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Lernen fürs Leben

Schule als Lebens- und Erfahrungsraum

Unsere Schule ist im Gegensatz zu früher für die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen Aufenthaltsort für den größten Teil des Tages. Dies ist Chance und Verantwortung zugleich, die von der Gesellschaft zugewiesene Aufgabe zu erfüllen, nämlich die Schüler aufs Leben vorzubereiten. Um dies zu verwirklichen, darf die Schule nicht nur Lernanstalt, sondern sie muss auch Lebens- und Erfahrungsraum sein.

Lernen fürs Leben: Schule als Lebens- und Erfahrungsraum Praktische Tätigkeiten spielen in der Reformpädagogik eine wichtige Rolle © Szasz-Fabian Erika - Fotolia.com

Immer wieder wird in Bildungsdiskussionen betont, dass kognitive Lernprozesse allein keine Fähigkeiten zu Übernahme von Eigenverantwortung, Haltungen und nachhaltigem Wissen erzeugen. Immer noch ist in unseren Schulen „frontaler“ Unterricht aus vielen Gründen vorherrschend, wobei „die Lehrer aktiv und die Schüler vor allem rezeptiv, wenn nicht sogar passiv sind“ (LEH, S.17).

Schulen der Reformpädagogik und mit alternativer Pädagogik haben von Beginn an die pädagogischen Prinzipien Selbständigkeit im Lernen, Eigenverantwortung und vielfältige Formen des Zusammenwirkens und  Schule als Lebens- und Erfahrungsraum in den Mittelpunkt gestellt.

Nachfolgende Beispiele sollen zeigen, wie diese Schulen heute diese Grundsätze verwirklichen. Alle sind Gemeinschaftsschulen, d. h. die Kinder werden von der 1. bis zur 10. Klasse gemeinsam unterrichtet.

Projektbezogene Partizipation

Gestaltende Kompetenzen „entwickeln sich am besten im konkreten Tun im gemeinsamen Projekt, in dem jede Fähigkeit zum Nutzen des Gesamten eine Rolle spielt“ (Edelmann, S. 115).

In der Helene-Lange-Schule in Wiesbaden — Unesco-Projekt-Schule und Club of Rome-Schule — sind Projekte Formen des fächerübergreifenden Unterrichts. Schüler und Lehrer wählen gemeinsam ein  Thema. In einem Zeitraum von sechs bis acht Wochen und zehn bis 12 Wochenstunden entwickeln die Schüler einen Plan, beschäftigen sich arbeitsteilig mit bestimmten Fragestellungen/Problemen (Fachleute, z. B. Fachlehrer oder Experten, auch Eltern, können hinzugezogen werden) und präsentieren am Ende  anderen Personen (Eltern, Schüler, Lehrern, Freunden) gemeinsam die Lösungen. Die Projekte finden in jedem Schuljahr zwei Mal statt, jeweils in einer ganzen Jahrgangsstufe mit unterschiedlicher Thematik (nach Riegel, S. 22 ff.)

Verwendete/empfohlene Literatur:

Edelstein, Wolfgang und Frank, Susanne (Hrsg.): Praxisbuch Demokratiepädagogik. Weinheim und Basel 2009

Röhrs, Hermann: Die Schulen der Reformpädagogik heute. Düsseldorf 1986

Riegel, Enja: Schule kann gelingen! Wie unsere Kinder wirklich fürs Leben lernen. Frankfurt am Main 5. Aufl. 2008

Vereinigung Deutscher Landerziehungsheime: Beziehungskultur pflegen – erfolgreicher lernen. Große Mitarbeitertagung 2008 in Würzburg

Sie lernen dabei fürs Leben:

  • Schüler entdecken eigene Interessen.
  • Sie lernen Arbeitsprozesse zu organisieren und Informationen zu beschaffen.
  • Sie lernen im Team zu arbeiten.
  • Sie lernen Verantwortung zu übernehmen.
  • Sie machen die Erfahrung, etwas bewirkt zu haben.
  • Sie lernen: „Ich bin wichtig.“
  • Sie lernen eine Präsentation spannend zu organisieren.
  • Sie lernen frei vor anderen aufzutreten und zu reden.

Praktika, Sozialdienste und unregelmäßige Veranstaltungen

Eine wichtige Rolle spielen in allen reformpädagogischen Schulen und Schulen mit alternativer Pädagogik praktische Tätigkeiten. Man ist der Auffassung, dass praktische Arbeit, wenn sie richtig betrieben wird, einen großen Einfluss auf die Persönlichkeitsbildung hat. Viele Schulen haben eigene Werkstätten (Schmiede, Schreinerei, Töpferei, Ateliers für Textil-, Holz- und Grafikdesign usw.), in denen sie in unterschiedlichen Jahrgängen handwerkliche Tätigkeiten erlernen, ja sogar Prüfungen ablegen können.

In Waldorfschulen findet in der 9. Klasse ein Landwirtschaftspraktikum statt. Jeweils zwei Schüler leben und arbeiten zwei Wochen auf einem Bauernhof. Die Hermann-Lietz-Schule in Haubinda bietet im „Gildenprogramm“ die Teilnahme in sogenannten „Wirtschaftsunternehmen“ an. Schüler führen in ihrem Internatsdorf ein Schülercafé, eine Pizzeria, eine Honigproduktion und sind im Moment dabei, einen Hofladen zu etablieren.

Ausschließlich ältere Schüler der Reformschulen haben die Möglichkeit, in ungewohnten Lebenssituationen wichtige Erfahrung zu sammeln. Sie arbeiten entweder in einem Zeitraum von zwei  bis drei Wochen im Altenheim, Krankenhaus oder Kindergarten oder über einen längeren Zeitraum einmal wöchentlich nachmittags bei Menschen, denen sie ihre Hilfe anbieten (Hausaufgabenbetreuung, Betreuung von älteren Menschen in ihrer Wohnung, Patientenbesuch im Krankenhaus, Deutsch für Ausländerkinder usw.).

Regelmäßig werden nachmittags Kurse wie zum Beispiel Backen, Kochen, Nähen und Gartenarbeit angeboten. Es finden Vorträge von Gästen mit anschließender Diskussion, Kulturfahrten (Theater, Konzerte, Ausstellungen) oder auch themengebundene Exkursionen statt. Alles organisiert von Schülern. In den Jena-Plan Schulen spielt die Gestaltung von Feiern zu verschieden Anlässen eine große Rolle.

Sie lernen dabei fürs Leben:

  • Übernahme von Eigenverantwortung, Selbständigkeit und sozialer Verantwortung
  • Schüler lernen in „Ernstsituationen“.
  • Sie können lernen, keine Angst zu haben, anderen zu helfen.
  • Sie können erfahren, dass alte und kranke Menschen nicht nur Hilfe brauchen, sondern auch viel geben können.
  • Sozialarbeit verlangt Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit.
  • Möglichkeiten zur Mitbestimmung
  • Intensive Beziehung zum eigenen Lebensraum
  • Schüler engagieren sich für Mitschüler.
  • Entfaltung von Kreativität
  • Erlernen handwerklicher Tätigkeiten
  • Ausleben des schöpferischen Potentials

Schüler lernen dann nachhaltig, wenn die Kenntnisse im Umgang erworben werden. Ist ihr Interesse geweckt, sind sie neugierig geworden, dann kann es obendrein auch noch Spaß machen. Es ist nicht neu, dass Kinder und Jugendliche besser lernen, wenn sie Spaß an einem Thema haben.

Jürgen Meng

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