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Portfolio-Arbeit

Deutschlektüre mit Portfolio

Im Deutschunterricht sind Portfolios sowohl im Grammatik- als auch Lektüreunterricht einsetzbar. Entscheidend neben der selbstständigen Arbeit ist produktive Kritik, die den Lernfortschritt ankurbelt.

Portfolio-Arbeit: Deutschlektüre mit Portfolio Zur Deutschlektüre erarbeiten die Schüler vorgegebene oder freie Aufgabenstellungen © olly - stock.adobe.com

Ein Portfolio ist eine Sammlung von Dokumenten, die unter aktiver Beteiligung der Lernenden zustande kommt und etwas über ihre Lernergebnisse und Lernprozesse aussagt. Den Kern eines Portfolios bilden jeweils ausgewählte Originalarbeiten. Nach Winter ist es das Ziel der Portfolioarbeit, selbstständiges und selbstgesteuertes Lernen zu ermöglichen. Die reflexive Lernhaltung soll gefördert werden, wobei durch das Instrument des Portfolios eine individuelle Förderung und Diagnose möglich ist. (siehe Link oben)

Allgemein ist zu sagen, dass das Portfolio sowohl bei der Reflexion von grammatischen Themen einsetzbar ist als auch im Literaturunterricht. Die Einsatzmöglichkeiten von Portfolios im Deutschunterricht sind also vielfältig, eine genaue Planung sowohl der Portfolioaufgaben als auch der Unterrichtsorganisation ist jedoch Voraussetzung.

Feedback auf dem Marktplatz

In meinem Beispiel erstellten Schüler ein Portfolio im Rahmen des Lektüreunterrichts in einer 9. Realschulklasse zu der Jugendlektüre „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ von John Green. Während der Unterrichtsstunden wurde die Lektüre gemeinsam gelesen oder teilweise auch das Hörbuch gehört und verschiedenste produktionsorientierte Aufgaben wie Rollenspiele, Standbilder und Ähnliches bearbeitet. Zur intensiven Auseinandersetzung mit der Lektüre bearbeiteten die Schüler das Portfolio während der gesamten Einheit. Diese Arbeit besprachen wir in einer der ersten Unterrichtsstunden. Jeder Lernende erhielt eine schriftliche Anleitung zur Arbeit mit dem Portfolio. Sie wurde in die Portfoliomappe eingeheftet.

Schon zu diesem Zeitpunkt legten wir die sogenannten „Marktplatzstunden“ gemeinsam fest. In den Marktplatzstunden werden alle Portfolios ausgelegt. Die Lernenden und Lehrenden gehen eine gesamte Schulstunde lang herum, lesen alle Portfolios und geben Rückmeldungen über die bisher geleistete Arbeit. Diese sollen sowohl inhaltliche Kritik beinhalten als auch ein Feedback zur Einhaltung von Schreibkriterien, zur Gestaltung des Portfolios und des Zeitplans bzw. Arbeitsfortschritts geben.  

Konstruktive Kritik zur Weiterarbeit

Besonders wichtig ist die Rückmeldung über die Textkriterien bei der Textproduktion von Inhaltsangaben und die inhaltliche Rückmeldung bei Aufgaben, die sich mit der Auseinandersetzung der Thematik der Lektüre beschäftigen. Den Lernenden muss klar sein, dass die Mitlernenden und Lehrenden Rückmeldungen in die Texte oder unter die Texte schreiben. Wenn  diese Art der Arbeit das erste Mal durchgeführt wird, müssen die Schüler wissen, dass ein Text nicht beim ersten Mal fertig ist. Er wandert also nicht sofort in den Fächer der fertigen Texte, sondern muss im Schreibprozess weiter bearbeitet werden. Das heißt vielleicht auch, dass die Schüler den Text zwei oder dreimal überarbeiten müssen, bevor er gut genug ist.

