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Vorbereitungszeit

Hilfe, mein Fachleiter versteht mich nicht!

Das Referendariat ist für viele Lehramtsanwärter eine Ausnahmesituation, geprägt von (Prüfungs-)Stress, besonders wenn’s mit dem Fachleiter nicht so recht klappen will. Hier hilft ein kleines Überlebens-Kit.

Vorbereitungszeit: Hilfe, mein Fachleiter versteht mich nicht! Das Ref ist anstrengend. Besonders, wenn man sich falsch verstanden fühlt © dglimages - stock.adobe.com

„Ich habe die ganze Nacht durchgearbeitet, gut geplant, jede Menge Materialien beschafft und der Fachleiter ist mit meiner Unterrichtsstunde trotzdem nicht zufrieden.“ — Welcher Lehrer kennt diese Problematik nicht aus seiner Ausbildungszeit, während des Referendariats? Da hat man geackert, sich alles genau überlegt, eine gute Unterrichtsidee gehabt, gute Methoden angewendet und trotzdem war es mal wieder nicht richtig.

Es ist nicht so einfach, die Erwartungen des Ausbildungslehrers, die Vorstellungen des Fachleiters und die eigenen Lehrkompetenzen unter einen Hut zu bringen. Und dann ist da noch der Druck, gute Noten von der Schulleitung und dem Seminar zu bekommen. Dabei ist aller Anfang schwer und die täglichen Aufgaben sind mühevoll zu bewältigen. Angefangen damit, jeden einzelnen Schüler kennenzulernen, zu verstehen, konzentriert zuzuhören, bei Störungen angemessen zu reagieren, in deutlicher Sprache und angemessener Form zu unterrichten, viel Geduld und eine wertschätzende Haltung zu haben, die Mutlosen zu ermutigen, die Hyperaktiven zu bremsen und die methodischen Vorgaben des Fachleiters unterzubringen usw. usw. Nachdem zumeist theoretisch ausgerichteten Studium, ist das eine große Herausforderung und viele Referendare erleiden einen Praxisschock und fühlen sich nicht gut genug vorbereitet, auf den Schul- und Unterrichtsalltag.

Wenn die Chemie nicht stimmt, sachlich bleiben

Denn eigentlich sind sie ja noch selbst Lernende. Die Aufgabe des Fachleiter ist es, Sie darin zu unterstützen und Ihre Ressourcen zu stärken. Das beinhaltet auch, dass sie konstruktive Kritik üben, Alternativen aufzeigen und Optimierungen gemeinsam mit Ihnen entwickeln müssen. Sie sollen einem Referendar beratend zur Seite stehen und zu Problemlösungen beitragen. Doch was ist, wenn Sie das Gefühl haben, dass die Chemie mit dem Fachleiter nicht stimmt oder dieser Sie nur auf der rein persönlichen Ebene kritisiert? Dann heißt es, nicht den Mut zu verlieren und nur noch auf fachlicher bzw. sachlicher Ebene zu kommunizieren. Je genauer Sie Ihre Unterrichtsstunde selbst analysiert haben und sich in der Didaktik auskennen, desto mehr können Sie zu einem sachlichen Gespräch beitragen.

Leider ist das Referendariat eine Zeit der Abhängigkeit und das bedeutet, professionell zu reagieren und sich eventuell in irgendeiner Form zu arrangieren. Zudem ist es nach einem erfolgreich abgeschlossenen Studium auch nicht einfach, wieder kontrolliert und genau beobachtet zu werden.

Detaillierte Planung verschafft Sicherheit

Damit diese Zeit der Ausbildung jedoch nicht zur Qual wird, finden Sie hier einige Tipps, die Sie möglicherweise unterstützen können und Ihnen die Zeit des Referendariats erleichtern:

