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Personale Kompetenz

Den Mut zur Kommunikation in der Fremdsprache fördern

Kompetenzorientierter Englischunterricht, der bei Schülern alle Aspekte der personalen Kompetenz fördert, ist gar nicht so schwierig. Mit ein paar Hilfsmittel und dem richtigen Gespür für den Einzelnen gelingt es leichter als gedacht.

Personale Kompetenz: Den Mut zur Kommunikation in der Fremdsprache fördern Es ist durchaus eine Herausforderung für die Schüler, in einer Fremdsprache nach dem Weg zu fragen © auremar - Fotolia.com

Englischunterricht, siebte Klasse. Die Klasse besteht aus 26 Schülern mit meist mittlerem bis schlechtem Leistungsstand. Einige wenige sind dabei, die vor allem in Englisch brillieren, jedoch das Gros der Klasse steht vor allem mit dem English speaking auf Kriegsfuß. Das Unterrichtsziel der Stunde ist, dass die Schüler lernen, sich in einer Alltagssituation in der Zielsprache zurechtzufinden und in den kommunikativen Austausch treten können. 

Konkret handelt sich um folgende Situation: Der Schüler ist im englischsprachigen Ausland und befindet sich in einer U-Bahnstation. Er hat sich verfahren und weiß nicht, wie er zurück zu seinem Ausgangsort kommen kann. Ein Passant soll ihm Hilfe leisten, dazu muss er jedoch erst einmal mit ihm ins Gespräch kommen und funktionale Phrasen einzusetzen wissen. 

Schülern fällt es häufig besonders schwer, sich in der Zielsprache zu unterhalten. Dies mag an vielen Gründen liegen: Scham, Unlust, fehlende Fähigkeiten oder einfach Desinteresse. Es gilt also, diese Hürde zu überspringen und den Unterricht für die Schüler so zu gestalten, dass sie gar nicht mehr im Wege steht. Doch wie berücksichtigt der Lehrer in dieser Situation die vom Curriculum geforderte personale Kompetenz? Und: Was ist das eigentlich?

Motivation zum selbstbewussten Auftreten 

Die personale Kompetenz macht aus Schülern motivierte, selbstreflektierte, teamfähige, sich selbstvertrauende und eigenständige Individuen. Es sind also diejenigen Teilkompetenzen, die für die Entwicklung eines Menschen maßgeblich sind und einen großen Anteil an Erfolg oder Misserfolg eines Menschen haben. Schauen wir uns diese Teilkompetenzen ein wenig näher an, so fällt schnell auf, dass sie besonders für die Fremdsprachen von großer Bedeutung sind – und somit auch für das Fach Englisch. Wir Lehrer fragen uns dabei oft:  Wie sollen wir die Vielzahl von Kompetenzen in unseren Unterricht einbauen und dabei auch noch darauf achten, dass das Fachliche nicht auf der Strecke bleibt?  

An unserem Alltagsbeispiel wird gut sichtbar, inwiefern die personale Kompetenz hier wichtig ist und an Bedeutung gewinnt. Im Idealfall tritt der Schüler selbstbewusst und selbstsicher auf. Es ist ja klar, dass er fremd in der Stadt ist, also muss sein Englisch nicht perfekt sein. Er schämt sich nicht, sondern äußert freundlich — wenn auch nicht formvollendet — sein Anliegen. Er begegnet dem Passanten also mit einer Einstellung, die ihn zu seinem Ziel führen wird. Dabei muss er seine Leistungen gut einschätzen können, um sich darüber klar zu werden, wie er an dieses Ziel gelangen kann. Und er muss in die Interaktion mit anderen treten können, um den Weg zu erfahren. Die Motivation — ein weiter Aspekt personaler Kompetenz — ist an dieser Stelle selbstevident, da er sonst verloren in einer fremden Stadt auf sich allein gestellt wäre.

Hilfsmittel erleichtern den Dialog

 Nun ist uns Lehrern daran gelegen, mit Aufgabenstellungen und einem entsprechend realistischen Kontext dem Schüler das personal kompetente Handeln zu ermöglichen. Das erforderliche Fachwissen, also Dinge wie z. B. korrekte Fragestellungen, entsprechendes Vokabular und die passende Nutzung von grammatikalischen Formen, wurde bereits in den vorherigen Stunden behandelt. So gehen die Schüler vorentlastet in die aktuelle Stunde. Sie bekommen ein Arbeitsblatt, auf dem visuell und textuell die Situation dargestellt wird, in der sie sich befinden. 

Wichtig ist hierbei, dass nicht jeder Schüler die gleiche Situation bekommt, sondern einige von ihnen sich beispielweise in einer anderen Stadt befinden, an unterschiedlichen Stellen und/oder mit unterschiedlichen Menschen sprechen. Auf dem Arbeitsblatt ist ebenso eine Karte (z. B. eine Netzkarte der Londoner Tube oder des Bristoler U-Bahnnetzes) vorhanden, anhand der sich die Schüler orientieren müssen. Sie sollen mit einem Partner zusammen einen Dialog erstellen, in dem das erlernte Fachwissen (siehe oben) benutzt wird, um das dargestellte Problem zu lösen. 

Teamfähigkeit für erfolgreiches Miteinander

Das hört sich nun nach einer recht „normalen“ Stunde an — und das ist sie auch. Personale Kompetenz in den Unterricht einzubauen, heißt nämlich nicht immer gleich, dass das Rad neu erfunden werden muss. Nein, Schüler lernen, im Englischunterricht personal kompetent zu handeln, indem sie konkrete Kommunikationskontexte präsentiert bekommen, in denen sie ihr Wissen anwenden müssen und in denen sie aufeinander angewiesen sind. Genau das ist hier der Fall. 

Nebenbei sei bemerkt, dass sich eine solche Aufgabe auch hervorragend zur Binnendifferenzierung eignet — auch damit wird personal kompetentes Handeln gefördert und gefordert, denn es beinhaltet, dass Schüler sich selbst gut einschätzen lernen und gleichzeitig die Schwächen und Stärken anderer erkennen. Lassen Sie besonders gute Schüler mit leistungsschwachen Schülern arbeiten (Teamfähigkeit), bieten Sie leistungsschwachen Gruppen Hilfekarten, sogenanntes scaffolding an, z. B. hilfreiche Phrasen, die sie einsetzen können (Selbsteinschätzung, Motivation, Selbstvertrauen) oder/und geben Sie ihren Schülern den Raum, die Situation eventuell noch durch eigene Gedanken auszuschmücken (Eigenständigkeit). 

Am Ende der Stunde sollen die Schüler sich gegenseitig evaluieren und sich entsprechendes Feedback geben, was wiederum die Selbsteinschätzung stärkt, da eine Bewertung von der peer group und nicht vom Lehrer durchgeführt wird. Hierzu müssen Sie lediglich einen entsprechenden — kriterial angelegten — Auswertungsbogen erstellen und die Schüler werden eigenständig und (hoch) motiviert ihre Ergebnisse präsentieren und einschätzen. 
Sie sehen: Kompetenzorientierten Englischunterricht zu halten ist gar nicht so schwierig.

Tim Heidemann

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