Fach/Thema/Bereich wählen
Portfolio-Arbeit

Portfolios als Ansporn zur Leistung

Die Arbeit mit Portfolios erlaubt Schülern, den eigenen Lernfortschritt zu dokumentieren und zu reflektieren. Portfolio-Arbeit ist ein Ansporn, Leistungen zu erbringen — und das selbstständig, in eigenem Tempo und mit einem Zuwachs an Kompetenzen.

Portfolio-Arbeit: Portfolios als Ansporn zur Leistung Feedback ist wichtig bei der Portfolio-Arbeit. Hier sprechen Schüler über die unterschiedliche Umsetzung der Aufgabenstellungen © Woodapple - stock.adobe.com

Seit dem Ende der 90er-Jahre gewinnt die Portfolioarbeit in der Unterrichtspraxis immer mehr an Bedeutung. Dies liegt daran, dass sie als Medium der Dokumentation und als Grundlage zur Darstellung eigener Kompetenzen genutzt werden kann. Portfolioarbeit dient der Steuerung des Lernens und Lehrens sowie der Leistungsbewertung (Brunner, Ilse / Häcker, Thomas / Winter, Felix: Das Handbuch Portfolioarbeit: Konzepte — Anregungen — Erfahrungen aus Schule und Lehrerbildung. Berlin, 4. Auflage, 2011, S. 7).  Portfolios stehen für eine neue Lernkultur, die selbstständiges Arbeiten und die Umsetzung eigener Ideen in den Mittelpunkt stellt. Dies wird der Individualisierung bzw. Differenzierung im Unterricht gerecht und ermöglicht eine Förderung des Einzelnen in einer Zeit zunehmend heterogener Lerngruppen.

Dr. Felix Winter beschrieb das Portfolio als eine Sammlung von Dokumenten, die unter aktiver Beteiligung der Lernenden zustande gekommen ist und etwas über ihre Lernergebnisse und Lernprozesse aussagt. Dabei bilden Originalarbeiten der Schüler den Kern eines Portfolios, in dem Arbeitsergebnisse und Lernprozesse fortlaufend abgelegt und dargestellt werden. Ebenso soll das Portfolio während einer Lernphase dazu anhalten, wichtige Inhalte, Methoden und Ergebnisse gezielt zu beobachten, diese schriftlich festzuhalten und eine reflexive Lernhaltung bei den Lernenden zu fördern.

Zwei Typen der Portfolioarbeit

Im Allgemeinen werden zwei Typen der Portfolioarbeit unterschieden: Portfolio im Einzelunterricht und Portfolio als Bildungsmappe.

Portfolio im Einzelunterricht bezieht sich auf eine kursbezogene Mappe, die die Arbeit und Entwicklung der Lernenden anhand ausgewählter Arbeiten darstellt, reflektiert und bewertet. Diese Art der Portfolioarbeit bietet die Möglichkeit eines stark differenzierten, individualisierten und förderorientierten Arbeitens im Unterricht.

Portfolioarbeit als Bildungsmappe hingegen bezieht sich auf eine Sammelmappe ausgewählter Leistungsnachweise, die längerfristig sowie kurs- und fächerübergreifend die erreichten Ergebnisse der Lernenden dokumentiert.

Selbstständiges Arbeiten als Lernziel

Als wesentliche Ziele der Portfolioarbeit können folgende Punkte genannt werden:

  1. schulisches und unterrichtliches Handeln an den Lernprozessen der Schüler orientieren und die Individualisierung des Lernens unterstützen.,
  2. individuelle Förderung und Diagnostik gestalten,
  3. den Unterricht an Kompetenzen orientieren und Methodenkompetenz entwickeln,
  4. selbstständiges und selbstgesteuertes Lernen ermöglichen,
  5. reflexive Lernhaltungen fördern,
  6. Herkömmliche Verfahren der Leistungsbewertung reformieren.

Sorgfältige Planung mit klaren Vorgaben

Wichtige Grundlagen für den Einsatz von Portfolioarbeit sollten eine Zusammenarbeit im Jahrgangsteam, eine Verankerung im Schulprogramm, regelmäßige Präsentationen der Portfolioarbeit sowie ein geeigneter Ort zur Aufbewahrung der Arbeiten sein.

Damit Portfolioarbeit gelingen kann, sollte der Lehrer die aufgeführten Aspekte bei der Planung und Organisation berücksichtigen.

  1. Zielformulierung: Es ist darauf zu achten, dass klare Ziele formuliert und diese für die Lernenden transparent dargestellt wurden.
  2. Selbstbestimmung und Verantwortung: Die Erarbeitung muss so gestaltet werden, dass die Lernenden selbstbestimmt und eigenverantwortlich handeln.
  3. Rahmen: Es muss geprüft werden, ob die Unterrichtsbedingungen für die Portfolioarbeit geeignet und herstellbar sind.
  4. Einsatz: Es muss sichergestellt werden, dass der Einsatz und Zweck des Portfolios allen Beteiligten klar sind.

