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Lerntheke

Eine Theke mit Aufgabenangeboten für jeden Geschmack

In allen Fächern gibt es Schüler mit unterschiedlichem Vorwissen und Lerntempo. Die Lerntheke ist ein offenes Lernangebot an jeden, sich individuell passende Aufgaben zu suchen. Das autonome Lernen motiviert Schüler zu mehr aktiver Lernzeit und besseren Arbeitsergebnissen.

Lerntheke: Eine Theke mit Aufgabenangeboten für jeden Geschmack Auch Partnerarbeit ist an der Lerntheke möglich. Hier können auch leistungsstärkere Schüler schwächere unterstützen © pressmaster - stock.adobe.com

Eine Lerntheke ist ein Lernangebot des offenen Unterrichts. Unterschiedliche Aufgaben werden dabei wie auf einer Theke dargeboten und können von den Schülern in einer selbstgewählten Reihenfolge bearbeitet werden. Lerntheken können unterschiedliche Pflicht- und Wahlaufgaben beinhalten und ermöglichen so individualisiertes Lernen. Dies bedeutet, dass die Lernenden individuell an ihren Stärken und Schwächen arbeiten. Lerntheken können auf unterschiedliche Art das Lernen der Kinder und Jugendlichen beeinflussen. Als besonders bedeutsam für den Lernprozess gelten dabei die autonome Arbeitsweise sowie die Möglichkeit, an die höchst wirksamen Tiefenstrukturen (s. u.) des Unterrichts anzuknüpfen.

Mehr Antrieb zur Arbeit

Die autonome Arbeitsweise, d. h. die Möglichkeit, Aufgaben selbst zu wählen und so den eigenen Lernprozess zu steuern, hat einen entscheidenden Effekt auf die intrinsische Motivation der Schüler. Die intrinsische Motivation, d. h. der Antrieb etwas zu tun, weil es interessant, herausfordernd und fesselnd ist, gilt als stärkster und einflussreichster Antriebsfaktor für Lernprozesse (vgl. Pink, Daniel: Drive: The surprising truth about what motivates us. New York 2009). 

Um jeden Schüler dabei zu unterstützen, sich als selbstwirksam zu erleben und darauf aufbauend erfolgreiche Lernprozesse anzustoßen, ist es wichtig, auf die Tiefenstrukturen des Unterrichts zu achten. Diese basieren auf den Grunddimensionen ‚kognitive Aktivierung‘, ‚konstruktive Unterstützung‘ und ‚effiziente Klassenführung‘ (Classroom-Management, vgl. Kunter, Mareike et al.: Professionelle Kompetenz von Lehrkräften. Münster 2011). 

Lerntheken eignen sich besonders gut dafür, diese drei Dimensionen zu berücksichtigen. Im Bereich der Klassenführung erreichen sie, dass die Schüler auf vorher organisierte Weise bei der Arbeit bleiben. Wer mit einem Arbeitsauftrag abgeschlossen hat, kann sich etwas Neues suchen und muss nicht warten, bis die anderen ebenfalls fertig sind. Die aktive Lernzeit der Schüler wird dadurch über einen längeren Zeitraum sichergestellt. Die kognitive Aktivierung wird ermöglicht, indem die Lernenden Aufgabenstellungen auswählen, die für sie selbst anspruchsvoll sind und anhand derer sie sich weiterentwickeln können. Eng damit verbunden ist die konstruktive Unterstützung durch die Lehrkraft. Da alle Schüler bei der Lerntheke individuellen Arbeitsaufträgen nachgehen und die Lernprozesse nicht frontal gesteuert werden, hat die Lehrkraft Zeit, sich einzelnen Kindern zu widmen und diese gezielt zu unterstützen.  

Übersichtlicher Aufbau erleichtert die Auswahl

Die Gestaltung einer Lerntheke sollte die Sichtstruktur, wie auch die Tiefenstruktur des Unterrichts betreffen. 

