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MindMatters

Strategien für mehr psychische Widerstandskraft

Mobbing, Stress und hoher Leistungsdruck gehören an vielen Schulen zum Alltag. Das MindMatters-Programm will allen Beteiligten helfen, mehr psychische Widerstandskraft zu entwickeln. Fertige Unterrichtsbausteine, viele Materialien und Tools fördern maßgeblich eine gesunde Schulkultur.

MindMatters: Strategien für mehr psychische Widerstandskraft Schüler lernen und erleben, dass Verschiedenheit eine Bereicherung ist © JackF - stock.adobe.com

Die Pubertät ist für die meisten Ihrer Schüler eine große Herausforderung: Die Ablösung vom Elternhaus ist oft mit nervenaufreibenden Konflikten und widersprüchlichen Gefühlen verbunden. Im Leben der (angehenden) Jugendlichen verschieben sich die Prioritäten: Die Peergroup wird immer wichtiger und es gilt, sich in der Clique ein gutes Standing zu erarbeiten. Vor allem die Partnersuche tritt in den Vordergrund. Viele Jugendliche sind stark von den damit verbundenen, teilweise auch heftigen Gefühlen absorbiert. Und dann ist da noch die Schule, die offenbar für viele Schüler mit enormem Stress verbunden ist, wie aus einer Studie der Krankenkasse KKH hervorgeht: Über 1,1 Millionen Kinder und Jugendliche leiden unter psychischen Erkrankungen und psychosomatischen Beschwerden. „Ein zentraler Grund“ dafür ist Stress: „Hoher Leistungsdruck durch Schule, Eltern und eine dauerbeschleunigte Gesellschaft, digitale Reizüberflutung, Mobbing in sozialen Netzwerken, Versagensängste“, das alles führt dazu, dass viele Schüler „überfordert und verzweifelt sind“ und mit ihrem Leben nicht mehr klarkommen (ebd.).

Wie können Sie Ihre Schüler so stärken, dass sie trotz Stress und Belastungen gesund bleiben? Und wie bringen Sie dabei gleichzeitig die Schulqualität so voran, dass Ihre Schule zu einem guten gesunden Ort wird, wo Schüler und Lehrer sich wohlfühlen und gern lernen bzw. arbeiten? Der folgende Beitrag stellt Ihnen das wissenschaftlich erprobte MindMatters-Programm vor, das genau auf diese beiden Ziele ausgelegt ist.

Positive Effekte für die Psyche

Die „psychische Gesundheit und das Wohlbefinden von Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften zu fördern und damit einen Beitrag zur Verbesserung der Unterrichts- und Schulqualität zu leisten“ — so umreißt Prof. Dr. Peter Paulus bei einem Vortrag in Mainz den Leitgedanken von MindMatters (vgl. S. 4 des Vortragsmanuskripts). Der Erziehungswissenschaftler und Psychologe ist der wissenschaftliche Leiter des MindMatters-Projekts an der Leuphana Universität Lüneburg. Er hat mit seinem Team das ursprünglich australische Gesundheitsförderungsprogramm übersetzt, für deutsche Schulen adaptiert und evaluiert: Die Ergebnisse „belegen positive Effekte durch das Programm, MindMatters gilt als ein umfassendes und wirksames Präventionsprogramm zur Förderung der psychischen Gesundheit an Schulen“, so Prof. Paulus (ebd.).

Verschiedenheit als Bereicherung

MindMatters-Vorteile

Ein umfassendes Programm zur Förderung der psychischen Gesundheit

Wissenschaftlich fundiert, praxiserprobt und evaluiert

Mit Tools und Materialien zur Qualitätsentwicklung von Unterricht und Schule

Direkt übernehmbare Unterrichtseinheiten mit Arbeitsblättern

Verbindet fachliches und sozial-emotionales Lernen

Fördert Resilienz und inneres Gleichgewicht

Senkt das Risiko für stressbedingte Erkrankungen bei Schülern und Lehrkräften

  • Wer sich auf der MindMatters-Website registriert, kann die kostenfreien Unterrichts- und Schulentwicklungsmodule direkt online bestellen.

