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Perspektivwechsel

Schüler- und Lehrerverhalten auf dem Prüfstand

Lehrer kritisieren an Ihren Schülern oft Verhaltensweisen im Unterricht, die sie selbst in anderen Situationen an den Tag legen. Ein Perspektivwechsel „erklärt“ manche Unterrichtsstörung durch Schüler und man kann als Lehrer weit besser reagieren.

Perspektivwechsel: Schüler- und Lehrerverhalten auf dem Prüfstand Ein Schwätzchen zwischendurch — Lehrer verhalten sich auf Sitzungen manchmal genauso wie ihre Schüler im Unterricht © Woodapple - Fotolia.com

Lehrer reflektieren, evaluieren und diskutieren vor allem das Verhalten von Schülern im Unterricht. Es werden Maßnahmen beschlossen, wenn ein Verhalten nicht dem erwarteten entspricht und teilweise auch umgesetzt. Es gibt auch viele Gespräche mit und über die Schüler. Doch ganz oft bringt dies alles nichts und selbst am Tag nach einer Disziplinarmaßnahme ist das Verhalten unverändert, manchmal vielleicht auch noch schlimmer.

Einfach wäre es zu sagen, dass der betreffende Schüler eben ungezogen sei, doch um die wirklichen Ursachen zu ergründen, hilft es den Standpunkt zu wechseln und sich in die Lage der Schüler zu versetzen. Ein Stück „in den Schuhen des anderen zu gehen“, kann eine Situation in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen und auch die Möglichkeiten einer Problemlösung sind vielleicht ganz anders und vielleicht auch unkonventioneller als zunächst gedacht. Dazu ist es jedoch nötig, einige Erkenntnisse zu gewinnen und diese dann umzusetzen.

Erinnerungen aus der eigenen Schulzeit helfen

Auch wenn die eigene Schulzeit schon einige Jahre zurückliegt, so sind viele Erinnerungen daran geknüpft. Es gab nette Lehrer und weniger nette, welche bei denen man gern lernte und welche bei denen man vielleicht auch mal mit dem ein oder anderer Scherz den Unterricht ein ganz klein wenig gestört haben könnte. Natürlich wurde dies Verhalten von den damaligen Lehrern nicht gern gesehen und rief auch teilweise dementsprechende Reaktionen hervor. Doch wichtig ist in diesem Fall nicht die Reaktion der Lehrer, sondern die Ursache, die das Schülerverhalten hervorgerufen hat. War es Langeweile? War es Übermut? Oder woran lag es? In den seltensten Fällen liegt es daran, dass man dem Lehrer wirklich etwas Böses will. Diese erste Erkenntnis trifft auch auf heutige Schüler zu.

Diese Erkenntnis kann dabei helfen, auch über gute Schülerwitze zu lachen. Es darf natürlich niemand dabei zu Schaden gekommen sein. Aktionen, die wirklich lustig sind, dürfen auch gemeinschaftlich belacht werden. Freude gehört auch zum Unterricht dazu und Humor ist eine Eigenschaft, die bei Lehrern immer wieder gewünscht wird — sie kommt wahrscheinlich viel zu selten zum Vorschein.

Lehrer, die sich wie Schüler verhalten?

Lehrer würden nie zugeben, dass auch sie sich in manchen Situationen wie Schüler verhalten. Doch es gibt viele Situationen in denen genau das passiert. Gerade Lehrer sind häufig Gäste auf Stadtführungen und bei Vorträgen jeglicher Art. Und dabei fallen sie auch sehr oft auf. Sei es durch häufiges Nachfragen oder auch durch heftige Kritik am Vorgetragenen. Auch das kommt bei einigen Schülern vor. Und manche Lehrer fühlen sich extrem dadurch gestört, wenn ein Schüler beispielsweise eine Sprache besser kann oder in einem anderen Bereich einfach mehr Ahnung hat, wie zum Beispiel im Umgang mit dem Computer. Die Erkenntnis, die hieraus gewonnen werden kann, ist die, dass jeder Mensch, der meint etwas zu wissen, ernst genommen werden möchte. Auch Schüler möchten erst genommen werden.