Im Bereich der Sichtstruktur ist eine übersichtliche Darbietung der Aufgaben wichtig, um Schülern den Zugang zu Aufgaben zu erleichtern und die Auswahl möglichst einfach zu machen. Dabei sind im Idealfall Aufgaben für unterschiedliche Sozialformen (Einzelarbeit, Partnerarbeit, Gruppenarbeit) vorhanden, um nicht nur fachliches Lernen, sondern auch soziales und kommunikatives Verhalten zu trainieren.

Die Aufgaben selbst kann die Lehrkraft nach unterschiedlichen Gesichtspunkten differenzieren. So können sie sich im Umfang unterscheiden, d. h. die Schüler müssen viel oder wenige Dinge erledigen, um mit der Aufgabe fertig zu sein. Daneben können sie im Schwierigkeitsgrad variieren, z. B. Aufgaben, bei denen nur Wissen abgefragt wird, bis hin zu Aufgaben, innerhalb derer analysiert und beurteilt werden muss. 

Für eine erfolgreiche Bearbeitung kann es hilfreich sein, die Lerntheke nach unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden zu sortieren und Tischkärtchen zu den jeweiligen Arbeitsaufträgen zu stellen, um auf übersichtliche Art darauf hinzuweisen, welche Schwierigkeit oder welche Sozialform auf die Lernenden bei der jeweiligen Aufgabe zukommt. Hier kann auch verdeutlicht werden, welche Aufgaben Pflichtaufgaben und welche Aufgaben Wahlaufgaben sind.

Laufzettel für eigene Leistungskontrolle

Zur Übersichtlichkeit der Aufgaben, die zu bewältigen sind, und derer, die man erledigt hat, bietet es sich an, für die Schüler eine Art Laufzettel zu erstellen, auf dem sie eintragen, was gemacht wurde. Wenn die Schüler zusätzlich zur Reflexion ihres Lernprozesses angeregt werden sollen, kann auch sie auf dem Zettel erfolgen. 

Während des Lernprozesses kann es sinnvoll sein, bei bestimmten Aufgaben unterschiedliche Hilfsmittel bereitzustellen, auf die die Schüler bei Schwierigkeiten zurückgreifen können. Auch Kontrollblätter für erledigte Aufgaben können dazu dienen, den Lernweg bewusst zu machen und Aspekte, die noch mehr geübt werden sollten, aufzudecken. 

Für die optimale Unterstützung einzelner Lernwege müssen für alle Lernenden Aufgaben in ihrer jeweiligen „Zone der nächsten Entwicklung“ (Vygotsky, Lev: Mind in Society: The Developmental of Higher Psychological Processes. Cambridge 1978) bereitstehen. Dies bedeutet, dass die Aufgaben nicht zu leicht und nicht zu schwer sein sollten. Sie sollten von den Schülern mit Anstrengung geschafft werden können. Aufgaben dieses Schwierigkeitsgrades gelten als besonders wirkungsvoll für das Selbstvertrauen und die Weiterentwicklung von Kompetenzen. 

Ein positives Selbstbild fördert die Leistung

Der Schlüssel zur erfolgreichen und selbständigen Bewältigung von Aufgaben liegt neben der organisatorischen Gestaltung der Lernumgebung auch in der Haltung von Lehrkraft und Schülern. Wenn die Lehrkraft an die Schüler glaubt, so erreichen diese Schüler bessere Leistungen. Das wurde eindeutig nachgewiesen. Doch auch die eigene Einstellung und das Selbstbild beeinflussen die Leistung der Schüler (vgl. Dweck, Carol: Selbstbild: Wie unser Denken Erfolge oder Niederlagen bewirkt. München 2009). Den Schülern sollte deshalb stets vermittelt werden, dass sie etwas erreichen können, wenn sie sich ausdauernd und intensiv bestimmten Dingen widmen. Entscheidend dabei ist, sich bei auftretenden Schwierigkeiten darüber bewusst zu sein, dass man etwas „noch nicht“ kann, also noch im Lernprozess steckt, das Ziel aber im Prinzip erreichbar ist. Aufgabe der Lehrkräfte ist dann, gemeinsam mit den Lernenden den aktuellen Stand aufzuarbeiten und über die Lernhürden hinwegzuhelfen.

Britta Klopsch

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