Die Basis des MindMatters-Programms ist das Konzept der „Guten gesunden Schule“. Dem entsprechen auch die Programmziele, die Prof. Peter Paulus in seinem Vortrag auf den Punkt bringt: Neben der „Förderung von psychischer Gesundheit und Wohlbefinden in der Schule“ zielt die Arbeit mit MindMatters auch auf die „Verbesserung von Lehren und Lernen“ und eine „Steigerung der Bildungsqualität“. Die Entwicklung einer unterstützenden und fürsorglichen Schulkultur fördert die Verbundenheit und Identifikation mit der Schule. Respekt und Toleranz sind grundlegend: Verschiedenheit wird als Bereicherung gesehen (vgl. Vortragsmanuskript, Link s. o., S. 7).

Bausteine für eine gute Schulentwicklung

Zum Mind-Matters-Programm gehören verschiedene Bausteine, die Ihnen das Haus „Gute gesunde Schule“ auf der MindMatters-Website im Überblick zeigt. Orangefarben sind dabei die drei Schulentwicklungstools, die sechs verschiedenen Unterrichtsmodule sind blau.

Das Schulentwicklungsmodul „SchoolMatters“ bildet die Basis für eine nachhaltige und systematische Entwicklung der „Guten gesunden Schule“. Hier finden Sie zahlreiche Tools und Materialien, um „mögliche Strukturen, Strategien und Partnerschaften zur Förderung der psychischen Gesundheit aller Schulmitglieder“ aufzubauen. — Der unten verlinkte Beitrag zeigt, wie Sie „SchoolMatters“ bei der Entwicklung einer „Guten gesunden Schule“ unterstützt.

„LifeMatters“ sorgt für eine umfassende Suizidprävention in Ihrer Schule. Der Leitfaden zeigt, welche Vereinbarungen, Prozesse und Handlungsabläufe sinnvoll und welche Präventionsmaßnahmen wirksam sind, und wie Sie sich „bestmöglich für Krisensituationen (...) wappnen“.

„Die Schule öffnen und vom Umfeld profitieren“ — das ist der Leitgedanke und auch der Untertitel des dritten Schulentwicklungsmoduls „CommunityMatters“. Gemeint ist damit zum einen die Öffnung nach außen durch den Aufbau von Partnerschaften im Schulumfeld. Zum anderen geht es um eine offene innere Haltung aller am Schulleben Beteiligten: um den „Abbau von Berührungsängsten aufgrund sozialer Herkunft, fremder Kultur und Lebensweise“. — Schule soll ein Ort werden, wo „sich alle (...) willkommen und sicher fühlen können, egal wer sie sind und woher sie kommen“ (ebd.).

Unterrichtseinheiten für seelische Widerstandskraft

Die sechs blauen Unterrichtsmodule bieten Ihnen detailliert geplante Unterrichtseinheiten mit direkt übernehmbaren Materialien. Sie greifen altersentsprechende Themen auf und lassen sich ohne Weiteres mit dem Unterricht in verschiedenen Fächern verbinden:

