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Schüler-Knigge

Grüß mal anständig! — Gute Umgangsformen muss man lernen

Gute Umgangsformen sind in Alltag und Berufsleben immens wichtig. Auch darauf muss Schule vorbereiten. Als kleines Benimm-Projekt lässt sich normengerechtes Verhalten spielerisch trainieren, fördert die Sozialkompetenz und ist ein wertvoller Beitrag für ein gutes Klassenklima.

Schüler-Knigge: Grüß mal anständig! — Gute Umgangsformen muss man lernen Schüler erleben sich und andere ganz neu, wenn sie anderen Menschen mit Wertschätzung begegnen © Marco2811 - Fotolia.com

Zu Beginn des Jahres 2012 geriet eine Rektorin im Bayerischen Passau bundesweit in die Medien: Sie wollte aus ihrer Mittelschule die ihrer Meinung nach unhöflichen norddeutschen Grußformeln „Hallo“ und „Tschüs“ verbannen. Ein „flapsiges ‚Hallo‘ hörten bayerische Personalchefs nun einmal nicht gern“, begründete die Schulleiterin gegenüber der Münchner Abendzeitung. Die Süddeutsche Zeitung stellte zur Disposition, ob ein freundliches „Hallo“ tatsächlich unhöflicher sei als ein mürrisches „Grüß Gott‘“ und ließ auch den Präsidenten des Bayerischen Lehrerverbandes, Klaus Wenzel, zu Wort kommen: Ihm erschiene dieses Vorgehen als „doch etwas sehr kleinkariert“. Seiner Meinung nach lerne kein Schüler durch Verbote; „deutlich mehr Sinn“ mache es da doch, die Grußformeln „in ein paar Schulstunden zu behandeln und den Schülern (…) verständlich zu machen“.

Wertschätzung ist Grundlage für das Normenlernen

Auch aus erziehungswissenschaftlicher Sicht sind Verbote und einseitig restriktive Vorgaben bei der Vermittlung sozialer Normen und Werte wenig zielführend: „Je intensiver der Personenbezug und die Zuwendung beim Normenlernen sind, desto erfolgreicher sind die Bemühungen“, so heißt es in Günter Gugels Handbuch Gewaltprävention in der Grundschule (Kapitel 4.2.4 „Regeln etablieren“). „Grenzziehungen“ seien nur dann persönlichkeitsfördernd, wenn sie von einer grundsätzlich akzeptierenden, wohlwollenden Haltung gegenüber dem Kind getragen würden. Abweichendes Verhalten sollte „isoliert und klar und deutlich sanktioniert werden“; eine „scharfe äußere Kontrolle mit feindlichen Tendenzen“ bewirke jedoch keine Verinnerlichung der Werte, im Gegenteil: Die Normen-Konformität halte dann „nur so lange, wie eine Aufsichtsperson vorhanden ist“.

Zudem geht es bei guten Umgangsformen um weit mehr, als um die Einhaltung allgemein gültiger Benimmregeln: „Es geht darum, eine Herzensbildung zu bekommen“, betont Moritz Freiherr Knigge, ein Nachfahre des Aufklärers Adolph Freiherr Knigge auf seiner Website. Er ist Mitbegründer des Deutschen Knigge-Rates, eines Expertenkreises, der sich „visionär, praktisch, ideell und kontrovers mit neuen Trends, Ideen und Fragestellungen zu zeitgemäßen Umgangsformen“ auseinandersetzt. Viel wichtiger als die strenge Etikette sei der „Respekt vor den Mitmenschen“, betont der Deutsche Knigge-Rat (ebd.).

Schüler-Knigge: 10 Empfehlungen  für gutes Benehmen

Der Schüler-Knigge verkündet sein Regelwerk nicht dogmatisch „ex cathedra“, sondern versteht sich als Diskussionsgrundlage. Die Autoren präsentieren ihre zehn Empfehlungen in einer bemüht jugendgerechten Sprache und erläutern auch, warum es zum Beispiel sinnvoll ist, Fäkalsprache zu vermeiden, zuverlässig und pünktlich zu sein oder sich innerhalb der Schulgemeinschaft zu engagieren und mit anzupacken.

