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Lerntheke

Bio-Mix von der Lerntheke

Selbstentdeckendes Lernen hat im naturwissenschaftlichen Unterricht seine Grenzen. An der Lerntheke im Fach Biologie jedoch können Schüler individuell üben und ihre Aufgaben selbst bestimmen und selbstständig bearbeiten.

Lerntheke: Bio-Mix von der Lerntheke Auch das Mikroskopieren im Biologieunterricht findet an der Lerntheke seinen Platz © Christian Schwier - stock.adobe.com

Offene Unterrichtsformen sind in naturwissenschaftlichen Fächern nicht so häufig. Das liegt vor allem daran, dass selbstständiges Lernen nach dem Prinzip von Maria Montessori „Hilf mir, es selbst zu tun!“ nicht nur schwer vorstellbar, sondern teilweise sogar gefährlich wäre. Kein Chemielehrer möchte sich ausmalen, was passiert, wenn die Lernenden einfach selbstentdeckend unterschiedlichste Chemikalien mischen. Das mag zwar etwas von einer Unterrichtsstunde zum Thema „Zaubertränke“ bei Harry Potter haben, bringt den naturwissenschaftlichen Unterricht aber nicht weiter. 

Eine Form, die in den Naturwissenschaften sehr wohl eingesetzt werden kann, ist die Lerntheke. Ihr Vorteil gegenüber anderen offenen Formen ist erst einmal ein unterrichtsorganisatorischer. Die Lerntheke wird an einem Platz aufgebaut, die Schüler können auf ihren Plätzen arbeiten. Das mag zunächst banal klingen. Doch wer in einem Fachraum und nicht im Klassenraum arbeitet, erkennt schnell die Problematik. Im Fachraum mit fest installierten Tischen mit Wasser- und Gasanschluss gibt es keine Möglichkeit, Gruppentische zu stellen oder das Lernsetting großartig zu verändern. Daher ist die Lerntheke, bei der die Arbeitsmaterialien vom Lernenden geholt werden, eine gute Alternative zu anderen offenen Unterrichtsformen. 

Üben und Wissen überprüfen

Wie ist die Lerntheke im Biologieunterricht einzusetzen? Vorausschicken möchte ich, dass bei einer Lerntheke die Inhalte nicht aufeinander aufbauen, sondern von den Schülern frei gewählt werden können. Für den sukzessiven Wissensaufbau eignet sich diese Methode nicht. Vielmehr ist sie im Fach Biologie als Vertiefung oder Übung eines bereits erarbeiteten Inhalts denkbar. Auch als Leistungsüberprüfung für die Lernenden vor einer Lernkontrolle ist die Lerntheke eine geeignete Methode. 

Nach der Unterrichtseinheit zum menschlichen Körper, in der der Aufbau des Körpers in Knochen- und Muskelskelett erarbeitet und die verschiedenen Funktionsweisen der Gelenke und deren Aufbau thematisiert wurden, ist eine Lerntheke zur Überprüfung des Wissens vorstellbar. Die Lernenden können verschiedene Gelenkmodelle zuordnen, an einem Skelett Knochen benennen, Muskelgruppen zuordnen oder diverse schriftliche Aufgaben erledigen. Denkbar wäre ebenfalls der Einsatz von Tablets. Hier könnten Schüler eigene Erklärvideos mit diversen Apps, wie beispielsweise „Explain Everything“, dem „Green Screen“ oder einem Videoprogramm, drehen. 

Vielfalt der Aufgaben motiviert 

Ein Vorteil der Lerntheke liegt auch darin, dass jeder Lernende auf seinen Lern- oder in unserem Fall Übebedarf seine Aufgaben individuell zugeschnitten bearbeiten kann. Eine Lerntheke, die verschiedene Angebote mit unterschiedlichsten Materialien, Medien und Aufgabenformaten anbietet, ist hoch motivierend für die Schüler. Des Weiteren ist sie sehr effektiv,  weil jeder an seinem Schwerpunkt arbeiten kann. 

Ein Nachteil für den Lehrenden ist sicher, dass die Vorbereitung wesentlich aufwendiger ist, da diverse Materialien zur Verfügung gestellt werden müssen, Aufgaben für die verschiedenen Anforderungsniveaus modifiziert werden sollen und alles selbsterklärend und mit Selbstkontrolle vorbereitet sein muss. Wenn man sich jedoch diese Mühe gemacht hat, wird man sehen, wie viel motivierter die Lernenden den Lernstoff vertiefen. Mit der neuen Rolle als Lernberater im Unterricht, hat der Lehrer nun Zeit für einzelne. Er kann sich sowohl den schwächeren Schülern widmen, die gezielte Unterstützung benötigen, als auch den stärkeren, die auch mal mehr gefordert werden wollen. Dies ist in einem frontalen Unterricht nicht möglich. 

Das Lernen lernen

Schlussendlich lässt sich sagen, dass eine Lerntheke eine lohnende Herausforderung für alle am Lernprozess Beteiligten ist. Die Schüler müssen lernen, den eigenen Lernstand ehrlich zu reflektieren und selbstständig zu arbeiten. Wer sich hier einen schmalen Fuß macht, wird in diesem Lernsetting weniger lernen, als in einer lehrerzentrierten Unterrichtsform. Jedoch hat der Lehrer durch seine veränderte Rolle − er ist nun Lernberater oder Lernbegleiter und nicht mehr Dozent — die Möglichkeit, den Lernprozess dieser Schüler optimal zu unterstützen. 

Die Lernenden von heute müssen nicht nur ihre Fachinhalte lernen, sie müssen vor allem auch lernen zu lernen. In einer Gesellschaft mit dem Primat des lebenslangen Lernens ist dies eine unabdingbare Fähigkeit. Die Herausforderung für den Lehrenden ist nicht nur die bereits erwähnte Vorbereitung der Lerntheke, sondern vor allem die Annahme der neuen Lehrerrolle. Wenn man sich erst einmal darauf eingelassen hat, wird man merken, wie viel zufriedener man selbst den Unterricht verlässt.

Babett Kurzius-Beuster

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