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Fallbeispiele

Die wirksamste Störungsprävention: Classroom-Management (2)

Die wirksamste Störungsprävention ist, Unterrichtsstörungen gar nicht erst entstehen zu lassen. Classroom-Management hilft dabei, für alle ein gutes Lern- und Arbeitsumfeld zu schaffen.

Fallbeispiele: Die wirksamste Störungsprävention: Classroom-Management (2) Sind die Regeln klar, lässt sich meistens ganz entspannt gemeinsam arbeiten © Halfpoint - stock.adobe.com

Classroom-Management bietet Lehrkräften die wirksamsten Tools, den Unterricht präventiv störungsarm zu organisieren. Ziele von Classroom-Management sind, dass sich unsere Schülerinnen und Schüler wohlfühlen, gut lernen können und es im Unterricht rund läuft. Wie Sie das in Ihrer Klasse erreichen können, dafür möchten Ihnen die Beiträge dieser Serie Anregungen geben. Bitte entscheiden Sie selbst, was ihnen zusagt, und passen dies an Ihre Klasse an.

Zunächst möchte ich Ihnen — noch einmal (siehe den ersten Beitrag zum Thema) — zwei Fallbeispiele vorstellen, wie sie sich täglich in der Schule ereignen können.

Selbstbestimmte Rituale und Regeln sind wichtig

Fallbeispiel 3: Die Klasse ist laut, während die Lehrkraft etwas erklärt

Selbst wenn die Lehrerin in ihrer 4. Klasse etwas Wichtiges erklärt, ist es nicht still und einige Schülerinnen und Schüler hören gar nicht zu. In der Folge wissen sie nicht genau, was sie tun sollen und lösen dann auch Arbeitsblätter falsch. Da es sich bei einigen dieser Schülerinnen und Schüler um leistungsmäßig eher schwächere handelt, sind sie durch die erlebten Misserfolge ein weiteres Mal demotiviert und dann oft nicht bereit, weiter zu lernen. Eine sehr schwierige Situation für die Lehrkraft.
 Wie kann sie derartiges Stören präventiv reduzieren?

Die Schülerinnen und Schüler überlegen in Kleingruppen, „warum ist ein Ruheritual wichtig?“ bzw. „welche Vorteile hat es für mich, wenn wir in unserer Klasse ein Ruheritual haben und alle dann ruhig sind, damit unser Lehrer gut erklären kann?“. Die Antworten der Schüler waren z. B.: „Ich verstehe den Arbeitsauftrag besser und mache dann weniger Fehler.“ „Ich fühle mich wohler, wenn es ruhiger ist.“ „Ich kann mich besser konzentrieren.“

Literaturhinweis:

Alle wichtigen Details zum komplexen Thema Störungen erfahren Sie in: Eichhorn, C. (2018): Classroom-Management Basiswissen Kompakt: Stören — Die wirksamste Störungsprävention, Interventionsleitlinien bei kleinen Störungen, Interventionsleitlinien bei großen Störungen

Classroom-Management / Website des Autors

Es kann sinnvoll sein, die Antworten der Schülerinnen und Schüler zu zelebrieren. Wir wissen nämlich aus zahlreichen Studien, dass wenn eine Lehrkraft Begeisterung ausdrückt, das für ihre Schülerinnen und Schüler sehr motivierend ist (u. a. Götz, T. / Frenzel, A. / Dresel, M.: Emotion, Motivation und selbstreguliertes Lernen, UTB 2017). Sie fühlen sich wertgeschätzt und kooperieren deutlich besser. Das kann bei einem Thema wie Regeln oder Vereinbarungen, dem viele negativ gegenüberstehen, ausschlaggebend sein.

Jetzt gibt es folgende Varianten, wie Sie als Lehrerin oder Lehrer fortfahren kann:

  • Variante A: Die Lehrperson lässt ihre Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen selbst nach Ruheritualen suchen. Zuvor hat sie natürlich anhand von Beispielen erklärt, was das ist.
  • Variante B: Die Lehrperson lässt ihre Schülerinnen und Schüler zwischen zwei Ruheritualen auswählen, also z. B. dem Ton einer Klangschale oder rhythmischem Klatschen.

Wir wissen aus der Forschung, dass schon einfache Formen der Mitbestimmung die Kooperationsbereitschaft unserer Schüler fördern. (
Emmer, E., Sabornie: Handbook of Classroom-Management. Routledge/New York 2015, 2. Aufl.)

Auch bei der Ausführung des Ruheritual hat die Lehrkraft verschiedene Möglichkeiten:

  • Variante A: Sie führt das von ihren Schülerinnen und Schülern gewählte Ritual selbst aus.
  • Variante B: Eine „Assistenten-Gruppe“ führt das Ritual aus. In dem Fall spricht die Lehrperson zunächst z. B. zwei oder drei Schülerinnen und Schüler ihrer Klasse an, und lädt sie dazu ein, in der „Assistenten-Gruppe“ mitzumachen.

