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Projektunterricht

Einmal nach Australien reisen — ein Sprachprojekt

Projekte im Englischunterricht sind eine sinnvolle Abwechslung vom Schulalltag. Sie müssen sorgfältig vorbereitet werden, damit Schüler — je nach Interesse und sprachlicher Leistungsfähigkeit — selbstständig an einem Thema rund um Australien arbeiten können.

Projektunterricht: Einmal nach Australien reisen — ein Sprachprojekt Auch wenn man nicht gleich bei einem Australienprojekt dorthin reisen und Kängurus begrüßen kann, gibt es spannende Themen genug © nitis.s/Shutterstock.com

Projektorientierter Unterricht kann verschiedene Bezeichnungen haben: Projektunterricht, Problemunterricht oder problemorientierter Unterricht. Zur Vereinfachung verwenden wir den Begriff projektorientierter Unterricht, ohne dabei die verschiedenen Facetten eines so weiten Begriffes zu vergessen. Ebenso bedarf es im Vorfeld eines sehr kurzen theoretischen Abrisses der Methode, anhand dessen später praxisbezogen verschiedene Ideen vorstellt werden.

Nach Kersten Reich gibt es sechs Schritte, die bei der Durchführung von projektorientiertem Unterricht beachtet werden müssen (Reich, Kersten: Konstruktivistische Didaktik. Neuwied u.a. 2002, S. 213 ff.): Der Schüler muss im ersten Schritt Informationen sammeln, die ihm bei der späteren Durchführung und Bearbeitung seines Projektes helfen. Im zweiten Schritt geht es an die Planung: Der Schüler soll sich einen Überblick verschaffen und zeitliche Vorgaben setzen. Dann muss er Entscheidungen treffen, welche Arbeitsschritte er wann durchführen und welche Informationen er für den weiteren Verlauf final verwenden will. In der Durchführung — der Arbeitsphase — arbeitet der Schüler nun an seinem Projekt und prüft die Ergebnisse dann in einem vorletzten Schritt, der Kontrollphase. Im letzten Schritt, der Auswertung, erfolgt der kognitive Reflexionsprozess des Schülers, auch indem er seine Ergebnisse präsentiert.

Umfassende Vorbereitung erleichtert das Projekt

Für den projektorientierten Unterricht im Fach Englisch ergeben sich aus diesen theoretischen Überlegungen einige wichtige Voraussetzungen. Erstens sollten die Informationen, die sich der Schüler beschafft, alle in der Zielsprache verfasst sein. Bevor der Lehrer also mit der Projektplanung beginnt, sollte er sich informieren, woher die Schüler die Informationen beschaffen könnten. Auch sollte er sich darüber klar werden, zu welchem Thema er Projekte anbieten will.

Ebenso ist es ratsam, dass diese Projekte thematisch gebunden sind und nicht ohne Kontext in die Jahresplanung eingebracht werden – schließlich steht über allem Lehren ja noch der Lehrplan. Auf ein praxisorientiertes Beispiel angewendet könnte das so aussehen: In jedem Lehrplan steht die landeskundliche und kulturelle Auseinandersetzung mit einem englischsprachigen Land, z. B. Australien. Statt im Klassenplenum kleinschrittig vorzugehen und geschichtliche, topografische und/oder kulturelle Besonderheiten von Australien durchzugehen, bietet es sich an, den Schülern einen Pool von verschiedenen Projekten (in diesem Falle Themengebiete) zur Auswahl anzubieten. Das gewählte Projekt wird der Schüler nun in der folgenden Zeit eigenständig bearbeiten. Sinnvoll mag eine Zeitvorstellung zwischen ein und drei Wochen sein, je nach Umfang der Unterrichtsreihe.

