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Warum LRS-Schüler Nachteilsausgleich und Notenschutz brauchen

Schüler mit LRS haben es in der Sekundarstufe besonders schwer, gute Leistungen zu erbringen. Nachteilsausgleich und Notenschutz können ihnen helfen, selbstbewusst und mit Freude zu lernen.

LRS: Warum LRS-Schüler Nachteilsausgleich und Notenschutz brauchen Ein elektronisches Wörterbuch kann beim Schreiben ebenso helfen wie die Möglichkeit, die Texte gleich am Computer schreiben zu dürfen © Monkey Business - Fotolia.com

Die Rechtschreibung ist miserabel, das sieht man auf den ersten Blick. LRS? Auf jeden Fall muss der Schüler etwas dagegen tun. Mit dieser Feststellung werden Lehrer in allen Schulformen und Klassenstufen konfrontiert.

In einigen Bundesländern unterscheidet man zwischen Legasthenie (Lese-Rechtschreib-Störung, die „angeboren“ ist) und Lese-Rechtschreib-Schwäche (Defizite aufgrund erklärbarer Ursachen, die behoben werden können). Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten (eine dritte Verwendung der Abkürzung LRS) umfasst die beiden vorgenannten. Die Kultusministerkonferenz und einige Ministerien sprechen von Schülern mit „besonderen Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben“ oder „besonderen Problemen beim Erlernen des Lesens und/oder der Rechtschreibung“.

In der Sekundarstufe fallen all diese Schüler, unabhängig von Bundesland und Definition, durch schlechte Rechtschreibung auf. Diesen Schülern sollte und kann geholfen werden, egal aus welchen Gründen sie Probleme haben. Wer bezüglich der Wahrnehmung oder Verarbeitung im visuellen oder auditiven Bereich „erblich vorbelastet“ ist, zeigt ähnliche Defizite wie jemand, der wegen Krankheit, Umzug oder anderen Gründen Grundlagen verpasst hat.

In der Sekundarstufe werden Defizite deutlich

Ohne sichere Grundlagen wird die Rechtschreibung mit Auswendiglernen, eigenen Strategien oder Raten bewältigt. In der Grundschule gelingt das einigen so gut, dass sie nicht auffallen. Erst in der Sekundarstufe zeigt sich, dass diese Kompensationsstrategien nicht mehr ausreichen, um den Anforderungen gerecht zu werden. Neben bzw. wegen der Rechtschreibung werden die Leistungen in nahezu allen Fächern schlechter, das Selbstvertrauen sinkt. Die daraus resultierenden sekundären Symptome reichen von verträumt bis chaotisch (jemand, der nicht aufpasst, ist besser als jemand, der „dumm“ ist), können sich jedoch auch auf die Gesundheit auswirken, wie z. B. Kopf- oder Bauchschmerzen.

Leseschwäche verhindert Wissensaneignung

Es ist aber nicht nur die Rechtschreibung, die diesen Schülern zu schaffen macht. Viel schwerer zu erfassen sind die Probleme, die durch schlechtes, besonders durch nicht sinnerfassendes Lesen entstehen. In der Sekundarstufe steigen die Leseanforderungen. Literatur, Texte in den Fremdsprachen, Sachtexte, Aufgabenstellungen usw. müssen verstanden werden. Wer eine „Leseschwäche“ hat, fällt damit viel weniger auf, als jemand mit einer Rechtschreibschwäche. Es gibt auch scheinbar gute Leser, die begeistert Bücher lesen, oft sogar flüssig vorlesen, aber Einzelheiten in Sachtexten oder Aufgabenstellungen nicht richtig wahrnehmen oder verstehen. Diese Schüler lernen häufig fleißig für Tests und Klassenarbeiten. Sie wissen (im Prinzip) auch alles oder zumindest viel, können es aber nicht beweisen, da sie die Aufgaben nicht vollständig oder falsch verstehen und daher anders beantworten, als es von ihnen erwartet wird. Auch sie verzweifeln, denn eigentlich konnten sie doch alles.

