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Klassenmanagement

Tootle Notes – Rückmeldekarten als positive Verstärkung

Eine Klasse zu managen ist für jeden Lehrer eine große Herausforderung. Die Stimmung einer Klasse bestimmt oft die Lernbereitschaft, die Motivation sowie den Umgang der Schüler mit- und untereinander. Um das Lern- und Sozialklima zu verbessern, können Tootle Notes als positive Verstärkung eingesetzt werden.

Klassenmanagement: Tootle Notes – Rückmeldekarten als positive Verstärkung Schüler fühlen sich in ihrem Verhalten und ihrer Leistung wahrgenommen, wenn sie ein Tootle Note erhalten © LB images

Jan hat heute alles richtig gemacht. Statt im Unterricht zu stören und seine Aufgaben nur halb zu erledigen, hat er heute konzentriert gearbeitet. Dass er das geschafft hat, sollte anerkannt werden. Jan bekommt von seiner Lehrerin ein Tootle Note. Eine Rückmeldekarte, auf der sein Verhalten positiv vermerkt ist.

Rückmeldekarten können durch positive Verstärkung gezielt auf das Verhalten sowie die Leistungsbereitschaft von Schülern wirken (Hartke, B., Blumenthal, Y., Carnein, O., Vrban, R.: Schwierige Schüler — 64 Handlungsmöglichkeiten bei Verhaltensauffälligkeiten. Hamburg 2014, S. 28). Ganz im Gegensatz zu Methoden wie Kontrolle oder Bestrafung, die am wenigsten effektiv auf die Leistungs- oder Verhaltensverbesserung wirken (Hattie, J.: Lernen sichtbar machen. Hohengehren 2013, S. 207) und dennoch sehr häufig im Schulalltag angewendet werden

Rückmeldekarten kommen ursprünglich aus den USA und werden dort auch Tootle Notes genannt. Es sind kleine Kärtchen im DIN-A6-Format, die häufig anwendbar sind. Sie geben ein kurzes schriftliches Feedback in Form von Komplimenten bzw. Würdigungen oder Anerkennungen für positives Verhalten. Sie können vom Lehrer oder den Mitschülern an einen Schüler, an sich selbst oder an die Eltern (siehe Lobkarte im Lehrerbüro) ausgeteilt werden (Hartke 2014, S. 28).

Werden im Unterrichtsalltag nun positive Situationen verstärkt und negative entsprechend ignoriert, kann erwünschtes Verhalten vermehrt und unerwünschtes vermindert werden (Hartke 2014, Blumenthal, Carnein & Vrban 2014, S. 22).

In Abhängigkeit davon, wer der Absender ist, können weitere positive Nebeneffekte eintreten:
Gibt der Lehrer dem Schüler eine Rückmeldekarte kann das Regel- und Lernverhalten sowie ein positives Selbstbild gefördert werden.

Teilt ein Mitschüler eine Rückmeldekarte einem Mitschüler aus, kann prosoziales Verhalten geübt sowie die soziale Inklusion und die soziale Anerkennung des Einzelnen erhöht werden.
Gibt ein Schüler sich selbst eine Rückmeldekarte, kann selbstbewusstes Verhalten und ein positives Selbstbild gefördert werden.

Erster Schritt: Tootle Notes in Klasse einführen

Tootle Notes sind für alle Klassenstufen geeignet. Im ersten Schritt sollte der Einstieg in dieses Thema von der Altersstufe und den Problemen in der Klasse (wie z. B. Mobbing) abhängig gemacht werden:

  • Grundschule: über Kinderlieder (z. B. das „Liebkoselied“ vom „Traumzauberbaum“ von Reinhard Lakomy)
  • Haupt- und Realschule und Sonderpädagogischer Förderbereich: über Zitate wie z. B.: „ Anerkennung braucht jedermann. Alle Eigenschaften können durch totale Gleichgültigkeit der Umgebungen zugrunde gerichtet werden.“ (von Karl Leberecht Immermann, 1796—1840, deutscher Landgerichtsrat, Dramatiker und Romanautor; Quelle: www.aphorismen.de/suche)

Es kann auch einfach folgende Frage an die Tafel geschrieben und darüber zusammen diskutiert werden: Wie wichtig ist Rückmeldung/Feedback für gutes Verhalten, gute Leistungen oder tolle Ideen  im Schulalltag und warum?

Entscheidend bei der Einführung ist, die Schüler für die Wichtigkeit dieses Themas zu sensibilisieren (v.a. für die Rückmeldung der Schüler untereinander).

Zweiter Schritt: Wann und wie soll es ein Feedback geben?

In einem zweiten Schritt sollte gemeinsam mit den Schülern besprochen werden, in welchen Situationen ein Feedback wichtig und angebracht ist. Dazu können die Schüler in Form einer Gruppenarbeit Plakate für die verschiedenen „Postwege“ erarbeiten:

Beispiel: Der Lehrer gibt einem Schüler ein positives Feedback:

  • Ich habe mich gefreut, dass du heute pünktlich zum Stundenbeginn an deinem Platz gesessen hast.
  • Ich habe mich gefreut, dass du deine Hausaufgaben heute pünktlich abgegeben hast.
  • Diese Woche hast du super mitgearbeitet.
  • Ich fand toll, dass du in schwierigen Situationen sachlich und ruhig geblieben bist.
  • Du kannst heute sehr stolz auf deine Leistungen in Mathe sein.
  • Du kannst stolz auf deine Fortschritte in Deutsch sein.
  • Ich finde es stark, wie sehr du dich im Schreiben verbessert hast.

