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Benimmregeln

Kleiner Benimmkurs für ersten Konzertbesuch

Benimmregeln vor dem Besuch eines klassischen Konzerts vermittelt man Kindern und Jugendlichen am besten mit viel Humor. Loriot-Sketche und der Lehrer als „unmöglicher“ Konzertbesucher bieten viel diskussionswürdiges Anschauungsmaterial — um es besser zu machen.

Benimmregeln: Kleiner Benimmkurs für ersten Konzertbesuch Mit dem Smartphone zu fotografieren oder gar zu filmen ist ein No-Go bei einem klassischen Konzert © bernardbodo - Fotolia.com

Bloggerin Anne Schüssler hat ein Konzert des Rockmusikers Nick Cave besucht. Danach macht sie ihrem Ärger über das Publikum Luft: In ihrer „kleinen Anleitung für Konzertbesucher“ gibt sie „ein paar einfache und verständliche Hinweise, wie man sich auf einem Konzert verhalten sollte und vor allem: Wie besser nicht“: Sie ist genervt von der „Quatscherei“, von Handys und Kameras, die den Blick auf die Bühne verstellen, von drängelnden, rempelnden Zuhörern und von Rauchern, die das Rauchverbot im Saal ignorieren.

Der humorvolle Text eignet sich gut für die Einstiegsphase in eine Stunde über die Spielregeln in einem klassischen Konzert: Die kurze Liste von „No-Gos“ (Tafelanschrift!) kann dabei noch erweitert werden durch eigene Erfahrungen von Regelverletzungen, die die Schüler womöglich bei Konzerten von One Direction, Sido, Justin Bieber und Co. gemacht haben.

„Wer von euch hat schon einmal ein klassisches Konzert besucht?“ — Mit dieser Frage leitet die Lehrkraft anschließend über zum Stundenthema, zu den im Vergleich zum Rock- oder Popkonzert wesentlich komplexeren „Benimmregeln“ im klassischen Konzertsaal. Besonders wichtig ist deren Kenntnis natürlich, wenn der Besuch eines abendlichen Klassikkonzerts unmittelbar bevorsteht und die Schüler das erste Mal dorthin gehen.

Simulation Konzertsituation mit „unmöglichem“ Zuhörer

Es folgt eine „praktische Übung“. Die Schüler — und gleich auch die Lehrkraft — stellen die Zuhörer in dem nun folgenden „Konzert“ dar. Mithilfe eines Beamers projiziert der Lehrer ein Video eines Konzertmitschnittes auf eine Leinwand. Bei der Auswahl des Films sollte darauf geachtet werden, dass das Konzertpodium in der Totale aus Sicht der Zuschauer aufgenommen ist, sodass tatsächlich der Eindruck einer realen Konzertsituation entsteht. Das Musikstück sollte aus mehreren kurzen Sätzen bestehen und auch leise Passagen enthalten.
Alle Plätze „im Zuschauerraum“, also die Plätze der Schüler, sind nummeriert. Zunächst versammeln sich die Schüler in einer Ecke des Musiksaals, wo sie ihre „Eintrittskarten“ erhalten und instruiert werden: Ihre Aufgabe ist es jetzt, gesittet ihre Plätze zu suchen und einzunehmen, dann startet der Lehrer das Video und das Konzert beginnt.

Anstatt zu warten, bis das erste Stück vorbei ist, kommt der Lehrer in seiner Rolle als „unmöglicher Zuhörer“ mitten im ersten Satz. Er drängt sich mit einem Glas Sekt mit dem Rücken zu den Sitzenden durch die Reihe, entschuldigt sich dabei viel zu laut („sorry!“) und lässt sich auf seinen Sitz fallen. Im Folgenden tut er alles, was man im Konzertsaal besser unterlassen sollte: umständlich und laut in der Tasche kramen, dabei mit den Ellenbogen rechts und links „anecken“, raschelnd einen Kaugummi auspacken und ihn mit offenem Mund kauen, sich bei Pianissimo-Stellen geräuschvoll schnäuzen, laut niesen und den Nachbarn um ein Taschentuch bitten, an das laut klingelnde Smartphone gehen und mit wenig gedämpfter Stimme telefonieren („Du, ich sitz hier grade im Symphoniekonzert! Ich kann jetzt nicht, ich will ja hier niemanden stören …“), mit dem Handy fotografieren (Blitz) oder filmen (langes Hochhalten), nach dem ersten Satz klatschen usw.

Benimmregeln und warum sie sinnvoll sind

Nach dieser „Vorstellung“ tragen die Schüler ihre Beobachtungen zusammen: Womit hat sich der Lehrer danebenbenommen? Das kann in einem Unterrichtsgespräch erfolgen, wobei der Lehrer jeweils die Ergebnisse an die Tafel schreibt und parallel dazu mit der Klasse erörtert, warum welche Spielregeln sinnvoll sind. Möglich wäre hier aber auch Gruppenarbeit mit dem Auftrag: Sammelt eure Beobachtungen und überlegt, warum welche Verhaltensweisen im Klassischen Konzert nicht erwünscht sind. Außerdem sollten Sie Vorschläge erarbeiten und später vorstellen, wie man es besser machen könnte. Nach der Übung „nummerierte Plätze einnehmen“ ahnen die Schüler womöglich auch schon, warum es wichtig ist, bereits eine halbe Stunde vor Konzertbeginn da zu sein.

Unbedingt erklärt werden sollte den Schülern darüber hinaus, warum zwischen den Sätzen eines mehrteiligen Stücks nicht geklatscht wird und natürlich auch, woran man erkennt, wie viele Sätze ein Stück hat (Programmheft!), oder wie man verfahren sollte, wenn man nicht genau weiß, wann geklatscht werden darf (am besten warten, bis alle klatschen).

„Was ziehe ich an?“ — Auch diese Frage wird einige Schüler beschäftigen. Der Klassik-Knigge auf der Website der Ticketbörse empfiehlt hier: (…) „etwas, in dem Sie sich gleichzeitig außergewöhnlich und entspannt fühlen. Da Sie relativ lange still sitzen werden, ziehen Sie am besten bequeme Kleidung an, damit Sie sich voll und ganz dem Musikgenuss widmen können.“ Vergessen werden sollte auch nicht der Hinweis, vor dem Konzert etwas zu essen, um später nicht durch lautes Magenknurren aufzufallen.

Loriot-Sketche als warnende Beispiele

Zum Abschluss der Stunde und mit einem kleinen Augenzwinkern kann sich die Klasse gemeinsam Loriots Konzertbesuch ansehen. An dieser Stelle — oder auch während der Erarbeitungsphase — bieten sich natürlich noch weitere Loriot-Sketche an: Etwa das Flötenkonzert, das nicht beginnen kann, weil sämtliche Zuschauer kurz vor Beginn noch auf bessere Plätze wechseln, oder die Hustensymphonie, bei der es zu einem wahren Hustenkonzert kommt. — So vorgewarnt und instruiert, können sich die Schüler hoffentlich gut benehmen und sich voll und ganz der Musik widmen.

Martina Niekrawietz

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