Themenauswahl nach Interesse und Leistungsniveau

Zurück zu unserem ersten Schritt: Informationen sammeln. Der Lehrer wird einen Überblicksplan für die Schüler entwerfen müssen: mit Fragestellungen, Ideenanleitungen und groben Handlungsanweisungen. Hier bedarf es genauer Vorbereitung, da an diesen Anleitungen Erfolg und Misserfolg hängen. Ebenso sollte er jedes Projekt mit einer Liste von verschiedenen Materialien zur Informationsbeschaffung ausstatten. Das können offizielle Webseiten, Broschüren, Bücher, Zeitschriften oder sonstiges sein. Dabei sollte er die sprachliche Leistungsfähigkeit der Schüler beachten. Nebenbei bemerkt bietet sich hier — anhand verschiedener Inhaltsabstufungen — individuelle Förderung besonders an. Der Schüler wählt also sein Projekt und beschafft sich dann Informationen.

Im nächsten Schritt muss er sich nun an die Planung machen. Was soll er wann abgeben: einen Vortrag, ein Portfolio, Arbeitsblätter, Informationsblätter für die Mitschüler etc.? Wie sollen diese Ergebnisse beschaffen sein: Format, Länge etc.? Welchen Lernzuwachs soll er seinen Mitschülern sichern: reine Informationen, sprachlicher Input, Kompetenzen etc.?

Selbstverständlich kann der Schüler diese Fragen nicht allein entscheiden, sondern auch hier sollte der Lehrer konkrete Vorstellungen haben, die er den Schülern vermittelt und transparent macht. Vorschläge für eine Projektarbeit zum Thema Australien wären z. B. folgende: Städte (Sydney vs. Canberra vs. Melbourne), Besiedlung (historischer Kontext), Topografie (Wüste vs. Regenwald), Ureinwohner (kultureller Hintergrund), politische Strömungen (politischer Hintergrund), Regierungsformen und Unabhängigkeit. Es ist offensichtlich, dass der Themen-/Projektvielfalt kaum Grenzen gesetzt sind. Hier wird sich der Lehrer entscheiden müssen, was für ihn passend ist und wie er seine Lerngruppe einschätzt.

Gezielte Betreuung einzelner Schüler

Hat der Schüler nun ein Projekt gewählt, sich Informationen beschafft, ist mit der Planung fortgeschritten und hat Entscheidungen getroffen, so geht es nun an die Arbeitsphase respektive Durchführung. An dieser Stelle ist alles möglich: methodische Vielfalt (Gruppenarbeit, Einzelarbeit etc.), hausaufgabengeleitetes Arbeiten, stundenbasiertes Arbeiten oder was auch immer als pädagogisch-fachdidaktisch sinnvoll erachtet wird.

Während dieser Phase hat der Lehrer die Möglichkeit, den Schüler gezielt zu betreuen. Er kann lernlangsameren Schülern gezielt unter die Arme greifen, störende Impulse unterbinden, persönliche Gespräche führen und individuell auf seine Schüler eingehen.

Projektorientiertes Arbeiten bietet an dieser Stelle also nicht nur die Vorteile der Methoden- und Kompetenzschulung (z. B. Selbstkompetenz durch Einschätzung und Planung; eigenständiges Arbeiten etc.), sondern ermöglicht auch individuelle Förderung.

Da das projektorientierte Lernen immer ein forschend-entdeckendes Lernen ist, werden die Schüler neue Erkenntnisse erlangen, die es selbstverständlich auch mit den Mitschülern zu teilen gilt. In einem finalen Schritt, der Auswertung, bietet es sich an, dass die Schüler ihre Ergebnisse einander in Kleingruppen präsentieren, in Großgruppen Vorträge einüben und/oder Lernmaterial für ihre Mitschüler produzieren.

Es liegt auf der Hand, dass Projektunterricht eine schülerzugewandte Art des Lernens und Lehrens ist. Ebenso ist klar geworden, dass eine gut geplante Projektarbeit im Vorfeld einen recht hohen Aufwand für den Lehrer darstellt, der dann jedoch während der Arbeitsphase sehr überschaubar wird. So bieten sich dem Lehrer viele Möglichkeiten, seine Schüler individuell zu unterstützen. Projektorientiertes Lernen im Fach Englisch ist eine sehr sinnvolle Abwechslung zum Schulalltag und mittlerweile Pflicht in vielen Schulcurricula.

Tim Heidemann

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