  • Das Modul „Freunde finden, behalten und dazugehören“ unterstützt die neu zusammengewürfelten Schüler der 5. und 6. Klasse dabei, sich gegenseitig kennenzulernen und als Gruppe zu finden: „Hier wird Teamarbeit, Kommunikation, Partizipation, eine positive Einstellung zu sich selbst sowie das Zugehörigkeitsgefühl zur Schule gefördert“, erläutern die Autoren der MindMatters-Website. Letztlich geht es um den Aufbau von Resilienz, also von psychischer Widerstandskraft gegenüber belastenden Lebenssituationen.
  • Seelische Widerstandskraft brauchen die Schüler von der 7. bis zur 10. Klasse vor allem, um dem von Jahr zu Jahr steigenden Leistungsdruck zu begegnen: „Mit Stress umgehen — im Gleichgewicht bleiben“ heißt deshalb das Resilienz-Modul für die höheren Jahrgangsstufen. Der unten verlinkte Beitrag zur Resilienzförderung mit dem MindMatters-Programm stellt Ihnen diese beiden Module genauer vor.
  • Das Modul „Mobbing? — Nicht in unserer Schule!“ beugt Mobbing vor. Es nimmt dabei Schüler und Lehrer ins Visier und alle gleichermaßen in die Verantwortung: „Hinsehen statt Wegschauen“ ist die Devise und „Dinge beim Namen nennen“. Denn Mobbing ist ein Gruppenphänomen und deshalb systemisch anzugehen. Und — ganz wichtig: Es hört nicht von allein auf. Wer gemobbt wird, braucht Hilfe von außen.
  • Verlust, Trauer und Angst begleiten uns durch alle Lebensphasen. Das Modul „Rückgrat für die Seele“ richtet sich deshalb auch an Schüler aller Jahrgangsstufen von 5 bis 10 und beleuchtet die Handlungsmöglichkeiten innerhalb der Schule. Die insgesamt 10 Unterrichtseinheiten greifen altersentsprechende Aspekte des Themas auf und knüpfen an die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen an: Schüler der Unterstufe sprechen z. B. über ihre Gefühle bei Veränderungen im (Schul-)Alltag, über Dinge oder Personen, die sie verloren haben und wie sie darauf reagiert haben. Dabei werden auch die „kleinen“ und mitunter sehr schmerzhaften Verluste der Schüler ernst genommen.
  • Das Unterrichtsheft „Wie geht’s?“ hilft Schülern der 9. und 10. Klasse, psychische Störungen in der Schule oder im persönlichen Umfeld verstehen zu lernen. Es vermittelt Wissen über psychische Krankheiten und zielt darauf, „Stigmatisierung abzubauen und hilfesuchendes Verhalten zu bestärken“ (MindMatters-Website, Module, Link s. o.).
  • In dem über 230 Seiten starken Modul „Fit für Ausbildung und Beruf“ geht es darum, „die Schülerinnen und Schüler auf ihrem Weg zu Bildungserfolg, Wohlbefinden sowie in ein gelingendes Erwachsenwerden zu stärken und so einen gesunden Übergang zu ermöglichen.“ (ebd.) Der unten verlinkte unterrichtspraktische Beitrag zu diesem Modul stellt Ihnen einige der 25 Unterrichtseinheiten für die Jahrgangsstufen 7 bis 13 vor.

MindMatters erlauben vielseitige Nutzung

Was sagen Lehrkräfte und Schulleiter, die schon seit einigen Jahren mit MindMatters arbeiten? Das lesen Sie — nach erfolgter Registrierung — auf der MindMatters-Website unter dem Menüpunkt „Programm“ → „Erfahrungen“.

Bei der Lektüre der Erfahrungsberichte werden Sie entdecken, wie flexibel die MindMatters-Materialien in der Praxis genutzt werden: „Ich suche mir schwerpunktmäßig die Module raus, die ich gerade für relevant in meinen Klassen erachte“, berichtet der Schulleiter der Ernst-Barlach-Realschule (Erfahrungsbericht Nr. 1). Hilfreich sei dabei besonders „die Unterteilung der Hefte in Schwerpunktthemen wie beispielsweise Mobbing oder psychische Störungen“. An seiner Schule werden aber auch „Klassenlehrerstunden, Vertretungsstunden und die Fachstunden in Religion oder auch Politik“ für die Arbeit mit MindMatters genutzt.

Die Sekundarschule Nordlippe Extertal (Erfahrungsbericht Nr. 3) hat MindMatters „im Schulprogramm verankert, dort ist das Programm „für alle Kolleginnen und Kollegen verpflichtend“, sagt Lehrerin Lena Hoppe. Zu festen, regelmäßigen Zeiten, am sogenannten „Klassennachmittag“, steht MindMatters auf dem Stundenplan. Regelmäßig tauschen sich die Lehrkräfte über ihre Erfahrungen mit dem Programm aus und geben sich gegenseitig Tipps.

Elke Luckner, Lehrerin an einer weiterführenden Schule in Baden-Württemberg (Erfahrungsbericht Nr. 4), arbeitet in ihrer Klasse vorrangig mit dem Modul „Mit Stress umgehen“ und nutzt dafür ihre Klassenlehrerstunden. Als Präventionsbeauftragte des Landes Baden-Württemberg nutzt sie MindMatters auch regelmäßig bei ihren Fortbildungen für Lehrkräfte. Dabei habe sie auch schon „sehr viel positives Feedback zum Programm bekommen“, wenn sie „mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Übungen (...) ausprobiert“ hat. Ihre Erfahrung: „Die Lehrkräfte lernen dabei (...) viel über sich selbst und ihr Empfinden, und das sei „sehr wichtig für die anschließende Arbeit mit ihren Schülerinnen und Schülern“ (ebd.).

Martina Niekrawietz

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