Passt ihr Wissen nicht in den Zeitrahmen des Unterrichts, dann ist es ratsam, in der Pause Zeit mit dem Schüler zu verbringen. Und wenn dort wirklich Wissen vorhanden ist, sollte dies im Unterricht genutzt werden, zum Beispiel in Form von Referaten oder auch von Aussprachehilfen in Fremdsprachen.

Dass man nicht mit jedermann gut auskommt, ist für Erwachsene eine Binsenweisheit und man vermeidet es dann, wenn es irgend geht, mit dieser Person zusammenzuarbeiten. Auch diese Erkenntnis lässt sich auf den Unterricht und Schule übertragen, denn auch nicht jeder Schüler kann mit jedem anderen Schüler zusammenarbeiten. Wobei es natürlich ein wichtiges Bildungsziel ist, die Teamfähigkeit der Schüler zu fördern.

Auf Lehrerkonferenzen und bei Fortbildungen legen Lehrer ebenfalls häufig Verhaltensweisen an den Tag, die sie sonst bei ihren Schülern zu Recht bemängeln. Eine Kollegin kommt zu spät wie immer, weil sie wie immer ihre Kinder erst unterbringen musste — das wird natürlich akzeptiert, aber was ist mit dem Schüler, der sein Tier füttern musste? Ein Kollege spricht immer dazwischen und zwei andere schreiben sich kleine Briefe. Wieder andere schicken sich die Nachrichten per WhatsApp. Einer ist ganz eifrig und surft mit seinem Smartphone gleich im Internet, um die Infos zu suchen, die gefragt sind. Und zwei andere unterhalten sich zwar leise.
All diese Verhaltensweisen lassen sich direkt auf Schüler übertragen — wenn auch Erwachsene zumindest zu Beginn versuchen, ein wenig zurückhaltender zu sein.

Schülerverhalten ganz normal

Die hier zu gewinnende Erkenntnis ist nun, dass das Verhalten, das die Schüler in vielen Stunden an den Tag legen, eigentlich ein normales Verhalten ist — zweifelsfrei unhöflich, aber von vielen Personen in ähnlichen Situationen ähnlich praktiziert.

Wenn die Störungen nicht als Unterbrechungen gesehen werden, sondern als Indikatoren dafür, dass an der Arbeitsweise etwas verändert werden muss, dann können sie sogar ganz hilfreich sein. Beginnen zum Beispiel bei einem Vortrag die ersten unruhig zu werden oder zu tuscheln, dann kann es entweder sein, dass an dieser Stelle etwas nicht verstanden wurde und die Schüler untereinander versuchen, die entstandenen Fragen zu klären oder es wird langweilig. Eine weitere Erklärung, eine Unterbrechung oder ein Methodenwechsel sind hier absolut erforderlich. Werden Schüler beim Arbeiten unruhig, dann haben sie eventuell nichts zu tun, wissen nicht genau, was sie tun sollen oder sie sind einfach erschöpft.

Lehrer sollten sich in die Situation der Schüler hineinversetzen. Viele Situationen können so besser verstanden und mit ein bisschen Übung im Vorfeld verhindert werden. So werden  beispielsweise Vokabeln mit ein paar Bewegungsspielen in der sechsten Stunde viel besser gelernt. Und selbst ungewöhnliche Maßnahmen können zur Änderung des Verhaltens führen: Erwischt man zum Beispiel Schüler mit einem Handy oder Smartphone im Unterricht, kann er die Aufgabe bekommen, den Tafelschrieb zu fotografieren und dann an alle weiterzuleiten. Eine völlig andere Reaktion des Lehrers als die erwartete kann also für eine Beendigung der Unterrichtsstörungen sorgen.

Manon Sander

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