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Kompetenzorientierter Unterricht

Die zehn goldenen Regeln für einen guten Religionsunterricht

Religion betrifft den ganzen Menschen. Deshalb sollte ein kompetenzorientierter Religionsunterricht neben der Wissensvermittlung Raum für religiöse Erfahrungen geben. Zehn goldene Regeln helfen bei der Planung.

Kompetenzorientierter Unterricht: Die zehn goldenen Regeln für einen guten Religionsunterricht Schüler lassen ihre selbst geschriebenen Gebete, Wünsche und Fragen an Gott in den Himmel fliegen. © Ruth Hildebrand-Mallitsch

Religionsunterricht, der Schüler begeistert, der religiöse Inhalte mit ihrem Leben verbindet, der erlebbar ist, der bewegt, setzt eine hohe Planungskompetenz voraus. Wie Lehrer ihren Unterricht planen, welche Inhalte sie auswählen, wie sie diese didaktisch reduzieren, welche Methoden und Medien sie einsetzen, hängt stets davon ab, was sie selbst für wichtig erachten, über welche Kompetenzen sie verfügen, aus welchen Schülern ihre Lerngruppe besteht, aber vor allem: auf welcher Lernausgangslage sie aufbauen können, über welche Kompetenzen ihre Schüler bereits verfügen.

Der Begriff Kompetenz spielt eine zunehmend wichtige Rolle. In einem kompetenzorientierten Religionsunterricht liegt der Focus auf den Fähigkeiten, Fertigkeiten, Einstellungen und Haltungen und dem dazugehörigen Wissen und Können, über das die Schüler am Ende einer Unterrichtseinheit verfügen sollten. „In einem am Erwerb von Kompetenzen orientierten Religionsunterricht geht es also darum, die Lernenden zu befähigen, die in dieser Welt vorhandenen religiösen Herausforderungen wahrzunehmen, ihre Bedeutung für das eigene Leben  zu identifizieren, sie ethisch zu qualifizieren und die fachspezifisch erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten zu nutzen, um der Herausforderung konstruktiv zu begegnen.“   (Dietmar Peter: Lernaufgaben. In: Loccumer. Pelikan3/09, S.135)

Lernraum für reale religiöse Erfahrungen bieten

Religion betrifft den ganzen Menschen und darf daher nicht einseitig auf die kognitive Dimension reduziert werden. Religion wird erst im Vollzug der religiösen Praxis wirklich und nimmt Bedeutung an. Daher muss der Religionsunterricht zu einem Lernraum werden, in dem junge Menschen reale religiöse Erfahrungen machen und sich mit diesen auseinandersetzen. So wird Religion wahrnehmbar, erlebbar, erfahrbar und religiöse Praxis kann probeweise vollzogen werden. Es wird ein Unterricht erreicht, in dem Schüler nicht vorwiegend von der Lehrperson lernen, sondern voneinander in Kooperation, Diskussion, im Austausch über die eigenen Gefühle, Gedanken, Erfahrungen, sodass das lebendige Unterrichtsgeschehen im Mittelpunkt steht.

Erkenntnisprozesse im Religionsunterricht sind viel mehr als reine Wissensprozesse. Es geht nicht mehr nur um ein Bescheidwissen über Religion, sondern um religiöses Orientierungswissen und die Erfahrung von Religion und Glaube. Das kann nur gelingen, wenn Lernprozesse schülerorientiert, lebensbedeutsam, sinnerfüllt, entdeckend und handlungsorientiert sind. Natürlich gibt es nicht den einen Königsweg zu gutem Religionsunterricht, aber im Folgenden lesen Sie zehn wichtige goldene Regeln, wie Religionsunterricht gelingen kann:

  1. Offen und tolerant: Versuchen Sie nicht zu missionieren, sondern machen Sie ein religiöses Angebot. Achten Sie darauf, dass Schüler respektvoll, empathisch und tolerant miteinander umgehen. Denken Sie an Ihre Vorbildfunktion.
  2. Lernstandsbezogen: Erheben Sie eine Lernausgangslage, um dementsprechend eine differenzierte Unterrichtsreihe zu planen. Nur so können Sie vorhandene Kompetenzen nutzen und auch weiterentwickeln.
  3. Hilfreich: Lassen Sie Ihre Schüler religiöse Sinnerfahrungen machen als Hilfe für ihre Lebensbewältigung und Orientierung in der Welt. Schüler sollten die Bedeutung von Nächstenliebe, Ehrlichkeit, Kompromissfähigkeit und Wertschätzung erfahren und lernen.
  4. Motivierend und erfahrungsöffnend: Stellen Sie herausfordernde Lernaufgaben so, dass Schüler motiviert werden, religiöse Erfahrungen zu machen. Der Religionsunterricht ist oft die einzige Kontaktzone zum christlichen Glauben, denn in vielen Familien spielt Religion keine Rolle mehr.
  5. Kommunikativ: Kommen Sie mit Ihren Schülern intensiv ins Gespräch über religiöse Inhalte und Phänomene. Kooperative Lernformen fördern die Kommunikation der Schüler untereinander.
  6. Lebensnah und aktuell: Wählen Sie lebensbedeutsame Lerninhalte und gestalten Sie die Aufgabenstellungen so, dass diese Ihre Schüler erreichen, betreffen, sensibilisieren und neugierig machen.
  7. Sinnstiftend: Erziehen Sie Ihre Schüler zu religionsmündigen Menschen. Erarbeiten Sie mit Schülern Lebenswissen, das ihnen hilft, achtsam, verantwortungsvoll, couragiert und tolerant durchs Leben zu gehen. Nehmen Sie Ihre Schüler ernst!
  8. Inklusiv: Nehmen Sie die Vielfalt Ihrer Schüler als Herausforderung und Chance wahr. Bieten Sie den Schülern unterschiedliche Zugänge auf verschiedenen Niveaus an. Nur so ermöglichen Sie vielen Schülern zielerreichendes Lernen.
  9. Theologisch: Machen Sie Religionsunterricht und keine Sozialkunde. Seien Sie mutig und arbeiten Sie mit biblischen Texten, sie bilden unsere Glaubensgrundlage. Theologisieren mit Schülern ist unglaublich spannend. Beziehen Sie selbst Stellung.
  10. Performativ: Inszenieren Sie Ihren handlungsorientierten Unterricht durch kooperative Lernformen und den Einsatz von Medien und Ritualen so, dass religiöse Bildung lebendig, fassbar und lebensbedeutsam wird. Schüler können dadurch Religion erfahren, erleben, durchdenken und sich anschließend individuell positionieren.

Ruth Hildebrand-Mallitsch

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