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Kreative Konfliktlösung

Sozialtraining mit Klassenschiff, OMA-Regel und Friedenstreppe

„Komm, wir finden eine Lösung!“ — das ist das Motto eines Sozialtrainings, das der Deutsche Kinderschutz-Bund München für Klassen der Jahrgangsstufen 1 bis 6 anbietet. Einfache Botschaften und Regeln, Spiel und Bewegung kennzeichnen das Konzept, das Lehrkräften viele gute Anregungen für das soziale Lernen im Unterricht bietet.

Kreative Konfliktlösung: Sozialtraining mit Klassenschiff, OMA-Regel und Friedenstreppe Wenn Schüler alle an einem Strang ziehen, lernen sie ganz nebenbei, dass sie gemeinsam viel erreichen können © Christian Schwier - Fotolia.com

Beim Sozialtraining „Komm, wir finden eine Lösung!“ ist die Klasse 4 b der Verbandsschule München-Karlsfeld mit Begeisterung bei der Sache: Gemeinsam sollen die Kinder mit ihrem „Klassenschiff“ einen neuen Kontinent entdecken. Bei dem Gruppenspiel übernimmt jeder Schüler seine Wunschrolle: „Kapitän, Matrose, Steuermann, Koch, Kellner, Wissenschaftler, Ausgucker, Arzt usw.“ (Vgl. dazu die ausführliche Projektdokumentation mit Fotos auf der Schulwebsite, im Folgenden abgekürzt mit „PD“)

Alle Berufe stehen sowohl Mädchen als auch Jungen offen. Wenn sich mehrere Kinder für die gleiche Funktion in der Schiffsmannschaft entscheiden, arbeiten sie einfach im Team. Die beiden einzigen Spielregeln können sich die Schüler auf Anhieb merken: Es soll allen auf dem Schiff gut gehen und jeder soll beim Erreichen des Zieles mithelfen. In freiem Spiel legen die Kinder sofort los und tauchen „ganz selbstverständlich in die Phantasiewelt ein“. Nach einer Weile unterbrechen die Trainer das Spiel: Die Schüler dürfen sagen, was ihnen gefällt und was nicht und dürfen Wünsche äußern. Weil es teilweise „ganz schön laut“ geworden ist, wünscht sich die Klasse einhellig „mehr Ruhe und Ordnung“, danach geht es „unter verbesserten Bedingungen“ weiter, bis der neue Kontinent schließlich entdeckt ist (PD).

Das Klassenschiff — ein starkes Gemeinschaftserlebnis

Die Fantasiereise hat den Kindern großen Spaß gemacht. Sie würden das Spiel gern fortsetzen. Ganz „nebenbei“ haben sie die Klassengemeinschaft „einmal ganz anders erlebt“: Alle haben an einem Strang gezogen und versucht, die vereinbarten Regeln einzuhalten. Jedes Kind hat sich bei der Lösung der Aufgabe als bedeutsamen Teil der Gruppe erlebt und durch Veränderungswünsche das soziale Zusammenspiel mitgestaltet. „Besonders schön war, dass wir uns so gut verstanden haben“, schreibt Tim dazu, „Streit gab es so gut wie keinen. Auseinandersetzungen haben wir in der Regel friedlich gelöst. (…) Durch unseren starken Zusammenhalt haben wir schreckliche Kreaturen bezwungen.“ (PD)

Das Klassenschiff steht im Mittelpunkt der ersten von vier Trainingseinheiten, die jeweils auf bestimmte soziale Kompetenzen fokussieren. (Das Wichtigste zu Rahmenbedingungen, Durchführung, Methoden und Evaluation des Sozialtrainings „Komm, wir finden eine Lösung!“ fasst die Diplompädagogin Brigitte Zwenger-Balink hier zusammen)

Das Thema dieser ersten Doppelstunde (90 Minuten) lautet „Gemeinschaft — Werte — Regeln“. Mithilfe des Klassenschiffs lernen die Kinder, mit der Klassengemeinschaft besser zurechtzukommen und sich fair zu verhalten.