Vor allem sollten die Vor- und Nachteile der Methode vergegenwärtigt werden, um zu entscheiden, ob das Portfolio eine geeignete Methode für den Unterrichtsinhalt und die damit verbundenen Ziele darstellt. Hierbei finden sich gute Checklisten (siehe Link oben) von Rolheiser / Bower / Stevahn, um die Basis des Portfolios festzulegen.  
 In drei Schritten zum Portfolio

Nachfolgend werden der Entstehungsprozess und die einzelnen Phasen der Portfolioarbeit grafisch dargestellt:

Planung Kommunikation Organisation

Ziele

Umreißen der Zielvorgaben, Vorgaben und Erwartungen

Reflexion

Werden Prozesse und Ergebnisse reflektiert?

Sammlung

Sammlung der Dokumente zu Ergebnissen und Prozessen

Selbstbestimmung

Die Lernenden übernehmen Verantwortung für ihre Arbeit

Dialog

Reflexion der zu erwartenden Leistungen im Plenum

Überarbeitung

Gelegenheit, die Portfolios zu sichten und zu überarbeiten

Einsatz

Vorstellung der Prototypen der Portfolios; Rückmeldungen

Rückmeldung

Austausch der Ergebnisse und die Qualität der Arbeiten

Strukturierung & Gestaltung

Präsentation einer Auswahl an Beispielen im Plenum

   

Präsentation

Vorstellung und gemeinsame Bewertung der Portfolios

Wie aus der oben angeführten Grafik hervorgeht, ist es für das Anlegen eines Portfolios wichtig, zunächst gemeinsame Ziele festzulegen und Kriterien zu formulieren, an denen sich die Schüler orientieren können und die als Richtlinie für die Erstellung und Bewertung des Portfolios dienen sollen.  

Anschließend beginnt der Arbeitsprozess, in dem die Lernenden ihren eigenen Arbeitsplan erstellen und anhand der inhaltlichen Vorgaben und Interessenschwerpunkte eine Forscherfrage formulieren. Sie beginnen dabei zunächst mit einer Sammlung von Informationen, die sich auf die Beantwortung ihrer gestellten Forscherfrage bezieht.

Im nächsten Schritt folgt die Auswertung der gesammelten Informationen und die Anfertigung eigener Arbeiten mit anschließender Reflexion des Lern- und Arbeitsprozesses sowie Beratung durch den Lehrer und die Mitschüler. Hierbei haben die Lernenden die Möglichkeit, sich über die Methode und die Ergebnisse auszutauschen, sie zu sichten und anschließend zu überarbeiten.

Den Abschluss findet die Portfolioarbeit in einer Präsentation, in der die Lernenden ihre Arbeitsergebnisse vorstellen und von ihren Lernerfahrungen berichten. Hierbei ist die Präsentation ein wichtiger Bestandteil und kann in eine Bewertung mit einfließen. Ziel der Präsentation ist es, dass die Lernenden ihre Präsentationstechniken stetig verbessern.
Abschließend erfolgt eine Bewertung des Lehrers in Form eines Gespräches, in dem der Lernende ein nachvollziehbares Feedback über die Qualität seines Portfolios erhält. Dabei stützt sich das Feedback vor allem auf die anfangs festgelegten Bewertungskriterien.

Portfolioarbeit fördert viele Kompetenzen

Die Arbeit mit Portfolios bietet viele Vorteile:

  1. Portfolioarbeit fördert die Kompetenz der Selbstreflexivität, Eigenverantwortung und Organisation sowie das selbstbestimmte und selbstständige Lernen.
  2. Sie wirkt motivierend, da Lernende individuelle Wahlmöglichkeiten bei der Bearbeitung der Aufgaben haben.
  3. Sie fordert die Lernenden heraus, vorzeigbare Produkte zu erstellen und zu präsentieren und regt sie an, über ihr Lernen und ihre Leistung zu reflektieren.
  4. Sie gibt eine Orientierungshilfe für den Lernenden und ermöglicht dem Lehrenden eine flexiblere Bewertung.
  5. Sie informiert Eltern durch die direkte Leistungsvorlage über die Lernleistung und -entwicklung ihrer Kinder.
  6. Sie unterstützt die Lehrenden bei der Gestaltung individuellen Unterrichts.
  7. Sie vereinfacht die fächerübergreifende Arbeit in Schulen.

Mit Portfolioarbeit steht das Lernen, nicht das Lehren, im Vordergrund, damit fördert die Arbeit eine neue Lernkultur in Schule und Unterricht. Sie leistet einen wichtigen Beitrag dazu, den Lernprozess der Schüler zu individualisieren und konstruktiv zu gestalten. Weiterhin bietet Portfolioarbeit neue Perspektiven der Leistungsbewertung und versetzt Schüler in die Lage, eine kritische und gleichzeitig konstruktive Reflexivität gegenüber ihrer eigenen Arbeit zu entwickeln. Dies wiederum ermöglicht es dem Lehrer, mit Schülern sachbezogen über Leistungen und Leistungsentwicklung zu sprechen, ohne dass der Vergleich zwischen Schülern in den Vordergrund tritt.

Jennifer Day-Betschelt

Dazu passender Ratgeber
Dazu passendes Unterrichtsmaterial

Mehr zu Ratgeber Portfolio-Arbeit
Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×