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Filme im Unterricht

Wenn der Film die Musik macht

Ein Musikfilm kann ein beeindruckendes Erlebnis sein. Kostüme und Kulissen erwecken ganze Musikepochen zum Leben, Instrumente erklingen im Orchester. Besonders interessant für Schüler: Making-of-Filme. Für einen kritischen Blick hinter die Kulissen.

Filme im Unterricht: Wenn der Film die Musik macht Filme können gerade auch im Musikunterricht eine Bereicherung sein © chris - stock.adobe.com

Feuerwerksfontänen erleuchten die Bühne; Ludwig XIV, der Sonnenkönig, tanzt in goldener Kleidung und mit Lockenperücke zu den Klängen der Musik von Jean-Baptiste Lully, seinem Hofkomponisten. „Der König tanzt“ zeigt nicht nur das Leben und die Passion Ludwigs XIV für den Tanz, sondern portraitiert zugleich einen Musiker des Barock.  Wer den Film gesehen hat, erkennt die Erhabenheit der barocken Musik, versteht, dass sie in Perfektion die Gesellschaft widerspiegelt und Ausdruck einer historischen Epoche ist. Dieser Film bietet im Musikunterricht eine Fülle von Möglichkeiten. Zum einen für die Musikgeschichte: Durch die Kulisse, die Kostüme, die Darstellung der Lebensweise der Künstler und Menschen und auch durch die Aufführungspraxis finden die Schüler einen Zugang, der ihnen durch das alleinige Hören der Musik und das Lesen von Informationstexten entgangen wäre.

Ein Orchester wie ein bunter Schal

Auch für die Musikerziehung kann der Film ein geeignetes Medium sein. 1945 überarbeitete Benjamin Britten eine Fuge des britischen Komponisten Henry Purcell als Auftragsarbeit, mit dem Ziel, einen Lehrfilm über das Orchester für Kinder herzustellen. Das Werk heißt „Young Persons Guide to the Orchestra“, im Deutschen „Orchesterführer für junge Leute“. Eine besonders schöne Version gibt es von der Deutsche Radio Philharmonie aus der Reihe „Musik für junge Ohren“. Hier vergleicht der Erzähler das Orchester mit einem Schal und die Instrumentengruppen mit einzelnen farbigen Wollknäulen: Durch das Zusammenspiel der Instrumente entsteht ein bunter Klang — wie beim Stricken mit verschiedenen Farben. Setzt der Lehrer den Film am Ende der Einheit ein, können die Lernenden die Instrumente und ihre Spielweise direkt mit dem Gehörten in Verbindung bringen. Auch die Aufstellung des Orchesters, das Zusammenspiel der Instrumentengruppen und die Aufgabe eines Dirigenten wird durch den Film deutlich.

So kommt das Musical in den Unterricht

Einen großen Mehrwert hat der Einsatz des Films vor allem, wenn es um das Musiktheater geht. Nicht jeder hat das Glück, ein Opernhaus oder Theater in der Nähe zu haben. Durch das Medium Film ist der Lehrende bei der Auswahl des Stückes, das er im Unterricht behandeln will, nicht auf die Spielpläne von Opernhäusern angewiesen, sondern kann begleitend zur Einheit immer die passenden Szenen oder Sequenzen anschauen und analysieren. Wichtig dabei ist, dass das Wiedergabegerät an eine Audioanlage angeschlossen ist, die eine gute Klangqualität garantiert.

Noch ein Vorteil des Films: Er ist weit preisgünstiger als der Besuch eines Musiktheaters. Nehmen wir exemplarisch das Musical „Les Miserables“. Es wird seit den 1980er-Jahren auf den großen Bühnen in London und New York täglich aufgeführt und ist immer noch ausverkauft. Der Besuch mit einer Klasse wäre nur im Rahmen einer Klassenfahrt denkbar. Dabei ist dieses Musical wirklich lohnenswert für eine Betrachtung im Musikunterricht. Hierzu ist der Hollywood-Film aus dem Jahr 2012 gut einsetzbar. Im Unterricht können einzelne Szenen und Musikstücke analysiert werden, wobei es wichtig ist, im Vorfeld den historischen Kontext und den Inhalt der literarischen Vorlage „Die Elenden“ von Victor Hugo zu besprechen. Die Musikstücke sind für eine Analyse nur bedingt interessant, von großem Interesse ist jedoch die Umsetzung der Stücke in die Filmszenen.

Making-Ofs für Einblicke in die Welt des Films

Besonders interessant sind die Making-Ofs zum Film. Der Regisseur hat eine spezielle Drehweise genutzt, um den Schauspielern und Sängern möglichst große Freiheit bei ihrer Interpretation der Musikstücke zu lassen. Er hat nicht, wie sonst üblich bei Verfilmungen von Musiktheatern, die Schauspieler am Ende die Lieder im Studio einsingen lassen. Tom Hooper hat die Darsteller während des Drehs live singen lassen. Dazu spielte ein Korrepetitor, der sich ganz auf die Darsteller und deren Gesang konzentrieren konnte, die Musik am Klavier mit. Zum Schluss spielte das Orchester zur abgedrehten Szene die Musik ein, sodass der Schwerpunkt der musikalischen Darbietungen nicht in den Händen des Dirigenten, sondern auf der Interpretation der Darsteller lag, ganz wie bei einer Live-Aufführung.

Auf YouTube sind viele Sequels zum Thema „Hinter den Kulissen“ zu finden, bei denen Einblicke in die Welt des Theaters am New Yorker Broadway und im Londoner West End zu gewinnen sind, die den Zuschauern sonst verborgen bleiben. Für die Jugendlichen ist möglicherweise ein Film über Gavroche besonders interessant. Der Star der aktuellen Netflix Serie „Stranger Things“ Gaten Matarazzo spielte als Kind in der New Yorker Produktion den Straßenjungen Gavroche. Aus dieser Zeit stammt eine Dokumentation zu „Hinter den Kulissen“, in der der junge Gaten den Zuschauern seinen Arbeitsalltag als Kinderstar im Musical zeigt.

Natürlich ist die reale Aufführung in einem Opernhaus mit echten Musikern und Sängern dem Film immer vorzuziehen. Das Erlebnis des Zusammenspiels von Orchester und Sängern, geführt von einem Dirigenten, der Zauber, der durch Bühnenbild, Requisite und Kostüme entsteht, ist unvergleichlich und sollte jedem Heranwachsenden einmal in seiner Schulzeit möglich gemacht werden. Doch bis es so weit ist, können Filme ein guter Ersatz sein. Im Musikunterricht spielen sie eine ganz besondere Rolle, nicht zuletzt dadurch, dass im Bereich der funktionalen Musik die Filmmusik und deren Analyse ein schuljahrfüllendes Thema sein kann.

Babett Kurzius-Beuster

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