Beispiel: Ein Schüler gibt einem Mitschüler ein positives Feedback:

  • Ich finde es cool, dass du so viel über Ritter/Fußball/Tiere/Formel 1 weißt.
  • Ich fand es nett, dass du mir neulich bei meinen Mathehausaufgaben geholfen hast.
  • Ich finde es cool, dass du so lustig bist.
  • Ich finde toll, dass du Witze so gut erzählen kannst.
  • Ich finde es schön, dass du immer so gute Laune hast.
  • Deine Ideen in Kunst fand ich toll.
  • Ich habe gesehen, dass du Tanja eine Matheaufgabe erklärt hast – das fand ich nett.
  • Ich habe beobachtet, dass du Lukas beim Aufräumen geholfen hast – echt cool.
  • Als Tina und Paula sich heute stritten, hast du ihnen geholfen, dass Problem zu lösen — das fand ich gut.

Beispiel: Ein Schüler gibt sich selbst ein positives Feedback:

  • Ich habe mich mit Tanja heute nicht gestritten.
  • Ich habe mich heute in der Hofpause nicht mit  Alex gerauft.
  • Ich habe geholfen, einen Streit zwischen Tina und Paula zu schlichten.
  • Ich habe heute eine gute Idee gehabt.
  • Ich war heute echt gut in Sport.
  • Ich habe heute in Mathe viel gelernt.
  • Ich habe heute in der Musikstunde aufgepasst, obwohl ich keine Lust hatte.
  • Ich habe hart gearbeitet, um mit dem Projekt fertig zu werden.

Was muss der Lehrer bei der Durchführung beachten?

  1. Überlegen Sie sich, welche Verhaltensweise Sie bei einem Schüler aufbauen wollen (z. B. pünktlich zu Unterrichtsbeginn am Tisch sitzen).
  2. Beobachten Sie den Schüler und warten Sie darauf, dass ein positives Verhalten oder eine Vorstufe (z. B. zu Unterrichtsbeginn am Tisch) zum erwünschten Verhalten auftritt.
  3. Notieren Sie die positive Verhaltensweise auf ein Tootle Note und heften Sie diese an eine dafür vorgesehene Stelle (z. B. Pinnwand) bzw. geben Sie diese dem Schüler.
  4. Reagieren Sie zu Anfang sehr zeitnah und häufig auf diese Verhaltensweisen.

Was muss der Mitschüler bei der Durchführung beachten?

  1. Legen Sie gemeinsam mit Ihren Schülern fest, welches Verhalten positiv ist (z. B. pünktlich am Platz sitzen, melden, keine Raufereien auf dem Schulhof).
  2. Geben Sie jedem Schüler ein Tootle Note (Blanko-Karten sind auch möglich).
  3. Bitten Sie die Schüler, positive Verhaltensweisen der Mitschüler während des Unterrichts (bzw. in den Pausen) wahrzunehmen und auf den Kärtchen kurz, aber konkret (nicht „Ben du warst nett zu mir“, sondern konkret: „Ben, es war nett, dass du mir die Tür aufgehalten hast, als wir zur Pause gingen“) zu notieren.
  4. Sammeln Sie die Kärtchen nach der Stunde (bzw. Pause) ein und heften Sie diese an eine dafür vorgesehene Stelle bzw. geben Sie diese den jeweiligen Schülern.
  5. Führen Sie eine kurze Auswertung durch.

Eventuell auftretende Eifersuchtsreaktionen können vermieden werden, indem auch die anderen Schüler vom Lehrer Tootle Notes erhalten. In den USA ist es üblich, die Tootle Notes häufig für alle sichtbar an eine Wand zu heften. Das kann jedoch einigen Schülern unangenehm sein. In diesen Fällen könnten die Karten dem Schüler auch direkt ausgegeben werden.

Falls sich Schüler nicht trauen oder genieren, etwas über andere zu schreiben, kann es auch anonym durchgeführt und später in eine Art Briefkasten geworfen werden, zu dem nur der Lehrer Zugang hat. Der Lehrer verteilt dann die Kärtchen an die Empfänger.

Im Falle von Hänseleien der Schüler untereinander sollte der Lehrer die Schüler noch einmal sensibilisieren, indem er ihnen die Bedeutung und den Sinn wiederholt klar macht.
Entsteht ein Ungleichgewicht, weil beliebte Schüler viele und unbeliebte Schüler wenig oder gar keine Kärtchen erhalten, kann der Lehrer aktiv eingreifen, indem er ein Gruppenspiel daraus macht.

Verstärkersystem für die gesamte Klasse

Die Tootle Notes können auch als Verstärkersystem für die gesamte Klasse genutzen werden, indem für jedes gültige Tootle Note ein Punkt vergeben wird. Ob ein Tootle Note gültig ist oder nicht, entscheidet der Lehrer. Bei einer vorher festgelegten Punktzahl erfolgt eine Belohnung für die gesamte Klasse. Dieses Vorgehen wird auch als Gruppenkontingenzverfahren bezeichnet, da der Erfolg der Gruppe vom Erfolg des Einzelnen abhängt (Hartke, Blumenthal, Carnein & Vrban 2014, S. 28). Damit wird sichergestellt, dass die Schüler übereinander etwas Nettes und nichts Negatives schreiben.

Yvonne Blumenthal, Silvia Großmann

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