Es gibt keine typischen LRS-Fehler

LRS-Schüler in der Sekundarstufe haben also Probleme mit dem Rechtschreiben und/oder dem Lesen. Ihre Vorgeschichten können dabei sehr unterschiedlich sein. Bei einigen wurden schon im Kindergarten Defizite festgestellt, bei anderen merkt man erst in der 6. Klasse, dass etwas „nicht stimmt“. Einige haben jahrelange Therapien mit unterschiedlichen Erfolgen hinter sich, andere haben fleißig mit den Eltern geübt oder waren so ehrgeizig und intelligent, dass sie sogar ohne Hilfe immer das Klassenziel erreicht haben.

So unterschiedlich die Geschichten, so unterschiedlich sind auch die „Symptome“. Es gibt keine typischen LRS-Fehler. Es gibt LRS-Schüler mit guter und andere mit grauenhafter Schrift. Es gibt gute und schlechte Leser. Es gibt langsame und schnelle, organisierte und chaotische usw. Gemeinsam ist ihnen eine gewisse Planlosigkeit im Rechtschreiben, da ihnen Grundlagen fehlen. „Seiteneinsteiger“, die die Grundschule im Ausland besucht haben, und Schüler, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, zeigen häufig ähnliche Schwierigkeiten. Beim Lesen ist die fehlende Sinnerfassung schlimmer als das „holprige“ Vorlesen. Dieses wird allerdings von den Betroffenen als wesentlich belastender wahrgenommen, da sie sich davor fürchten, ausgelacht zu werden.

Erfolgserlebnisse motivieren

Wie kann man diesen Schülern helfen, oder ist „der Zug schon abgefahren“? Erfolgserlebnisse sind wichtig, damit sind aber nicht nur gute Noten gemeint. Vielmehr muss ein Weg aus dem Teufelskreis gefunden werden: Ich verstehe nichts ⇔ ich passe nicht auf. Erst wenn ein Schüler merkt, dass er eine Chance hat, erfolgreich am Unterricht teilzunehmen, lohnen sich das Aufpassen und Mitmachen wieder. Wer grundsätzlich in Diktaten oder Vokabeltests eine 5 oder 6 bekommt, sieht natürlich wenig Sinn darin, seine Zeit mit Üben zu verschwenden. Genau dafür sollte der Nachteilsausgleich genutzt werden.

Ein LRS-Schüler, dem es gelingt, bessere Noten zu erzielen, weil er mehr Zeit hat, die Aufgabenstellung zu erlesen und zu verstehen bzw. zu schreiben, wird immer sicherer werden und den Anschluss an die Klassenleistungen eher schaffen als einer, dem durch schlechte Noten stets vor Augen gehalten wird, dass er etwas nicht kann.

Nachteilsausgleich als Chance

Wer zum Korrigieren einen Duden oder ein elektronisches Wörterbuch benutzen darf, traut sich zunehmend, schwierige Wörter zu verwenden. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten für einen Nachteilsausgleich, die, natürlich am besten individuell abgestimmt, betroffenen Schülern die Möglichkeit geben zu zeigen, was sie wissen. Auf das Berufsleben übertragen wäre es so, als müsste eine Arbeit abgeschlossen werden. Solange sie in der geforderten Qualität zum geforderten Zeitpunkt vorliegt, ist es in Ordnung. Ob ein Arbeitnehmer also mit Korrekturprogramm, Duden oder wegen seiner eigenen Rechtschreibleistungen fehlerfrei schreibt, spielt dann keine Rolle mehr. Das Ergebnis zählt. Daher ist es wichtig zu lernen, Hilfsmittel sinnvoll zu verwenden.

Vor diesem Hintergrund sollte jeder LRS-Schüler, egal warum er die Probleme hat, durch einen angemessenen Nachteilsausgleich eine Chance bekommen, seine Leistungen zu zeigen und motiviert daran zu arbeiten. Der Notenschutz (Abweichung von der Leistungsbewertung) kann in der Förderphase helfen, die Schreibfreude zu erhalten. Nicht nur in Deutsch und den Fremdsprachen verhindert die Angst vor Rechtschreibfehlern nämlich oft, dass ein Schüler all das schreibt, was er eigentlich zu schreiben wüsste.

Jedes Kind möchte lesen und schreiben lernen, wenn es in die Schule kommt. Wer das in der Grundschule nicht gut schafft, kann es später nachholen. Das gelingt, wenn ihm Möglichkeiten angeboten werden, das Fehlende von Grund auf zu verstehen und zu festigen. Schüler mit ihrer Ratlosigkeit und Verzweiflung allein zu lassen, kann keine Option sein.

Uta Livonius

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