Da bietet es sich an, auch einen Schüler in diese Gruppe einzuladen, der in der Vergangenheit nicht gut mit seiner Lehrerin oder seinem Lehrer kooperierte. Die Idee dahinter ist, diese Schülerinnen und Schüler einzubinden, indem man sie beteiligt und ihnen entsprechende Verantwortung übergibt. Wenn die Klasse Klatschen als Ruheritual gewählt hat, probt die Assistenten-Gruppe einen Klatschrhythmus ein. Wenn dann eine Unterrichtssituation auftritt, in der die Lehrkraft etwa Wichtiges erklären möchte, bittet sie ihre „Assistenten-Gruppe“ mit dem Klatschen zu beginnen. Da ist natürlich sinnvoll, dass die Mitglieder dieser Gruppe in der Nähe sitzen.

Nach dem Klatschen gibt die Lehrkraft sofort eine Rückmeldung. Diese sollte unbedingt positiv und motivierend ausfallen. Kritik könnte nämlich den Widerstand derjenigen Schülerinnen und Schüler, die dem Vorgehen ablehnend gegenüberstehen, sogar noch anfachen, was das eigentlich sehr sinnvolle Vorhaben der Lehrkraft zum Scheitern bringen kann. Ein Standardsatz für solche Situationen ist: „Die meisten von euch machen es schon sehr gut.“ Eine solche positive Rückmeldung kann man der Klasse sogar auch dann geben, wenn einige gar nicht gut mitgemacht haben. Damit schaffen Sie eine positive Stimmung in Ihrer Klasse — und die fördert wiederum die Kooperationsbereitschaft Ihrer Lerngruppe.

Die Lerngruppe erarbeitet eine Lösung für ein Problem

Fallbeispiel 4: Kommentare und Gröhlen bei einer Präsentation

Als eine Schülerin einer 7. Klasse eine Präsentation über Donald Trump hält, beginnen einige Schüler zu gröhlen und negative Kommentare in die Klasse zu rufen. Als Rückmeldung sagt ein Schüler: „So einen Quatsch habe ich noch nie gehört.“

Wie kann die Lehrkraft derartiges Stören präventiv reduzieren?

Zunächst bearbeiten die Schülerinnen und Schüler die Frage: „Stell dir bitte vor, du hältst eine Präsentation. Wie muss es sein, dass du dich dabei wohl fühlst und gut vortragen kannst?“ Und zusätzlich die Frage: „Was machen die zuhörenden Schüler während der Präsentation, damit sie davon viel lernen?“

Die Idee dabei ist, dass die zuhörenden Mitschüler während der Präsentation auch möglichst aktiv sind, ein wichtiger Aspekt im Classroom-Management. Sie können beispielsweise notieren, was für sie interessant oder neu ist, und Fragen, die sie haben.

Dann bearbeiten die Schülerinnen und Schüler noch die Frage: „Stell dir bitte vor, du hast gerade vor deiner Klasse etwas vorgetragen. Deine Mitschüler geben dir jetzt eine Rückmeldung dazu. Wie soll diese sein, dass es für dich gut ist und du dich dabei wohl fühlst? Was sollen sie auf keinen Fall sagen?“ Oder: „Was würde dich verletzen bzw. dir wehtun?“

Die Schüler halten die Ergebnisse jeder der Fragen auf einem großen Plakat fest. Die Lehrkraft ernennt zwei bis drei Schüler zu den „Plakat-Chefs“. Es bietet sich oft an, auch einen Schüler, der den Vereinbarungen ablehnend gegenübersteht, zum „Plakat-Chef“ zu machen und ihn so einzubinden.

Vor der nächsten Präsentation hängen die „Plakat-Chefs“ das Plakat in der Klasse auf und stellen die wichtigsten Punkte des Plakats noch einmal vor. Wie sie dabei vorgehen, hat die Lehrperson zuvor mit ihnen besprochen.

Classroom-Management als präventives Handeln

Die Tabelle unten zeigt die enorme Vielfalt an präventiv angelegten Möglichkeiten, die Classroom-Management bietet, bevor ein Schüler stört. Und Sie sehen auch, dass Sie, nachdem ein Schüler gestört hat, fast nur noch eine Option haben, nämlich zu sanktionieren. Die Probleme von Sanktionen sind:

  • dass der Schüler weniger mit seiner Lehrkraft kooperiert,
  • dass er noch mehr stört,
  • dass seine schulische Motivation nachlässt,
  • dass die Lehrer-Schüler-Beziehung Schaden nimmt und sich der Schüler / die Schülerin von seiner Lehrkraft emotional entfernt.

Classroom-Management bedeutet, im Vorfeld einer Störung zu handeln.

Proaktiver Bereich Schüler Reaktiver Bereich
Handeln bevor eine Störung auftritt.
Vorausschauend handeln!

- Positive Beziehung zu den Schülern aufbauen.
- Gute Vorbereitung auf den Unterricht.
- Unterricht an die Vorerfahrungen und Bedürfnisse der Schüler ankoppeln.
- Störungsarme Strukturen im Klassenraum schaffen.
- Über Anerkennung, Lob und Wertschätzung führen.
- Rituale einführen
- Präsenz zeigen
- usw.
stört Sanktionen

Die tabellarische Ansicht zeigt das enorme Potenzial an Möglichkeiten, das Classroom-Management bietet, um den Unterricht präventiv störungsarm zu gestalten.

Christoph Eichhorn

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