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MindMatters

So „entstressen“ Sie Ihre Schüler

Stress durch Mobbing oder Leistungsdruck macht viele Schüler krank. Strategien zur Stressbewältigung (Coping) und seelische Widerstandskraft (Resilienz) schützen Schüler vor Depression und Burnout. Das MindMatters-Programm bietet Lehrern vielseitiges Material, um ihre Schüler zu unterstützen.

MindMatters: So „entstressen“ Sie Ihre Schüler Freunde finden, behalten und dazugehören — die Peergroup ist immens wichtig © Jacob Lund - stock.adobe.com

Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden unter Stress, Druck und Mobbingerfahrungen. So sehr, dass viele von ihnen krank werden, wie eine Studie der Krankenkasse KKH- zeigt: Bei Depressionen verzeichnete die KKH von 2007 auf 2017 bei den 13- bis 18-jährigen Schülern einen Anstieg um fast 120 Prozent. Und — man kann es fast nicht glauben — bei Kindern von 6 bis 12 Jahren hat sich in diesem Zeitraum die Anzahl der Burnout-Diagnosen verdoppelt.

Stress, Druck und Mobbing erleben Kinder und Jugendliche natürlich überwiegend in der Schule. Deshalb ist es auch die Schule, die hier am effektivsten gegensteuern kann. Wie? Der folgende Beitrag stellt Ihnen drei Unterrichtshefte aus dem MindMatters-Programm vor, mit denen Sie die Resilienz Ihrer Schüler, also deren seelische Widerstandsfähigkeit, stärken.

Vertrauen und Selbstwertgefühl bieten Schutz

Forscher haben zahlreiche Faktoren identifiziert, die uns vor Stress schützen. Das MindMatters-Modul „Mit Stress umgehen — im Gleichgewicht bleiben“ (MSu) bringt die wichtigsten Schutzfaktoren auf den Punkt (MSu, S. 14 f.):

  1. Ein stabiles Selbstwertgefühl und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten im Umgang mit Anforderungen hilft uns, schwierige Situationen besser zu meistern, ohne uns entmutigen zu lassen.
  2. Das Gefühl, wichtige Dinge im Leben „bis zu einem gewissen Grad kontrollieren und mitbestimmen zu können“, unterstützt uns beim konstruktiven und positiven Umgang mit Herausforderungen. Dieses Gefühl wird bei den Schülern gestärkt, wenn sie „sich aktiv am Schulleben beteiligen können (Partizipation)“. (ebd.)
  3. Unterstützung, Zugehörigkeit und positive Vorbilder helfen uns ebenfalls dabei, Herausforderungen stressfrei zu bewältigen. „Fürsorgliche Lehrkräfte“ könnten hier eine „Schlüsselrolle“ einnehmen, schreiben die Autoren des Unterrichtshefts (S. 15)
  4. Auf einen vierten wichtigen Schutzfaktor haben Sie als Lehrkraft nur bedingt Einfluss: Auf ein unterstützendes Familienklima, das den Schülern „Wärme, Zusammenhalt, Nähe, Ordnung und Organisation“ bietet. Hier sei aber „eine effektive Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern wertvoll und wichtig“, betonen die Autoren der Broschüre.

Wirksame Anti-Stress-Strategien

Basierend auf diesen Schutzfaktoren üben die Schüler im Unterricht mit bestimmten Techniken ihr Stress-Level zu senken bzw. Stress erst gar nicht aufkommen zu lassen. Lektion 1: „Die Art und Weise, wie wir über eine schwierige Situation denken, trägt mit dazu bei, ob sie für uns stressig wird“. Oft führen wir dann „stressige Selbstgespräche“, etwa: „Ich bin so blöd — alle anderen sind besser als ich.“ Im Unterricht spielen die Schüler „negative“ und „positive“ Selbstgespräche durch. Sie reflektieren eine „stressverursachende Situation“ (S. 30) und achten dabei auf den „Mix verschiedener Gefühle unter der Oberfläche“. Zudem lernen die Schüler gute Coping-Strategien (Sport, Gespräche etc.) von schlechten (Risiken eingehen, härter arbeiten usw.) zu unterscheiden.

Nicht immer gelingt es uns oder Menschen in unserem Umfeld, allein eine Stresssituation zu bewältigen. Die Unterrichtseinheit „Hilfe bekommen“ sensibilisiert die Schüler für kritische Situationen, in denen Hilfe von außen angezeigt ist, z. B. Suizidgefahr, Drogenkonsum oder Schule-Schwänzen. Auch Loyalitätskonflikte („Petzen“!?) werden thematisiert und natürlich auch geeignete Anlaufstellen im Notfall. In der Unterrichtseinheit „Es aussprechen können“ üben die Schüler, mit anderen Menschen über Sorgen und den Umgang mit schwierigen Situationen zu sprechen.

