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Filme im Unterricht

Filme für mehr Sprachkompetenz

Filme im Sprachunterricht kommen der Begeisterung von Schülern für visuelle Medien entgegen. Mit guter Planung kann der Lehrer gezielt sprachliche, kulturelle und filmische Kenntnisse der Schüler fördern.

Filme im Unterricht: Filme für mehr Sprachkompetenz Das Thema Apartheid lässt sich durch einen Film viel deutlicher machen © HBK - stock.adobe.com

Schüler sind heutzutage oft medienfixiert, wie WhatsApp, Instagram, Twitter & Co. zeigen. Persönliche Kommunikation von Angesicht zu Angesicht erscheint da häufig als sekundär. Den Zugang zu literarischen Werken und anderen Inhalten lassen sich die meisten Schüler lieber digital über YouTube legen, als dem Lehrer analog zu folgen. Ihr Bezug zur medialen Welt ist grundlegender Bestandteil ihres Lebens und ihrer Wahrnehmung. Deshalb ist Englisch als Schulfach prädestiniert für den aktiven Einsatz von Medien in den Unterricht. Nehmen wir ein Beispiel aus dem Schulalltag: In (fast) jedem Schulcurriculum ist die Behandlung einer Ganzschrift fest integriert. Lesen ist wichtig. Auch das Sehen ist fest integriert, denn das Seh-Hör-Verstehen ist eine grundlegende Kompetenz des aktuellen kompetenzorientierten Lehrplans im Fach Englisch und soll ausgebildet werden. Nicht wirklich abschließend geklärt ist die Behauptung, dass Schüler heute mehr sehen als lesen. Daher erscheint es sinnvoll, dieses Sehen ebenfalls auszubilden und anzuleiten.

Filme für sprachliche und kulturelle Kompetenzen

Für den Umgang mit Filmen im Englischunterricht ist zunächst immer die Sicherung des Inhaltes wichtig. Entscheidet sich der Lehrer dafür, einen Film im Unterricht einzusetzen, so zeigt er ihn nicht einfach als Belustigung oder als Zeitvertreib, sondern setzt ihn systematisch als Mittel ein, um bei seinen Schülern einen Lernzuwachs zu erzielen.

Im Fach Englisch gilt das besonders für den Umgang mit Sprache. Hierbei steht nicht nur die Wortschatzarbeit im Fokus, sondern auch das Register — also die situationsangemessene Verwendung bestimmten Vokabulars in besonderen Situationen —, kulturelle Hintergründe (z. B. Wie verhält sich Charakter X in Situation Y?) oder filmische Analyse stehen auf dem Plan.

Zunächst einmal wird der Lehrer sich überlegen, was genau er mit dem Einsatz des Filmes oder eines filmischen Ausschnittes erreichen möchte. Welche Kompetenz möchte er vermitteln? Welches Seh-Hör-Verstehen ist gefordert? Worauf legt er den Schwerpunkt: auf die Analyse von fiktiven Charakteren oder den Umgang mit filmsprachlichen Mitteln? Welche Inhalte spielen eine Rolle? Welche sprachlichen Zuwächse erhofft er sich? Sollen die Schüler unterschiedliche Dialekte kennenlernen? Sollen sie das „Afro-American English“ vom „proper English“ unterscheiden können? Wie ist die Registerwahl in bestimmten Sprechsituationen? Welche kulturellen Hintergründe werden angeboten? Die Einsatzmöglichkeiten sind mannigfaltig.

Inhaltliches Verständnis muss der Analyse vorangehen

Wenn der Lehrer sich für den Einsatz eines Filmes entschieden hat, stellt sich gleich zu Beginn die Frage: Ergibt es Sinn, den gesamten Film am Stück zu zeigen? Meistens nicht oder zumindest nur, wenn dies beim Planen der Unterrichtseinheit gut durchdacht wurde. Man kann das Prozedere mit dem Einsatz von Ganzschriften vergleichen: Manchmal plant man als Lehrer das stückweise Lesen, manchmal beauftragt man die Schüler mit der ganzen Lektüre, z. B. über die Ferien.

