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Spiele

Kompetenz und Kreativität durch spielerische Geografie

Kein Bock auf Geo? Wenn den Schülern die Motivation fehlt, hilft oft der Griff in die Methodenkiste. Daraus sollte der Lehrer ein Spiel hervorzaubern, das auf abwechslungsreiche Weise Fachwissen vermittelt und die Schüler zu selbstständiger Arbeit animiert.

Spiele: Kompetenz und Kreativität durch spielerische Geografie Eine gute Spielidee vorausgesetzt, dann lässt sich mit einem Globus spielend auf Reisen gehen © contrastwerkstatt - Fotolia.com

Morgens halb zehn irgendwo in Deutschland. Geografiestunde in der 8a: Atlanten liegen geöffnet auf den Tischen, die Schüler sind über ihre Arbeitsblätter gebeugt, tragen Städte und Ländernamen in stumme Karten und lernen — scheinbar. Doch tatsächlich träumt Max von Josephine, Pascal zerlegt sein Pausenbrot unter der Bank, Lisa interessiert sich für die geheime Nachricht von Kerem und Kevin mault: „Kein Bock auf Geo.“

Kommt Ihnen das bekannt vor? Dann sollten Sie überliegen, mit Ihrer Klasse im Geografieunterricht einmal zu spielen. Spiele können nicht nur die Motivation fördern, sie schaffen auch Konzentration und Disziplin. Ganz abgesehen von mehr Interesse und mehr Freude am Tun.

Das Spiel gehört in die Methodenkiste jeder Lehrkraft

Schüler spielen gern, weil es Spaß macht und für Abwechslung sorgt. Sie schätzen den Spiel-Raum für Selbstständigkeit und Kreativität.
Geografielehrer spielen gern, weil sich diese Methode zum einen positiv auf das Interesse der Schüler, ihre Konzentrationsbereitschaft, die Disziplin im Klassenzimmer und letztendlich auch auf die Beziehung zwischen Lehrkraft und Klasse auswirkt. Zum anderen bieten Spiele Möglichkeiten, um die Kompetenzbereiche des Faches Geografie und die Sozialkompeten-zen der Schüler zu fördern.

Mit spielerischen Arbeitsmethoden (siehe Verlinkung unten: Arbeitsmethoden, Spielideen), wie z. B. dem „Mini-Mystery“ oder dem „Paketdienst“, wird geografisches Fachwissen vermittelt und das Versprachlichen von geografischen Inhalten eingefordert; räumliche Orientierung und Methodenkompetenz können beispielsweise über Atlas- und Kartenspiele (siehe Verlinkung unten: Atlas- und Kartenspiele) trainiert werden. Rollenspiele und spielerische Stimmungsbilder (siehe Verlinkung unten: Stimmungsbilder, Meinungsaustausch, Spielideen), wie die „Meinungslinie“, die „Daumenprobe“ oder das „Wetterkarten-Feedback“, fördern die Bewertungs-, Beurteilungs- und letztendlich auch die Handlungskompetenz unserer Schüler.  

Spielerische Methoden passen in jede Unterrichtsphase

Der Einsatz von spielerischen Methoden im Geografieunterricht ist in jeder Unterrichtsphase denkbar. Spielerische Einstiege (siehe Verlinkung unten: Einstiege, Spielideen), wie die „Mini-Fantasiereise“ oder das „Bilderbuffet“, führen schnell zu zentralen Aspekten des Stundenthemas. Die Schüler aktivieren ihr Vorwissen, wenn sie z. B. ein „Brainstorming auf Zuruf“ im Klassenverband anfertigen oder kreative „Schatzkisten“ als vorbereitende Hausaufgabe erstellen. Spiele besitzen meist einen hohen Grad an Handlungsorientierung und erlauben unseren Schülern einen handelnden Umgang mit neuen Stoffgebieten, was sich besonders motivierend auswirkt. So wird schon zu Beginn einer Unterrichtssequenz Interesse, Neugier und somit auch Motivation für die folgende Erarbeitungsphase erzeugt.

In Erarbeitungsphasen (siehe Verlinkung unten: Arbeitsmethoden, Spielideen) genauso wie in Sicherungs-, Übungs- und Wiederholungsphasen (siehe Verlinkung unten:  Sichern, Wieder-holen, Üben, Spielideen) lassen sich verschiedene spielerische Arbeitsmethoden einsetzen — mit Vergnügen!

Besonders für Vertretungsstunden eignen sich Karten- und Atlasspiele (siehe Verlinkung un-ten: Atlas- und Kartenspiele, Spielideen), die gleichzeitig die fachspezifische Methodenkompetenz der Schülerinnen und Schüler im Umgang mit diesen geografischen Medien trainieren.

Des Weiteren bietet sich der Einsatz von Spielen — Energizern, Bewegungs- und Spaßspielen (siehe Verlinkung unten: Bewegungs- und Spaßspiele, Spielideen) — zur Konzentrationsförde-rung an. Dies kann gezielt am Stundenbeginn, vor einer Prüfungssituation oder als Auflockerung einer längeren Arbeitsphase geschehen.

