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Lernspiele für mehr Mathe-Spaß in der Sekundarstufe

Spaß an Mathematik — das ist es, was Schüler häufig vermissen. Lernspiele bringen diesen Spaß zurück und motivieren gleichzeitig zu nachhaltigem Üben und Lernen. Ein paar Spielideen verknüpft mit passenden Aufgaben — schon hat man geeignetes Spielmaterial.

Spiele: Lernspiele für mehr Mathe-Spaß in der Sekundarstufe Wer Mathe-Bingo mit seiner Klasse spielt, hat den Spaß im Unterricht auf seiner Seite ©Elaine Barker - Fotolia.com

„Das gesuchte Wort ist LEBERWURST!“, tönt es durch den Raum der 8b. Als der Moderator das Lösungswort bestätigt, springen einige Schüler vor Freude auf und geben sich gegenseitig Highfives. Sie haben noch nicht mitbekommen, dass die Pause eigentlich schon vor einigen Minuten begonnen hat. Intensiv spielen sie seit einer Stunde in Kleingruppen eine Matheversion von „Galgenraten“, ohne dass sich auch nur einmal ein Gefühl angestrengten Übens oder Langeweile im Raum verbreitet hätte. Die Übungsstunde zum Ausmultiplizieren und Ausklammern macht ihnen so viel Spaß, dass die Schüler mich fragen, ob sie in der nächsten Stunde weiterspielen können. Ich bejahe die Frage, denn ich bin überzeugt: Die 8b hat heute viel gelernt!

Lernspiele können den Mathematikunterricht beleben und bei Schülern die Voraussetzungen zum motivierten Lernen schaffen. Doch die Vorbehalte gegen das Spielen im Unterricht sind groß. Es sei zwar eine nette methodische Abwechslung, wird argumentiert, diene jedoch eher der Unterhaltung als dem Lernen. Von konzentrierter Arbeitsatmosphäre könne man auch nicht sprechen, da der Lärmpegel während des Spielens deutlich höher sei als in herkömmlichen Arbeitsphasen. Und zu guter Letzt sei der Vorbereitungsaufwand sehr hoch und mache es schwierig, Spiele in den Unterrichtsalltag zu integrieren.

Einfache Spielregeln festlegen und klare Anweisungen geben

In Teilen sind diese Einwände sicherlich berechtigt, denn so ruhig wie in Stillarbeitsphasen geht es beim Spielen tatsächlich nicht zu. Auch der Vorbereitungsaufwand kann für jemanden, der zum ersten Mal das Spielen als Methode im Unterricht erprobt, höher sein, als für einen spielerfahrenen Lehrer.

Was macht also ein gutes Lernspiel aus? Es erfüllt unter anderem die folgenden Bedingungen:

  1. Die Spielidee ist motivierend.
  2. Die Spielregeln sind möglichst einfach, verständlich und stimmig. Schriftliche Spielanleitungen sind schülergerecht formuliert und enthalten klare Handlungsanweisungen.
  3. Das Spiel ist so gestaltet, dass tatsächlich das geübt wird, was man zu üben beabsichtigt. Passen Spielidee, Lerninhalt und Spielregeln nicht gut zusammen, kann sich der Fokus schnell vom Lernen auf den Spielablauf verlagern und letztlich in bloßer Spielerei münden.
  4. Der Schwierigkeitsgrad der Aufgaben im Spiel ist dem Lernniveau der Gruppe angemessen. Er entscheidet maßgeblich darüber, ob das Spiel flüssig oder stockend verläuft.
  5. Alle Spieler haben ausgewogene Gewinnchancen. Lernspiele, bei denen neben mathematischem Können auch eine Portion Glück erforderlich ist, gewährleisten dies in der Regel.
  6. Falls Spielmaterialien vorhanden sind, müssen diese ansprechend gestaltet und illustriert sein.

Den geeigneten Rahmen zum Spielen und Lernen finden

Einen geeigneten Rahmen für die Einbindung von Spielen in den Mathematikunterricht liefern uns mathematische Inhalte, die ein hohes Maß an algorithmischen Fertigkeiten erfordern und wenig Alltagsbezüge aufweisen, die zum Üben motivieren. Das trifft auf die Gebiete Zahlbereichserweite-rungen und Zahldarstellungen in der Sekundarstufe I (z. B. Brüche, negative Zahlen, Prozente, Wurzeln) ebenso zu wie auf Algebra (z. B. Terme, lineare und quadratische Gleichungen, binomische Formeln, lineare Gleichungssysteme, Potenz- und Logarithmusgesetze) und Funktionen (z. B. Graphen linearer/quadratischer Funktionen, Eigenschaften).

Bei all diesen Themengebieten lassen sich Lernspiele sehr gut z. B. in die Übungsphasen integrieren. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese am Anfang oder Ende einer Unterrichtsreihe stehen. Entscheidend ist vielmehr, in welcher Form geübt werden soll. So eignen sich für das Spielen insbesondere Übungsphasen, die dem Einschleifen von Routinen, dem Wiederholen oder dem Konsolidieren dienen.