Wahl- und Pflichtaufgaben müssen erfüllt werden

Von Beginn an war klar, dass alle Pflichtaufgaben und sechs Wahlaufgaben erledigt werden mussten. Folgende Anleitung erhielten die Schüler:

So arbeitest du mit deinem Portfolio: Dazu brauchst du eine Mappe. In die Mappe legst du die Texte, die im Laufe der Arbeit an dem Roman „Das Schicksal ist ein mieser Verräter!“ entstanden sind. Du kannst deine Portfolio-Texte im Laufe der Arbeit durch andere ersetzen, wenn sie dir wichtiger erscheinen. Dein Portfolio liegt zu verabredeten Zeiten aus. Mitschüler und Mitschülerinnen, Unterrichtende können dein Portfolio dann ansehen und schriftlich kommentieren. Sie können dir Fragen stellen, Änderungen vorschlagen, ihre Gedanken zu deinen Texten notieren. Am Ende der Arbeit gibst du dein „fertiges Portfolio“  ab. Deine Lehrerin kommentiert und bewertet dein Portfolio.

Die Pflichtaufgaben in der hier geschilderten Lektürearbeit waren zum Beispiel:

  • Erstelle einen Steckbrief über den Autor
  • Schreibe aus jedem Kapitel eine Textstelle heraus, die dir besonders auffällt. Begründe deine Entscheidung!
  • Lege eine Rollenkarte für Hazel, Gus, Isaac, Kaitlyn und Hazels Eltern an und vervollständige diese während des Lesens. Schreibe immer die Seitenzahlen zu den Informationen, die du zu den Personen gefunden hast, auf.
  • Schreibe eine Charakterisierung über Isaac!

Die Wahlaufgaben in der hier geschilderten Lektürearbeit waren zum Beispiel:

  • Schreibe ein Gedicht zu einem der Themen: Liebe, Leben, Tod.
  • Schreibe einen Tagebucheintrag aus der Sicht einer Romanfigur.
  • Kapitel 8: Bestimmt hast auch du ein Erinnerungsstück aus deiner Kindheit. Schreibe eine Anzeige, in der das Erinnerungsstück ein neues Zuhause sucht.

Lernfortschritt wird nachvollziehbar

Beim Anlegen des Portfolios ist es vor allem die Unterteilung der Mappe in sechs „Fächer“/Rubriken wichtig. Die Fächer haben folgende Überschriften: 1. Mein bester Text. 2. Mein traurigster/lustigster Text. 3. Beim Schreiben dieses Textes habe ich besonders viel gelernt. 4. An diesem Text habe ich besonders intensiv gearbeitet. 5. Diese Texte sind „fertig“, sie sind überarbeitet und ich bin zufrieden. 6. An diesen Texten/Aufgaben muss ich noch arbeiten. Diese sind noch nicht fertig.

Sinn der Einteilung in die sechs verschiedenen Rubriken ist, dass die Lernenden ihre Texte nicht in chronologischer Reihenfolge der Aufgaben abheften, sondern eine thematische Sortierung vornehmen. So kann es sein, dass eine Aufgabe im Aufgabenkatalog weit vorne steht, aber noch zu bearbeiten ist und deshalb in der Rubrik 6 abgeheftet ist.

Es kommt im Laufe der Einheit auch vor, dass ein Schüler Texte in eine der vorderen Rubriken eingeheftet hat, aber in einer der „Marktplatzstunden“ Rückmeldungen zur möglichen Überarbeitung bekommt. Der Text muss somit wieder in den letzten Fächer wandern. Hierdurch wird den Lernenden klar, dass das Portfolio prozessorientiert ist und während dieses Prozesses ständige Weiterarbeit vonnöten ist. Ebenso wird deutlich, warum die Reflexion über die entstandenen Produkte elementar für das Gelingen eines Portfolios ist. Besonders interessant wird es gegen Ende, wenn die Lernenden ihre überarbeiteten, fertigen Ergebnisse mit den ersten Ausgaben ihrer Aufgaben vergleichen. Dann wird der individuelle Lernfortschritt, der Lernprozess, für die Schüler deutlich und nachvollziehbar.

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