Zum Thema „Grüßen“ heißt es da: „Grüßt mal wieder Eure Lehrer! Und zwar nicht dahingemurmelt und mit dem Rücken zu ihnen, sondern deutlich vernehmbar mit Namen und mit Blickkontakt“ (S. 4). Die Begründung dafür kommt nicht etwa moralinsauer daher, sondern beleuchtet empathisch, was unhöfliches Verhalten beim anderen auslöst: Wenn die Begrüßung durch den Lehrer „im Chaos des Unterrichtsbeginns“ untergeht, verletze das manchmal schon fast die Würde des Lehrers. Auch entspreche das „nicht den gewohnten Umgangsformen in Ausbildung und Beruf“. Deshalb sei das Grüßen des Lehrers „eine super Übung fürs richtige Leben“. (Ebd.)

Richtig (be-)grüßen: Ideen für den Unterricht

Angemessene Grußformen in unterschiedlichen Situationen erläutert eine Broschüre der Initiative für Beschäftigung: „Knigge heute für junge Leute“ (S. 8 f.). Hierin findet sich auch die kuriose Antwort auf eine Frage, die als Einstieg in eine Unterrichtseinheit über höfliches Grüßen bzw. Begrüßen stehen könnte: „Wie ist das Händeschütteln wohl entstanden?“
Von hier aus kann man direkt überleiten zu den Tücken des Händeschüttelns, das allein schon eine „Wissenschaft für sich“ ist: Wer gibt in welcher Situation wem die Hand? Steht oder sitzt man dabei? Wie fest drückt man zu? usw. Hierzu könnte man zum Beispiel einen kleinen Fragebogen mit unterschiedlichen Situationen und Konstellationen vorbereiten, der anschließend gemeinsam besprochen wird, um dann aus den Ergebnissen die wichtigsten „Dos“ und „Don’ts“ festzuhalten.

Eine detaillierte Anleitung zur „feinen Kunst des Händeschüttelns“ liefert Anregungen dafür, ebenso das Wikibook „Umgangsformen: Grüßen oder Vorstellen“. Bei weiter gestecktem zeitlichem Rahmen, zum Beispiel während eines Projektnachmittags, könnten die Schüler auch kleine Fotogeschichten gestalten („So nicht“ vs. „So!“). Wie das konkret aussehen kann, zeigen die Schüler der Kaufmännischen Schule Tauberbischofsheim auf der Website ihrer Schülerzeitung „financial t(a)ime“.

Zur Vertiefung des Gelernten überlegen sich die Schüler dann in Kleingruppen geeignete Situationen, die sie der Klasse vorspielen. Hierbei bauen sie eine begrenzte Anzahl von offensichtlichen Verstößen gegen die Etikette ein. Die anderen Schüler beobachten genau und notieren jeden „Fauxpas“, den sie entdeckt haben.

Die Schüler sind bei der Sache, denn sie erarbeiten sich die Umgangsformen aktiv und wenden sie direkt im Rollenspiel an. Und die Lehrkraft spart sich Vorbereitungszeit, denn mit dem beschriebenen methodisch abwechslungsreichen Stundenraster lassen sich auch beliebige andere Umgangsformen vermitteln.

Bewährungsprobe in der Praxis

Noch besser als unterrichtliche „Trockenübungen“ sind natürlich reale Situationen, in denen sich die Schüler bewähren müssen. Dazu könnte man z. B. versuchen, eine Unterrichtseinheit über Vorstellungsgespräche mit der Einladung eines Personalchefs zu „krönen“, der mit interessierten Schülern dann „mit Publikum“ ein Vorstellungsgespräch führt. Auch korrektes Verhalten in überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln kann, z. B. während der Hauptverkehrszeit, leicht „realiter“ erprobt werden, genauso wie der Besuch einer Theatervorstellung oder eines klassischen Konzerts.

Besonders gut eignen sich auch Tischmanieren für einen Bewährungstest unter realen Bedingungen. Der Besuch eines Nobelrestaurants einer Mittelschul-Klasse aus Herne, wie ihn SPIEGEL TV in einem kurzen Video schildert, dürfte aber aus pekuniären Gründen leider eher die Ausnahme bleiben.

Martina Niekrawietz

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