Neben Coping-Strategien gibt es viele weitere Möglichkeiten, den Stresspegel zu senken. Im Teilmodul „Fang den Stress“ entdecken die Schüler z. B. verschiedene Entspannungstechniken oder die Kraft schützender Gedanken. Sie erfahren, wie wichtig soziale Interaktionen und Spaß für einen konstruktiven Umgang mit Herausforderungen sind, und sie lernen bei verschiedenen Spielen und Übungen Vertrauen zu Mitschülern zu fassen. Speziell gegen Schulstress hilft es, sich „erreichbare Ziele zu setzen“ und zu verstehen, „wie wichtig es ist, Ziele und Fristen regelmäßig zu überprüfen“ und — wenn nötig — anzupassen.

Konsequent gegen größten Stressauslöser Mobbing

Auch Entscheidungen und Konflikte können Stress verursachen, vor allem dann, wenn Interessen- oder Bedürfniskonflikte im Spiel sind. Hier gibt das MindMatters-Modul den Jugendlichen Techniken und Strategien an die Hand, um diese stressbehafteten Situationen zu entschärfen.

Mobbing ist ein Stressauslöser erster Güte und eine der Hauptursachen für stressbedingte Erkrankungen (KKH-Studie, Link s. o.). Oft wird es in Schulen marginalisiert, doch mit dem MindMatters-Modul „Mobbing? Nicht in unserer Schule“ können Lehrkräfte und Schulleitung konsequent und mit geeigneten Maßnahmen vorbeugen und intervenieren. Die Checkliste auf S. 17 des Unterrichtshefts kann als Indikatorenliste verwendet werden, um die Mobbingprävention kontinuierlich zu verfeinern und immer wieder neue Maßnahmen in die Tat umzusetzen. Vielleicht haben Sie ja noch kein „Schulhof-Komitee“, das Schulhofprobleme analysiert und Lösungen sucht. Und vielleicht wäre es auch gut, wenn alle Lehrkräfte in der Früherkennung von Mobbing geschult wären, sich auf Reaktionsmöglichkeiten verständigt hätten und diese dann konsequent anwenden würden.

Der Unterrichtsteil des Moduls enthält zahlreiche Unterrichtseinheiten zu den Teilmodulen „Hinsehen statt wegschauen“, „Die Dinge beim Namen nennen“ und „Schlüsselmomente“. Letzteres Teilmodul thematisiert Mobbing und Belästigung mit Mitteln von Schauspiel und Theater — auf diese Weise können die Schüler bei öffentlichen Aufführungen ihr Mobbingwissen auch gleich auf unterhaltsame Art und Weise weitergeben.

Resilienz stärken durch Peerkontakte

Last but not least sei noch ein weiteres MindMatters-Modul zur Resilienzförderung in den Klassen 5 und 6 erwähnt: „Freunde finden, behalten und dazugehören“ bietet Ihnen eine Vielzahl von Unterrichtseinheiten, mit denen Sie am — laut Mobbingexpertin Prof. Mechthild Schäfer — besonders mobbinganfälligen Übergang von der Primar- in die Sekundarstufe Mobbing erst gar nicht aufkommen lassen. Eine umfangreiche Spielesammlung sorgt für unverkrampfte Begegnungen mit viel Spaß. Und mehrere Unterrichtseinheiten im Teilmodul „Beziehungen aufbauen“ unterstützen die Schüler Ihrer Klasse dabei, sich in den ersten Schulwochen in der neu zusammengewürfelten Klasse „zusammenzuraufen“. Speziell für den Deutschunterricht sind die Unterrichtseinheiten im Teilmodul „Freundschaft und Zusammengehörigkeit“ konzipiert. Hier steht vor allem die Fähigkeit, eigene Gefühle ausdrücken zu können, im Fokus.

Falls Sie gleich mit einem kleinen Anti-Stress-Training in Ihrer Klasse beginnen möchten, nutzen Sie einfach die Arbeitsblätter und -hilfen der drei vorgestellten Module. Sobald Sie sich auf der MindMatters-Website registriert haben, können Sie die Materialien zu den einzelnen Heften im „Werkzeugkasten“ downloaden und ausdrucken. Registrierte Nutzer können auf der MindMatters-Website übrigens auch alle Unterrichts- und Schulentwicklungsmodule des Programms kostenfrei bestellen.

Martina Niekrawietz

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