Das richtige Spiel für jedes Thema

Spielen im Unterricht muss genauso sorgfältig vorbereitet und geplant werden, wie jede andere Methode auch. Dabei kann nach folgenden Schritten vorgegangen werden:
Zuerst ist die Auswahl des Spieles entscheidend. Bestimmte geografische Themengebiete lassen sich besonders gut spielerisch umsetzen. Bipolare Inhalte z. B. bieten die Möglichkeit für den Einsatz von Stimmungsbildern und Spielen zum Meinungsaustausch (siehe Verlinkung unten:  Stimmungsbilder, Meinungsaustausch, Spielideen). Als Einstieg in länderkundliche Themen eignet sich die „Schatzkiste“ (siehe Verlinkung unten:  Einstiege, Spielideen).

Plan- und Rollenspiele sind typische Spielformen im Geografieunterricht, die komplexe Inhalte und Entscheidungsprozesse verdeutlichen. Hier bieten sich z. B. Stadtratssitzungen zur Flächennutzung, nachhaltigen Städteplanung oder Standortentscheidungen an.

Erkundungsspiele und Rallyes sind weitere Spielformen, die sich gut im Geografieunterricht verwirklichen lassen. Exkursionen eignen sich als Gelegenheit dafür bestens. Aber auch eine, in Planung und Durchführung vergleichsweise wenig aufwendige, Schulhausrallye mit Einsatz des Gebäudeplans fördert die räumliche Orientierung und die Kartenkompetenz.

Ein Tipp: Legen Sie ein ständig wachsendes Spieleverzeichnis an und ordnen Sie diesem  Kompetenzen, Themengebiete und Inhalte zu. Notieren Sie den Zeitaufwand, Jahrgangsstufe und Schwierigkeitsgrad eines jeden Spiels.

Spiele mit mehr oder weniger Vorbereitung

Die Durchführung von Spielen, die kaum Vorbereitung und Material benötigen, ist im Geografieunterricht oftmals möglich. Die Lehrkraft kann — mit etwas Erfahrung — diese Spiele sehr spontan und flexibel einsetzen. Bewegungs- und Spaßspiele, wie z. B. das „Unwetterspiel“ oder „Erdbeben“, können Fünftklässler nach einer anstrengenden Arbeitsphase wieder zu mehr Konzentration verhelfen. Wenn dann das Thema des Spiels auch noch zum Unterrichtsinhalt passt, umso besser!

Meistens ist es notwendig, dass die Lehrkraft im Vorfeld Atlanten, Karten oder Arbeitsblätter bereitstellt. Eine gewisse Ritualisierung kann hier hilfreich sein: Wenn beispielsweise in regelmäßigen Abständen Spielstunden mit dem Atlas (siehe Verlinkung unten: Atlas- und Kartenspiele) stattfinden, dann werden die Schülerinnen und Schüler bald selbst dafür sorgen, dass dieser bereitliegt.

Noch ein Tipp: Beziehen Sie Ihre Klasse in die Vorbereitung — soweit sinnvoll — ein. Zum Beispiel können Mystery-Kärtchen durchaus auch von den Schülern geschnitten werden. Für diese ist es eine willkommene Abwechslung, jüngere Kinder trainieren dabei Feinmotorik und saubere Arbeitsweise, die Lehrkraft wird entlastet und schließlich ist sichergestellt, dass keines der Kärtchen vorher verloren geht.

Durchführung und Auswertung des Spiels

Die Grundsätze für den Einsatz von Spielen im Geografieunterricht unterscheiden sich nicht vom Einsatz in anderen Fächern. Je öfter spielerische Methoden eingesetzt werden, desto kreativer werden die Schüler und auch der Lehrer. Besonders Spiele mit Karte und Atlas lassen Abwandlungen zu oder animieren zum eigenen Entwerfen von Spielen. Aber auch Klassiker wie „Tabu“ oder „Wer wird Millionär?“ können selbst erstellt werden.

Jedem Spiel sollte eine Reflexion folgen. Je nachdem, wie (zeit-)aufwendig dieses war, kann es sich dabei nur um eine kurze „Daumenprobe“ (siehe Verlinkung unten:  Stimmungsbilder, Meinungsaustausch, Spielideen), ein fragengeleitetes Gespräch oder um ein ausführliches Feedback (eventuell durch einen oder mehrere Beobachter) handeln. Dabei bietet sich eine gute Gelegenheit, nach spielerischen Arbeitsphasen (siehe Verlinkung unten: Arbeitsmethoden, Spielideen) auch den Inhalt des Spiels nochmals aufzunehmen und den Einsatz geografischer Fachsprache einzufordern.

Die Lehrerin betritt das Klassenzimmer der 8a. Noch während sie auf dem Weg zum Pult ist, fragen Kerem und Kevin: „Was machen wir heute? Spielen wir wieder?“

Sandra Müller-Hoffmann

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