Die OMA-Regel: richtig miteinander sprechen und dem anderen zuhören

Eine weitere Trainingseinheit widmet sich dem Thema „Wahrnehmung und Kommunikation“. Hier üben die Kinder aktives Zuhören und das verständliche Sprechen mit Ich-Botschaften. Außerdem lernen sie, „Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen und auf sich und andere zu achten“. (Vgl. dazu: Website des KinderschutzZentrums München)

Auch hierbei hilft eine einfache Regel, die für Kinder leicht nachvollziehbar ist: die sogenannte OMA-Regel. OMA steht für Ohr („Gut zuhören“), Mund („Verständlich und freundlich sprechen“) und Auge („Genau hinsehen“), die beim Kommunizieren grundlegend sind. Um dies den Kindern zu vermitteln, visualisiert und erläutert der Trainer/Lehrer die Regel zunächst mithilfe eines einfachen Tafelbildes (eine Vorlage dazu findet sich in einer PowerPoint-Präsentation des KinderschutzZentrums München, Folie 16) Danach wenden die Schüler die Regel direkt bei Partner- und Gruppen-Spielen an: Ein Schüler erzählt einem anderen eine Minute lang eine Geschichte, die dieser dann mit eigenen Worten wiedergibt (Ohr). Die Schüler machen einem Marsmännchen verständlich, wie es sich eine Wurstsemmel zubereitet (Mund). Und das genaue Hinsehen übt die Klasse zum Beispiel mit Bildern, die sich nur durch winzige Details unterscheiden (Auge). (PD, Link s. o.)

Selbstständige Konfliktlösung mithilfe der Friedenstreppe

Die Friedenstreppe sieht aus wie ein Siegerpodest mit drei Stufen. Sie kann einfach auf den Boden aufgezeichnet oder aufgebaut werden, zum Beispiel im Rahmen des Werkunterrichts. Jeder Stufe entsprechen Schritte zur eigenständigen und friedlichen Lösung eines Konflikts zwischen zwei Schülern, die sich im Verlauf der Konfliktlösung einander — inhaltlich und physisch — immer weiter annähern, bis sie sich auf der obersten und gemeinsamen Ebene auf eine Lösung geeinigt haben, mit der beide zufrieden sind. Die Klassenkameraden beobachten im Halbkreis um die Friedenstreppe das Geschehen und tragen ihre Ideen zur Lösung des Konflikts bei. Am Ende steht eine Win-win-Situation, zu der die gesamte Klasse beigetragen hat.

1. Stufe (Beschriftung der Stufe: „Jeder darf erzählen“): Nacheinander dürfen die beiden Kontrahenten ihre Sicht des Streites erzählen. Der jeweils andere hört genau zu, so wie es zuvor bei der Einführung der OMA-Regel geübt wurde.

2. Stufe („Wiederholen“): Die Streitenden wiederholen nacheinander die Position des anderen.

3. Stufe („Lösungen sammeln“): Jeder macht Vorschläge zur Lösung des Streites, auch das Plenum ist gefragt. Dann einigen sich die beiden Konfliktpartner auf eine Lösung.

4. Stufe („Sich vertragen“): Diese Lösung wird ausgeführt.

Das klingt einfach, ist aber für die Kinder eine komplexe Aufgabe. Deshalb sollte man sich für die Einführung der Friedenstreppe Zeit nehmen, und mindestens einen ganzen Unterrichtstag darauf verwenden. Die Autoren der Website „Schulen in Oberfranken“ empfehlen sogar, „die einzelnen Übungsschritte an verschiedenen Tagen einzuüben und danach die friedliche und selbstständige Lösung von Konflikten allmählich zum Unterrichtsprinzip werden zu lassen“. (S. 2) Hier findet sich auch ein detailliertes Konzept für den Unterrichtsverlauf zur Einführung der Friedenstreppe mit Übungen und Materialien zu den einzelnen Stufen. (S. 3 f.)

Nicht nur die Friedenstreppe, sondern soziales Lernen überhaupt sollte den Unterricht begleiten. Aktuelle Störungen in der Klasse können dafür ebenso Anlass bieten, wie eine Freistunde oder ein Projekttag. Eine zeitaufwändige Planung ist dafür nicht unbedingt erforderlich: Das Team „Soziales Lernen“ des Landesinstituts für Schule und Medien (LISUM) Berlin-Brandenburg hat dafür eine sechzigseitige Broschüre mit abwechslungsreichen Spielen und Übungen zum sozialen Lernen zusammengetragen, die direkt im Unterricht eingesetzt werden können.

Martina Niekrawietz

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