten nicht nur, sondern haben eine Vielzahl an Aufgaben — auch bei der Schulentwicklung. Um Projekte effizient und nervenschonend zu managen, bietet die SMART-Methode einen zielführenden Handlungsleitfaden.

Schulentwicklung: SMARTe Ziele erleichtern Projekte im Schulalltag Wer gut geplant hat, kann sich darüber freuen, dass der Unterrichtsalltag entspannter abläuft © Sergei Denisov/shutterstock.com

Lehrer schieben keine ruhige Kugel, auch wenn manche meinen, neunzig Tage Urlaub im Jahr, zuzüglich der gesetzlichen Feiertage, spätestens mittags Uhr zu Hause und jedes Wochenende frei, seien doch wirklich ein entspannter Alltag. Dass es nicht nur beim Unterrichten bleibt, diese Erkenntnis hat sich immerhin inzwischen durchgesetzt. Der Rest sind Peanuts. — Leider vergessen viele Nicht-Lehrer, dass sich zeitweilig während der Korrekturphasen Berge von Arbeitsstapeln unterschiedlicher Klassen auf dem Schreibtisch türmen. — Und das ist an Aufgaben und Tätigkeitsfeldern längst noch nicht alles.

Ein kurzer Blick in das „Kerncurriculum für die Ausbildung im Vorbereitungsdienst für Lehrämter in den Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung und in den Ausbildungsschulen“ des Ministeriums für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen von 2016 macht schnell deutlich, dass selbst das Handlungsfeld (U) Unterricht nur eines von immerhin fünf Handlungsfeldern darstellt. Die meisten, die nicht direkt am schulischen Prozess teilhaben, werden über das Handlungsfeld S („Im System Schule mit allen Beteiligten entwicklungsorientiert zusammenarbeiten“) überrascht sein und sich hierunter vermutlich nur wenig vorstellen können. Zu Recht, denn dieses Handlungsfeld umfasst weitaus mehr, als diese — durchaus etwas unkonkrete — Beschreibung andeutet. Fakt ist jedenfalls: Es droht viel zusätzliche Arbeit.

Viele Projekte neben dem eigentlichen Unterricht

Um das Handlungsfeld etwas mehr zu konkretisieren, möchte ich hier den Fokus auf den Aspekt der Schulentwicklung richten. Das Themenfeld der Schulentwicklung umfasst dabei einerseits die Themen, die von einer übergeordneten Behörde „von außen“ herangetragen werden, andererseits zählen dazu aber auch alle anderen Themenbereiche, die von den an der Schule beteiligten Akteuren — Lehrer, Eltern und Schüler — selbst und somit „von innen“ kommen. 

Mit dem Effekt, dass Lehrer neben dem Unterricht womöglich an einer Vielzahl von Projekten mitarbeiten (müssen). Um alles unter einen Hut zu bringen, effizient zu arbeiten und zielführend zu organisieren, eignet sich die SMART-Methode, die hier vorgestellt werden soll.

Lernen, SMARTe Ziele zu formulieren

Die Idee zu dieser Vorgehensweise stammt eigentlich aus dem Projektmanagement und bemüht sich darum, vor Beginn des eigentlichen Projektes zu überlegen, worum es genau geht und überprüfbare Ziele zu definieren. SMART ist hierbei ein Akronym. Die dahinter stehenden Begrifflichkeiten variieren durchaus in Abhängigkeit des jeweiligen Autors. Aus meiner Sicht sinnvoll ist die folgende Zuordnung: Specific — Measurable — Accepted — Realistic — Timed 

SMART formulierte Projektziele müssen …

  • spezifisch sein. Das Ziel muss eindeutig definiert, konkretisiert und präzise formuliert sein.
  • messbar sein. Es muss eindeutige Kriterien geben, an denen die Erreichung des Zieles gemessen werden kann.
  • akzeptiert sein. Diejenigen, die an dem Projekt beteiligt sind, müssen dieses Ziel auch mit dem notwendigen Engagement verfolgen. Für den Buchstaben A findet sich in der Literatur teilweise auch die Bezeichnung „assignable“. Gemeint ist hierbei eine deutliche Zuordnung der Verantwortlichkeiten. Dieser Aspekt steht sicherlich indirekt in der Bezeichnung „accepted“, denn die Akzeptanz kann nur dann überprüft werden, wenn deutlich ist, wer daran beteiligt und davon betroffen ist. Trotz alledem erscheint es sinnvoll, auch auf diesen Umstand noch einmal ein zusätzliches Augenmerk zu legen.
  • realistisch sein. Das gesteckte Ziel muss möglich und — unter Berücksichtigung der vorhandenen Ressourcen — realisierbar sein.
  • terminiert sein. Die Zielerreichung muss zeitlich fixiert sein. Um eine wirklich effektive Projektarbeit zu organisieren, bietet es sich an, auf Meilensteine zurückzugreifen. Wobei die zeitliche Planung und somit auch die Festlegung einzelner Zwischenschritte mithilfe von Meilensteinen, vom eigentlichen Ziel rückwärts ausgehen und hierbei wichtige terminliche Überschneidungen (Beschlusskonferenzen, Ferien, Feiertage, Korrekturzeiten etc.) berücksichtigen sollte.