Wartezeiten vermeiden und den Spielerfolg kontrollieren

Nachdem wir geeignete Übungsaufgaben gesichtet haben, können wir nach einer motivierenden Spielidee suchen, die sich gut mit den Aufgaben verknüpfen lässt. Besonders geeignet sind Spielideen, die durch einfache und verständliche Spielregeln realisiert werden können. Sie können auch bekannten Spielen wie „Galgenraten“, „Memory“, „Stadt-Land-Fluss“, „Mensch ärgere dich nicht“, „Bingo“ oder „Jeopardy“ entnommen werden. Das hat den Vorteil, dass die Spielidee in der Praxis funktioniert und die Spielregeln meist schon bekannt sind. Je nachdem, ob ein bekanntes Spiel mit der ganzen Klasse, mit einem Partner oder in Kleingruppen gespielt wird, empfiehlt es sich, die ausgewählten Übungsaufgaben und Spielabläufe noch einmal bezüglich der folgenden Aspekte zu begutachten und gegebenenfalls anzupassen:

  • Lange Wartezeiten durch zu schwere oder umfangreiche Aufgaben oder Spielregeln sollten vermieden werden.
  • Beim Spielen in Partner- oder Gruppenarbeit sollten Möglichkeiten für eine quantitative oder qualitative Differenzierung gegeben sein. Dies ist wichtig, damit alle Spielgruppen die Chance haben, das Spiel erfolgreich zu spielen und zu beenden.
  • Ebenso sollten beim Spielen in Partner- oder Gruppenarbeit Kontrollergebnisse vorliegen und die Selbstkontrolle fest in den Spielablauf integriert sein. Andernfalls besteht die Gefahr, dass Schüler mathematische Fehlkonzepte verinnerlichen, die später nur mühsam wieder abtrainiert werden können.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass eine quantitative Differenzierung meist ohne großen Aufwand realisiert werden kann. Durch eine Reduktion der Aufgabenmenge, der Anzahl zu spielender Runden oder durch kleine Regeländerungen können Spiele schnell leichter gemacht werden. Eine qualitative Differenzierung hingegen ist häufig nur mit etwas mehr Aufwand realisierbar, falls die vorhandenen Übungsmaterialien nicht schon in verschiedenen Niveaustufen vorliegen.

Spielmaterial mit geringem Aufwand selbst herstellen

Zu guter Letzt müssen wir noch die Frage beantworten, inwiefern wir für unser Spiel Spielmaterialien in Form von Spielplänen, -karten oder -zubehör benötigen oder sogar herstellen müssen. Auch hier zeigt die Erfahrung, dass man häufig kein besonderes Spielmaterial benötigt. Wer mit seiner Klasse beispielweise „Mathe-Bingo“, „Stadt-Land-Fluss“ oder „Galgenraten“ spielen möchte, braucht nur seine Übungsaufgaben und kann die Schüler selbst ein Bingo-Feld, eine Stadt-Land-Fluss-Tabelle etc. zeichnen lassen. Mit ähnlich geringem Aufwand lassen sich Spiele wie „Galgenraten“, „Stille Post“ oder Team-Duelle vorbereiten.

Anders verhält es sich, wenn Sie Lege-, Karten- oder Brettspiele entwerfen möchten. Hierfür benötigen Sie zumindest Blanko-Vorlagen, die Sie den mathematischen Inhalten entsprechend immer wieder anpassen müssen.

Wer sich zunächst einen Überblick über die verschiedenen Spielearten verschaffen möchte, bevor er mit der eigenen Spieleentwicklung loslegt, informiere sich gern auf der Internetseite der „Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet e.V“. Hier gibt es eine breite Auswahl an Spielideen, sortiert nach Vorbereitungsaufwand, didaktischer Funktion, So-zialform und Zeitaufwand.

Mit zunehmender Routine wird das Spielen effektiver

Hat man bezüglich der Spieleentwicklung erst einmal die erste Hürde genommen und eine Handvoll Spiele entwickelt und erprobt, kann man seine Favoriten immer wieder für neue Themen verwenden und die Spiele ohne großen Aufwand anpassen.

Durch die wiederholte Verwendung einer Spielidee entwickeln die Schüler zudem mit der Zeit Spielroutine, sodass die vorgesehene Übungszeit zunehmend effektiver genutzt werden kann. Ebenso verhält es sich mit der Einhaltung der Spielregeln. So wie wir auch im herkömmlichen Unterricht auf die Einhaltung der Kommunikationsregeln achten und damit langfristig eine konzentrierte ArBbeitshaltung sichern, so gelingt uns dies auch, wenn wir die Einhaltung der Spielregeln regelmäßig trainieren. Letzten Endes spielt es keine Rolle, welche Methode wir in unserem Unterricht etablieren wollen. Ist die erste Hürde genommen und die Methode den Schülern bekannt, verlagert sich der Fokus automatisch auf den Inhalt. Der positive Nebeneffekt, der sich beim Spielen einstellt, ist eben der Spaß und die Motivation, sich auch mit vermeintlich „langweiligen“ mathematischen Themen zu beschäftigen.

Stefanie Schmidt

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