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Lerntheke

Self-Service an der Englisch-Theke

Im Englischunterricht ist das Sprachniveau oft sehr heterogen. Während schwache Schüler lieber ganz schweigen, langweilen sich leistungsstarke Mitschüler. Die Lerntheke mit ihren sehr individuellen Aufgaben bietet die Möglichkeit, jeden Schüler zu motivieren und effektiv zu fördern.

Lerntheke: Self-Service an der Englisch-Theke Die Lerntheke ermöglicht das Arbeiten im Englischunterricht auf unterschiedlichen Niveaustufen © lamaip - stock.adobe.com

„Open your books at page 76 and talk to your partner about what you can see in the pictures. Then share with the rest.“ So oder so ähnlich sehen häufig Stundeneinstiege aus. Die Schüler sehen Berge, einen See, große, beeindruckende Gebäude und vielleicht ein paar Menschen, die etwas anders aussehen als sie selbst. Anschließend wird eine Mindmap erstellt und später werden diese Eindrücke Stück für Stück wieder aufgenommen. Am Ende der Unit kennen die Schüler dann z. B. Südafrika. Oder auch nicht. 

Sie wollen mit Ihrer Klasse ein neues Projekt starten? Als Englischlehrer wollen Sie, dass Ihre Schüler ein englischsprachiges Land und dessen Kultur sowie landeskundliche Besonderheiten kennenlernen? Dann trauen Sie sich doch einmal etwas Neues: die Lerntheke. Als Teil der gezielten, individuellen Förderung bietet die Lerntheke eine willkommene und vor allem zielführende Abwechslung, die — nach guter Vorbereitung  — auch zur nachhaltigen Entlastung der Lehrkraft beitragen kann. Hier ein Beispiel aus dem Alltag. 

Südafrika im eigenen Tempo erkunden

Die Klasse 7b ist extrem leistungsheterogen. Beiträge variieren von sprachlich und inhaltlich komplex ausdifferenzierten Aussagen bis hin zu nicht einmal basalen Redebeiträgen im Reproduktionsbereich. Häufig beteiligen sich nur vier bis fünf Schüler am Unterricht. Viele sitzen einfach dabei, ohne wirklich die Chance zu bekommen, ihrem eigenen Lerntempo entsprechend zu arbeiten und selbst Erkenntnisse zu sammeln — geschweige denn Englisch zu sprechen. Um eben dieses Problem zu lösen, eignet sich die Methode „Lerntheke“ hervorragend. 

Das Thema ist Südafrika. Sie wollen, dass die Schüler sowohl etwas über geografische Besonderheiten, über das Leben der Menschen dort, politische Arrangements und die Geschichte des Landes lernen. Sie haben also vier größere inhaltliche Komplexe gewählt, mit denen sich die Schüler in der kommenden Zeit beschäftigen sollen. Diese werden von Ihnen — und hier muss man sich die Methode wirklich bildlich vorstellen — in Form einer Theke präsentiert: Den Schülern wird zu jedem Komplex ein von Ihnen erstelltes Arbeitsmaterial gegeben, das sie sich selbst nehmen können. Hierbei ist z. B. an Arbeitsblätter zu geografischen Fakten oder aber auch an Bild- und Videomaterial zu politischen Themen zu denken. 

Aufgaben auf individuellem Niveau

Natürlich bedeutet eine Abweichung vom „Normalen“ auch Vorbereitung und zunächst eine gewisse Mehrarbeit. Zunächst müssen Sie diagnostisch tätig werden und die Aufgaben sprachlich auf die verschiedenen Lernstände der Schüler anpassen. Denn bereits hier beginnt die individuelle Förderung. Ermöglichen Sie den „Cracks“ knifflige und inhaltlich anspruchsvolle Hürden, die sie überspringen müssen. Sorgen Sie aber auch dafür, dass der wenig Sprachbegeisterte in der Lage ist, sich Inhalte selbstständig zu erarbeiten. Bieten Sie Sprachentlastung und Scaffolding an, geben Sie den Schülern Sprachchunks an die Hand, mit denen sie Texte und Antworten verfassen können und stellen Sie so sicher, dass wirklich jeder auf seinem Niveau gefordert und gefördert wird. 

Essenziell ist ebenso, dass Sie den Schülern das Prozedere vorstellen. Machen Sie Südafrika zu einem geheimnisvollen Ort, den die Schüler in der nächsten Zeit erkunden sollen. Erklären Sie die Arbeitsschritte, die Vorgehensweise und schauen Sie, dass die Schüler wissen, was sie eigentlich tun sollen. 

Gezielte Anlässe zum Hör-Seh-Verstehen 

Die Erarbeitungsphase bewältigen die Schüler selbstständig. Dies bedeutet aber gleichzeitig, dass Ihre Arbeitsaufträge klar, verständlich und zielführend sein müssen. Ebenso sollten Sie Ihren Schülern Lösungsvorschläge liefern, mit denen sie ihre Ergebnisse selbstständig auswerten können. Hier bietet sich vor allem für Englisch das kooperierende Lernen an. So bekommen Sie auch methodische Vielfalt in den Unterricht ... und die Schüler sprechen Englisch. 

Das Schöne an der Lerntheke ist, dass sie während des Arbeitsprozesses auch verschiedene Kompetenzen fördert. Zum Fach Englisch gehört eben nicht nur das Lesen und Sprechen — mittlerweile ist auch das Sehen und Hören ein fest integrierter Bestandteil des Faches. Das sogenannte Hör-Seh-Verstehen ist jedoch nicht immer ganz so einfach in den Unterricht einzubauen. Hier zeigt die Lerntheke ihre wahren Vorteile: Präsentieren Sie den Schülern Interviews, YouTube-Videos oder Kurzfilme mit entsprechenden While-watching-Aufgaben, sodass sie Inhalte sehend und hörend erschließen müssen. Lassen Sie dann die Schüler sich untereinander darüber austauschen und schon haben Sie einen methodisch vielfältigen, kompetenzorientierten und modernen Englischunterricht. Die Schüler selbst können bestimmen, welche Aufgaben sie bearbeiten, welche Menschen sie kennenlernen wollen, wie sie vielleicht sogar virtuell auf den Tafelberg klettern und wie sich die historischen Leistungen von Nelson Mandela bewerten lassen. 

Zeit für einzelne Schüler

Zu guter Letzt reflektieren die Schüler die Methode. Bieten Sie Gesprächsanlässe, beispielweise in Dialogen, die Sie selbst erstellen, anhand derer die Schüler über ihre Erkenntnisse sprechen und sich austauschen können. Hier bietet es sich wiederum an, leistungsstarke mit leistungsschwächeren Schülern in den Dialog treten zu lassen. Geben Sie den Schülern Evaluationsbögen, auf denen sie die neu erarbeiteten Inhalte zusammentragen können. 

Jetzt schrecken Sie wahrscheinlich vor dem Arbeitsaufwand zurück, den die Lerntheke zunächst erfordert. Jedoch sollten Sie langfristig denken: Eine solche Einheit darf gut und gern zwei Wochen dauern. Nach diversen Stunden der Vorbereitung haben Sie dann auch zwei Wochen „frei“. Sie können sich voll und ganz auf die Schüler konzentrieren und einzelne Problemfälle gezielt unterstützen. Sie können Ihre Cracks an deren Grenzen bringen und dem durchschnittlich Interessierten einen ansprechenden Unterricht bieten. Und das Beste: Sie können diese Lerntheke immer wieder benutzen. Probieren Sie es einfach aus!

Tim Heidemann

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