Graham Yemm ist der Ansicht, dass ein SMART formuliertes Ziel sinnvoll ist. Er plädiert jedoch dafür, dass Ziele noch SMARTER formuliert sein sollten. Hierbei erweitert er die Methode um die Aspekte Evaluated und Reviewed/Rewarded. Er ist somit der Ansicht, dass Projekte — er bezieht sich bei seiner Darstellung vor allem auf den Aspekt der Mitarbeiterführung — ausgewertet und bewertet (E) werden, anschließend geprüft und begutachtet (R) sowie honoriert und wertgeschätzt (R) werden sollten. (Vgl.: Yemm, Graham: Essential Guide to Leading Your Team: How to Set Goals, Measure Performance and Reward Talent. Pearson Edition 2013, S. 37 ff.) Das lässt sich auch gut auf die Arbeit mit der SMART-Methode in der Schule übertragen.

Beispiel für smartes Projektmanagement

Um noch einmal deutlich zu machen, wie smartes Projektmanagement aussehen kann, hier zunächst ein negatives Beispiel für Projektplanung. Kein smart formuliertes Ziel wäre es, wenn sich ein Kollegium zu der Aussage „Wir erstellen ein Konzept für die Berufsorientierung“ hinreißen lassen ließe. Hier bleibt man im Vagen stecken — und dem Projekt droht das Aus. 

SMART wäre die Zielformulierung, wenn sie beispielweise lauten würde: „Die drei StuBOs erstellen bis zum April 2019 ein Konzept für die Studien- und Berufsorientierung, setzen die darin befindlichen Inhalte beginnend mit dem Schuljahr 2019/20 durch und überprüfen die Effektivität der einzelnen Maßnahmen nach einer zweiten Durchführung im Schuljahr 2020/21 im ersten Halbjahr des Schuljahres 2021/22.“ Solch eine beispielhafte Zielformulierung ist SMART, weil …

  • spezifisch: das Ziel klar definiert, konkretisiert und präzise formuliert ist. Hier die Erstellung und Überprüfung eines BO-Konzeptes.
  • messbar: Die Erreichung des Zieles klar überprüfbar ist. Hier ist Existenz des Konzeptes. 
  • akzeptiert: Hier wird unterstellt, dass die drei StuBOs (hiermit ist die Verantwortlichkeit benannt) sich der Verantwortung ihres Aufgabenbereiches bewusst sind und somit an der Erstellung des Konzeptes interessiert sind. Andernfalls würden sie ihrer Dienstpflicht im Rahmen ihres Aufgabenbereiches nicht ausreichend nachkommen.
  • realistisch: Die zeitliche Planung erscheint zwar sehr lang angelegt, ist jedoch unter Berücksichtigung weiterer Aufgaben, die der Schuldienst mit sich bringt, realistisch. Auch die Durchführung der Evaluation erzwingt mindestens zwei vorherige Durchgänge.
  • terminiert: Die Erstellung, Durchführung sowie die Evaluation des Konzeptes sind zeitlich fixiert und durch weitere Rahmenbedingungen, wie beispielweise den Beginn des Schuljahres, zeitlich begrenzt.

Darüber hinaus wird eine Auswertung und Bewertung (E) des erstellten Konzeptes anvisiert, jedoch noch nicht kriterienorientiert konkretisiert (Unter welchen Bedingungen ist das erstellte Konzept erfolgreich im Sinne einer Verbesserung der Studien- und Berufsorientierung?). Eine Honorierung bzw. wertschätzende Beurteilung vonseiten der Schulleitung, des Kollegiums, der Eltern oder der Schüler ist bei dieser Zielformulierung nicht benannt — wäre aber sicher im Interesse der Projektleitung wünschenswert.

Frank Lauenburg

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