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Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung

Wenn Gefühle nicht verstanden werden

Schüler mit geistiger Behinderung, haben oft Schwierigkeiten, Gefühle wahrzunehmen und zu verstehen. Kleine Übungseinheiten können helfen, notwendiges Grundwissen zu vermitteln.

Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung: Wenn Gefühle nicht verstanden werden Wenn Schüler ihre Gefühle nicht verstehen oder einordnen können, wirkt sich das auch auf den Unterricht aus © Picture-Factory - Fotolia.com

In der Arbeit mit geistig behinderten Schülern bin ich immer wieder von ihrer offenen und direkten Art, Gefühle auszudrücken fasziniert. So können sich die Momente von überschießender Freude auf für mich fast belanglose Ereignisse oder Dinge beziehen. Meine Schüler erschaffen so kleine Freudeninseln in unserem gemeinsamen Alltag. Wir lachen gemeinsam und lernen täglich voneinander.

So schnell die Freude kommt, kann sie sich aber auch in tobende Wut, furchteinflößende Angst oder niedergeschlagene Trauer wandeln. Probleme, die sich nicht unmittelbar lösen lassen, sind schnell ganz groß. Häufig fehlt das Wissen darüber, welche Gefühle in uns stecken, wie sie sich anfühlen und dass wir in der Lage sind, unsere Gefühle bewusst zu verändern. Daher ist es gerade für Schüler mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung wichtig, eigene und fremde Gefühle, wie Freude, Wut, Angst, Trauer und Liebe zu erkennen und sie zu einem angemessenen Umgang mit ihren Emotionen zu befähigen.

Gefühle, die verwirren

So bleibt es im alltäglichen Umgang nicht aus, dass Missverständnisse entstehen. Zum Beispiel kann sich die Aussage einer Schülerin, sich vor einem Mitschüler zu fürchten, als unausgesprochene Wut auf diesen Jungen herausstellen.

Häufig bringen die Schüler auch negative Gefühle gleich morgens mit in den Klassenraum und beeinflussen maßgeblich das Unterrichtsgeschehen — und womöglich auch die Gefühlslage der Mitschüler. Diese Gefühle resultieren zum Beispiel aus Konflikten im Familien- und Freundeskreis. Die Schüler beschuldigen dann Eltern, Geschwister oder Freunde dafür, dass sie sich wütend, traurig oder ängstlich fühlen. Ihre übermächtigen Gefühle überrollen sie, und sie fühlen sich ihnen hilflos ausgeliefert. Um zu lernen, die eigenen Gefühle zuzulassen und zu verstehen,  und ihnen nicht mehr ausgeliefert zu sein, bieten sich einfache, kleine Übungen an.

Kleine Übungen mit großer Wirkung

Mit leichten Übungen gelingt es, die Bedeutung der eigenen Gefühle zu entschlüsseln, die eigenen Gefühle von anderen Personen abzugrenzen, Gefühlsausdrücke anderer Menschen wahrzunehmen und den eigenen Einfluss darauf zu erkennen. Diese Übungen können gut in den Unterrichtskontext eingebettet werden und ergänzen spielerisch die theoretischen Ausführungen der Lehrkraft. Im Vorfeld einer Übung erfolgt die Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Gefühl. Wie erkenne ich das Gefühl (Mimik, Gestik, Innere Empfindung)? Wie wird dieses Gefühl ausgelöst bzw. unbewusst beeinflusst? Was kann ich bewusst bei negativen Gefühlen tun?

Wie diese Übungen aussehen können, sollen diese Beispiele für die verschiedenen Gemütslagen kurz verdeutlichen:

  • Freude (Glückserbsen): Mit 10 kleinen Erbsen ermutigen Sie jeden Schüler dazu, die positiven und fröhlichen Momente seines Tages bewusst wahrzunehmen.
  • Wut (Erste-Hilfe-Übung): Einfache und kurze Atemübungen und Bewegungsabläufe bauen die körperliche und emotionale Anspannung der übermächtigen Wut ab und sorgen schnell für Entspannung.
  • Angst (Mein Angstmonster): In Vorübungen haben sich die Schüler bereits mit ihrer Angst und den entsprechenden Auslösern auseinandergesetzt. Nun können sie ihr persönliches Angstmonster aufzeichnen. Durch die Verbildlichung der Angst verliert sie ihren Schrecken.
  • Trauer (Trostengel): Gemeinsam mit Ihren Schülern basteln Sie kleine Trostspender aus runden Holzwäscheklammern oder Erdnüssen. Die Schüler bekommen einen kleinen Helfer an ihre Seite. Dieser spendet ihnen Zuversicht und macht Mut.
  • Liebe (Ballon der Liebe): In dieser Übung nehmen die Schüler wahr, wen oder was sie lieben und von wem sie selbst geliebt werden.

Die Schüler lernen so in diesen kleinen Übungseinheiten, die auch die verschiedenen Lernkanäle ansprechen, unterschiedliche Gefühle kennen und unterscheiden. Sie entwickeln gemeinsam einen Wortschatz für Gefühle und entdecken, was sich hinter den Gefühlen verbirgt. Der Zusammenhang zwischen Bedürfnissen, Gefühlen und Verhalten wird deutlich und kann  so auch entsprechend erlebt und kommuniziert werden.

Freude und Spaß wichtig für den Lernprozess

Für jeden Lernprozess sind Freude und Spaß am Miteinander eine wichtige Grundlage. So ist die Vermittlung von Lerneinheiten zum Thema Gefühle ein Anlass zum Hineinfühlen in sich selbst und bietet viel Spielraum für gemeinsames Erleben in der Gruppe. Ein reines „Durchziehen“, Dozieren oder Referieren von Lerninhalten verringert die Möglichkeit für intensive gemeinsame Erfahrungen.

Anja Schiebe

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