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Lernen mit Lernleitern

Eine Lernkiste voller Argumente

Schriftlich zu argumentieren fällt Schülern im Deutschunterricht oft schwer: Wie sollen sie ihre Meinung begründen? Welche Argumentation überzeugt? Ein selbstregulierendes Lernsystem vermittelt Kompetenzen und führt die Schüler in mehreren Schritten zur eigenen gelungenen Argumentation.

Lernen mit Lernleitern: Eine Lernkiste voller Argumente Milestone-Material zum Unterrichtsthema Argumentation im Fach Deutsch © Ulrike Siebauer

„Das ist doch ein Argument!“ „Was fehlt denn da?“ „Und warum soll das jetzt nicht überzeugend sein?“ Der Einstieg ins schriftliche Argumentieren fällt Schülern oft schwer, weil ihnen nicht klar ist, wie sie ihre Behauptungen begründen sollen und welche Stützen das Argument für einen bestimmten Adressaten wirklich überzeugend machen. Die Lernkiste zum argumentierenden Schreiben für eine 7. oder 8. Jahrgangsstufe auf Grundlage des Lernsystems Le.Ple.fE arbeitet mit einem sogenannten Milestone. Der Milestone zum Argumentieren umfasst die Teilschritte Erarbeitung, Übung, Evaluation sowie Förderung und Ausweitung. Er führt die Schüler aktivitätsbasiert in die notwendigen Kompetenzen für das situationsangepasste Argumentieren ein. Die neueren schreibdidaktischen Ansätze sind dabei stets Grundlage der Konzeption und Aufgabenstellung. Statt vorgefertigte und starre Aufsatzformen („Erörterung“) einzuüben, werden alltagsnahe Schreibsituationen geschaffen, die einen Kompetenzaufbau für das Argumentieren ermöglichen. Dabei werden alle Phasen des Schreibprozesses berücksichtigt (sammeln — planen — formulieren — überarbeiten). 

Teilkompetenzen trainieren und anwenden

Die komplexe Fähigkeit des Argumentierens wird in Teilkompetenzen zerlegt (siehe Übungsteil), die einzeln trainiert und erst dann wieder kombiniert werden können. Besonderer Wert wird dabei auf den Erwerb von Textprozeduren gelegt, also Textbestandteilen auf einer mittleren Ebene. Diese ermöglichen es, verschiedene Textbestandteile, verschiedene Strukturierungsmöglichkeiten und  verschiedene Formulierungen variabel  für unterschiedliche Schreibsituationen, Textsorten und Adressaten zu verwenden. Die Arbeit mit Textprozeduren erleichtert es Schülern, ihre erworbenen Fähigkeiten kompetenzorientiert auf die jeweils unterschiedlichen Schreibanforderungen anzupassen.

In der Erarbeitungsphase Argumente sortieren

Die Erarbeitungsphase holt die Schüler mit einem lebensnahen Thema ab („Samstagsunterricht versus Ganztagsunterricht“). Sie sollen zunächst aus einer Reihe vorgegebener Begründungen für die eine oder andere Position gute Argumente von schlechten unterscheiden. Dabei zeigt sich, dass manche Begründungen schlicht unsinnig sind („Mehr Zeit für das Kuscheltier“), andere zu unspezifisch und daher schlecht („Wirtschaft macht minus“), andere dagegen überzeugend („Mehr sportliche Aktivitäten unter der Woche“). Die guten Argumente werden dann — als Vorbereitung auf einen Schreibplan — sortiert (Begründungen, die für beide Positionen möglich sind, und pro und kontra für jeweils eine Position). Anschließend ordnen die Schüler die Begründungen verschiedenen Adressaten zu (Eltern, Lehrer, Trainer ...) und erkennen so, dass Begründungen adressatenspezifisch gewählt werden sollten. Am Ende der Erarbeitungsphase definieren die Schüler ihre eigene Position, wählen aus den vorhandenen Begründungen die für sie sinnvollen aus und schreiben einen ersten, kurzen, argumentierenden Text (5-Satz-Übung).

Kompetenzen trainieren und fördern

Die Übungsphase bietet für die diversen Teilkompetenzen des Argumentierens jeweils eigene, methodisch stets variierende Aufgaben. Sie sind klar segmentiert, sodass jeweils konkret an einer abgrenzbaren Teilkompetenz gearbeitet wird. 

An einem neuen Thema („Sprachreisen“) werden folgende Aspekte geübt: Argumente sammeln; sie in einer Mindmap ordnen; vorgegebene Stützen bewerten; für Begründungen überzeugende Stützen finden; überzeugende Argumente für einen Adressaten finden; Aussagen aus Schülertexten nach dem Grad ihrer Abtönung sortieren (z. B. Sprachreisen sind essentiell/ entscheidend für den Schulerfolg/ wichtig/ sinnvoll/ wünschenswert etc.); passende Behauptungen und Begründungen zusammenpuzzeln; Überleitungen zwischen einzelnen Argumenten formulieren. Diese Übungsaktivitäten sollten von allen Schülern durchlaufen werden.

In der Evaluation schreiben die Schüler nun einen argumentierenden Text zum Thema Sprachreisen. Die Position können sie wählen, Adressat und Schreibsituierung aber sind klar definiert. Die Auswertung erfolgt über Peer-Kontrolle. Ein Lernpartner überprüft den Text anhand einer vorgegebenen Checkliste und gibt mit einer „Textlupe“ Feedback.

Die Ergebnisse der Evaluation werden zeigen, in welchen der geübten Teilbereiche ein Schüler ggf. noch Entwicklungsbedarf hat. Eventuell ist hier die diagnostizierende Hilfe eines Lehrers sinnvoll. Zu einem neuen Thema („Soziale Netzwerke“) werden die gleichen Teilkompetenzen wie in der Übungsphase noch einmal angeboten, nun aber jeweils mit einer anderen methodischen Herangehensweise, sodass der Übungseffekt verstärkt wird.

Ausweitung für schnelle Schüler

Diese Phase der Ausweitung müssen nicht alle Schüler durchlaufen. Sie ist für Schüler konzipiert, die entweder besonders schnell sind, oder bei denen sich in der Evaluation zeigt, dass sie in den Basiskompetenzen keinerlei Förderbedarf mehr haben. In dieser fakultativen Phase lernen sie an Textbeispielen, wie Gegenargumente in die eigene Argumentation eingebaut werden können und welche Formulierungen („Textprozeduren“) sich dafür eignen. Die Schüler erschließen sich einen erweiterten Argumentationsaufbau, der von dem standardisierten Schema „These — Begründung — Stütze“ abweicht. Dafür lesen und analysieren sie Textbeispiele professioneller Schreiber. Sie erproben darüber hinaus verschiedene Möglichkeiten für das Schreiben von Einleitung und Schluss.

Ulrike Siebauer

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