Besser ist es, nach jeder gesehenen Szene sicherzustellen, dass die Schüler den Inhalt verstanden haben. Dazu gibt es z. B. die Möglichkeit des Multiple-Choice, die im Regelfall auch curricular relevant ist. Besonders im Fach Englisch ist das Durchführen von inhaltlichen Sicherungen durch Multiple-Choice-Tests von den Bezirksregierungen (z. B. in NRW) abgesegnet.

Der Fokus im Umgang mit Filmen — und dies ist fachunabhängig — muss allerdings in der filmischen Analyse liegen. Wir analysieren hier keine Texte, sondern ein Format, das seine eigenen Analyseformen — die filmsprachlichen Mittel — fordert. Dazu zählen Dinge wie Kameraführung, Zoom, In-Szene-Setzung, Schnitttechnik etc. All diese Dinge müssen zielsprachlich eingeführt und angeleitet werden. Dabei ist es sinnvoll, im Vorfeld der Filmunterrichtseinheit mit einzelnen Szenen zu arbeiten und das Vokabular vorzuentlasten.

Inhalte und Lernzuwachs definieren

Bevor er den Film zeigt, wird der Lehrer sich überlegt haben, welche Lernzuwächse er erreichen möchte. Gehen wir davon aus, dass der ausgesuchte Film die Apartheid in Südafrika behandelt. Also entscheidet sich der Lehrer für einen kulturellen Fokus. Kulturelle Vielfalt und Hintergründe in anderen englischsprachigen Ländern und Kulturräumen kennenlernen, lautet eine direkte Vorgabe aus dem Lehrplan. Auch dies will angeleitet sein. Dazu muss Hintergrundwissen vorbereitet und angebahnt werden, z. B. mit Arbeitsblättern oder von Schülern durchgeführten Präsentationen.

Der entsprechende Film zeigt dann die Lebensumstände von Menschen, wie sie in der Apartheid an der Tagesordnung waren: systematische Diskriminierung, Unterdrückung und sogar Auslöschung. Dies lädt die Schüler zur persönlichen Auseinandersetzung ein. Hierin liegt ein Riesenvorteil des Films als Unterrichtsmedium: die Gewalt des Bildes. Ein Film kann in sehr lebendiger Form Lebensumstände, Probleme und politische Hintergründe aufzeigen. Das kann ein Buch zwar auch, jedoch sprechen Bilder heutige Schüler in ihrer Lebenswelt viel eher an als das geschriebene Wort. Somit spricht der Film eher ihre Sprache.

Filme fördern Sehen und Hören zugleich

Ein weiterer Vorteil des Films liegt in der Möglichkeit, dass er mit Untertiteln angesehen werden kann. Er erreicht die Schüler also auf verschiedenen Kanälen: auf dem visuellen sowie auf dem auditiven Kanal. Dies führt zu einer Nachhaltigkeit im Umgang mit Sprache, weil der sprachliche Input gezielter eingesetzt werden kann. So kann der Lehrer beispielsweise ein Arbeitsblatt erstellen, auf dem der Schüler die Bedeutung von bestimmten Wörtern oder Redewendungen aus dem Kontext erschließen und erklären muss. Der Schüler hat dabei den Vorteil, diesen Kontext zu sehen — und eben auch zu hören.

So bleibt als Fazit, dass der Einsatz von Filmen im Unterricht in der heutigen Zeit mehr als sinnvoll ist. Er stellt den Lehrer jedoch immer vor die Herausforderung, sich im Vorfeld genau zu überlegen, welchen Film und vor allem warum er einen bestimmten Film im Unterricht behandeln möchte. Weniger Arbeit als die Behandlung eines literarischen Textes ist der Einsatz eines Filmes jedenfalls nicht.

Tim Heidemann

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