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Lerntheke

Ein Roman in passenden Häppchen

Deutschstunden müssen nicht immer gleich ablaufen. An der Lerntheke kann ein Roman ganz anders bearbeitet werden. Hier findet jeder Schüler Aufgaben, die zu ihm und seinem Lerntempo passen. Eine gute Vorbereitung wird belohnt: Der Lehrer hat viel Zeit, sich einzelnen Schülern zu widmen.

Lerntheke: Ein Roman in passenden Häppchen Romanlektüre kann auch an der Lerntheke bearbeitet werden, zum Beispiel auch zur Lieblingslektüre © Syda Productions - stock.adobe.com

Als Deutschlehrer kann man unter Wiederholungszwang leiden: Immer die gleichen Romane, immer die gleichen Grammatikthemen und die x-te Gruppenarbeit. Warum nicht einmal etwas Neues ausprobieren?

In Klasse 6 ist das Thema für die nächste Unterrichtseinheit „Freak“ von Rodman Philbrick. Zwar ein englischer, jedoch in der Übersetzung durchaus für den Deutschunterricht brauchbarer kleiner Roman über Selbstfindung, Freundschaft und Abenteuer. Die alltägliche Herangehensweise an die Durchführung und Planung einer solchen Unterrichtseinheit sieht so aus, dass der Lehrer zunächst sondiert, welche Kompetenzen er fördern möchte und daran angeknüpft, welche Inhalte in den Vordergrund gehoben werden sollen. Ganz anders geht es mit einer Lerntheke. 

Schüler wählen ihre Aufgaben selbst

Man  kann sie sich bildlich vorstellen: Die Schüler bekommen in Thekenform Inhalte und Aufgaben präsentiert, die sie dann über einen gewissen — vom Lehrer im Vorfeld ganz klar eingegrenzten — Zeitraum bearbeiten können. Und hier gleich vorweg der unschlagbare Vorteil dieser Methode: die individuelle Förderung. Die Planung startet zunächst wieder damit, dass Sie überlegen, welche Inhalte und welche Kompetenzen Sie behandeln und fördern möchten. 

Dabei müssen Sie jedoch ein paar Punkte und ein gewisses Prozedere beachten: Jede Lerntheke beginnt mit der Diagnose der Leistungsfähigkeit der Schüler. Auf dieser Diagnose beruht die Ausformulierung der Arbeitsaufträge und daran gekoppelt der Erfolg der Durchführung einer Lerntheke. Sie können — bildungspolitisch hochmodern — dabei binnendifferenziert arbeiten. Erstellen Sie beispielsweise gestaffelte Arbeitsaufträge für Ihre Schüler, sodass sie selbstständig wählen können, welchen Schwierigkeitsgrad sie gerade bearbeiten wollen. Das könnte z. B. so aussehen, dass sie sich bei der Charakterisierung der beiden Protagonisten einerseits auf das Äußere fokussieren, andererseits die emotionalen Verbindungen der beiden zueinander in den Vordergrund rücken. 

Arbeitsaufträge für jedes Lerntempo

Außerdem können Sie über die Arbeitsaufträge kompetenzorientiert arbeiten. Ein Beispiel: 

Der Roman ist in übersichtliche Kapitel gegliedert, die sich hervorragend für das Verfassen von Inhaltszusammenfassungen eignen. Der Textumfang ist überschaubar und die Komplexität des Inhalts altersangemessen. Hier kommt die Lerntheke der Schulung des Schreibens zugute, einer der wichtigsten Kompetenzen für den Deutschunterricht. Leiten Sie das Schreiben einer Inhaltszusammenfassung mit Hilfestellungen ein. Geben Sie Formulierungen vor und Formatanforderungen an die Hand, sodass Ihre Schüler eigenständig arbeiten können. Auch hier können Sie wieder individuell fördern. Für die langsamen Lerner stellen Sie eine schrittweise Anleitung und vielleicht sogar eine Musterlösung zur Verfügung, für die Schnelleren geben Sie lediglich einige Formulierungshilfen mit, mit denen sich die Schüler auf den Weg zu ihrem Ergebnis machen müssen. 

Der nächste Schritt ist der Wichtigste: Ihre Schüler müssen verstehen, was sie machen sollen. Es geht also um die Vorstellung der Unterrichtsform. Sie müssen den Schülern Lust auf das machen, was Sie mit ihnen vorhaben. Umreißen Sie den Inhalt des Romans, stellen Sie vielleicht ein Bild vor, zu dem sich die Schüler Gedanken machen und mutmaßen müssen, um was es gehen könnte. Und erklären Sie vor allem die einzelnen Arbeitsschritte und das von Ihnen erklärte Ziel, die Binnendifferenzierung der Aufgaben und den finalen Umgang mit den von den Schülern erstellten Ergebnissen. Ebenso sollten die Schüler ganz klar wissen, wann sie welche Ergebnisse fertig haben müssen. Der zeitliche Umfang einer solchen Unterrichtsmethode muss jedem ganz klar sein. 

Gemeinsame Kontrolle der Ergebnisse

Die Arbeitsphase ist selbstständig. Darin liegt ja der Sinn dieser Unterrichtsform. Ganz wichtig ist dabei der Vorteil, dass Sie während der Arbeitsphase die Möglichkeit haben, sich mit bestimmten Schülern intensiv auseinanderzusetzen und die Schwächen — aber auch die Stärken dieser Schüler zu bearbeiten. Und natürlich gibt Ihnen die Lerntheke die Möglichkeit, sich selbst einmal etwas zurückzunehmen. Sicherlich bedeutet die Vorbereitung einer Lerntheke mehr Aufwand als die handelsübliche Vorgehensweise mit einer Ganzschrift. Aber Sie können später jederzeit wieder auf Ihre Materialien zurückgreifen, dann haben Sie praktisch keinen Arbeitsaufwand mehr. Außerdem wird Ihnen der wesentlich entzerrte Unterrichtsablauf besonders in Stressphasen sehr entgegenkommen. 

In einem letzten Schritt sollen die Schüler die Methode reflektieren. Dies kann z. B. durch Ergebnisaustausch in Kleingruppen oder aber auch in Partnerarbeit erfolgen. Die Schüler können ihre Ergebnisse im Plenum vorstellen und dann eine Feedbackrunde starten. Die Möglichkeiten hier sind offen. Ratsam sind Evaluationsbögen, besonders bei klassenarbeitsrelevanten Themen, wie z. B. dem Erstellen einer Inhaltszusammenfassung. Mit den Bögen können die Schüler kriterienorientiert ihre Ergebnisse auswerten und vor allem bewerten. — Sie werden sehen, dass es sich lohnt, einmal etwas Neues auszuprobieren.

Tim Heidemann

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