  • Erledigen Sie immer eins nach dem anderen und das in Ruhe.
  • Glauben Sie an sich und Ihre Ressourcen. Wichtig!
  • Lassen Sie sich von der Schulleitung nicht ausnutzen (z. B. für übermäßigen Vertretungsunterricht), seien Sie jedoch bereit, auch Sonderaufgaben zu übernehmen. Das könnte sich auf Ihre Note auswirken.
  • Versuchen Sie, sobald Sie eine Klasse übernehmen, ein gutes Schüler-Lehrer-Verhältnis aufzubauen. Ein Verhältnis, das geprägt ist durch Vertrauen, Wertschätzung und gegenseitigen Respekt. So verzeihen Ihnen die Schüler eher, wenn Sie mal einen schlechten Tag haben. Sie müssen sie nicht „bestechen“, wenn der Fachleiter kommt. (Z. B.: „Ihr bekommt ein Eis, wenn ihr euch beim Unterrichtsbesuch gut verhaltet und mitmacht.“)
  • Die Beziehung zu Ihrem Ausbildungslehrer/Ihrer Ausbildungslehrerin sollte ebenso respekt- und vertrauensvoll sein. Mit ihm/ihr an Ihrer Seite, können Sie sich sicher fühlen und gut unterstützt. Ist das nicht der Fall, versuchen Sie rechtzeitig, den Ausbildungslehrer zu wechseln.
  • Wenn es Ihnen guttut, dann bestehen Sie darauf, dass Ihr Ausbildungslehrer/Ausbildungslehrerin in den anschließenden Gesprächen nach dem Unterrichtsbesuch dabei ist.
  • Es lohnt sich, im Vorfeld die Akten der einzelnen Schüler zu studieren. So können Sie sich besser auf jeden einzelnen einlassen und gegebenenfalls etwas dazu sagen.
  • Legen Sie Ihren Perfektionismus ab. Greifen Sie auf bewährte Methoden zurück. Wenn den Schülern Ihre Methoden vertraut sind, fühlen diese sich während eines Unterrichtsbesuchs auch sicherer.
  • Gehen Sie gut strukturiert in die Unterrichtsbesuche/Lehrproben und bedenken Sie die effektive Lernzeit der Schüler. Mit anderen Worten, legen Sie — neben dem Stundenbild — zusätzlich einen Gesprächsleitfaden an, bei dem Sie sich Fragen an die Schüler vorher überlegen und die eventuellen Antworten antizipieren. Überlegen Sie sich, wie Sie bei unerwarteten Antworten reagieren können.
  • Planen Sie Ihren Unterricht nicht „auf den letzten Drücker“, sondern gehen Sie die Planung früh genug an. So haben Sie die Möglichkeit, die Ausarbeitung Ihrem Ausbildungslehrer rechtzeitig zum Lesen zu geben.
  • Materialschlachten sind keine Garantien für guten Unterricht und gute Ergebnisse.
  • Berücksichtigen Sie die Wirkungs- und Kompetenzorientierung in einer Unterrichtsstunde, d. h. gezielte Lernaufgaben, vielfältige Lernprodukte erstellen, individuelle Aufgabenstellungen, nötige Binnendifferenzierung …
  • Aktivieren Sie durch Klarheit in der Frage- und Impulstechnik vielfältige Sprechgelegenheiten und ein schülerorientiertes Arbeiten, dessen Ergebnis überprüfbar und der Lernzuwachs erkennbar ist.

Keine Angst vor Reflektionsgesprächen

Unterrichtsbesuche von Fachleiter/Fachleiterinnen sind für jede Referendarin/jeden Referendar eine Herausforderung und bedeuten Druck und Stress. Die anschließenden Reflektionsgespräche nach der Lehrprobe jedoch treiben manchem Referendar/mancher Referendarin die Schweißperlen auf die Stirn. Auch hierfür gibt es ein paar Tipps, um einen kühlen Kopf zu bewahren:

  • Holen Sie tief Luft und nehmen Sie die Aussage des Fachleiters ernst, selbst dann wenn die Chemie nicht stimmt.
  • Seien Sie ein aktiver Zuhörer und bleiben Sie immer auf der Sachebene.
  • Wenn Sie Zeit dazu hatten, dann machen Sie sich vor dem Unterrichtsbesuch Notizen zu Ihrer Stellungnahme zu der Unterrichtsstunde. Zum Beispiel: Warum Sie diese Methode für diese Lerngruppe gewählt haben. Warum Sie bei den Schülern unterschiedlich reagieren müssen. Weshalb Sie diese Differenzierungen vorgenommen haben. Und kurz danach, dass Sie Ihre Stunde gut gelungen fanden, vielleicht an manchen Stellen noch konstruktive Vorschläge brauchen könnten etc. Das gibt im Gespräch möglicherweise Sicherheit.
  • Stellen Sie eher Fragen, als dass Sie Vorwürfe machen bzw. in eine ungute Verteidigungshaltung rutschen, z. B.: Was glauben Sie, worauf ich aufbauen kann? Können Sie mir andere gute Beispiele nennen?
  • Sehen Sie die Kritik als Erweiterung Ihrer methodischen und didaktischen Kenntnisse an, auch wenn Sie die Anregungen nicht nachvollziehen können.
  • Überzeugen Sie sich selbst, dass die Kritik gut gemeint ist und Sie vielleicht etwas falsch verstanden haben.
  • Denken Sie daran, Sie können hier und jetzt Ihre Kritikfähigkeit üben. Schwierige Gespräche mit Eltern kommen mit Sicherheit in Ihrem Beruf auch noch auf Sie zu.
  • Fragen Sie den Fachleiter freundlich nach weiteren Alternativen. Sie wissen ja, dass jeder Lehrer — auch ein Fachleiter — einen anderen Stil hat.
  • Akzeptieren Sie andere Zugangsweisen, auch wenn Sie anderer Meinung sind.
  • Überzeugen Sie den Fachleiter im anschließenden Gespräch mit ihrem Fachwissen und Ihren methodischen Kenntnissen.
  • Sie haben das Recht, den Fachleiter, neben aller Kritik, auch nach Ihren sichtbaren Stärken zu fragen.
  • Diskutieren Sie nicht über unterschiedliche Ansichten. Dies bringt Sie nicht weiter. Seien Sie kompromissbreit, verlieren Sie jedoch Ihre Überzeugung nicht aus den Augen.
  • Lassen Sie sich erklären, was Sie schon gut können und worauf Sie aufbauen können.
  • Denken Sie darüber nach, (falls die Situation so war) was Sie in dem Gespräch verärgert hat: auf der Sachebene und auf der Beziehungsebene. Fragen Sie sich, was Sie am Ende tun können oder sprechen Sie mit dem Fachleiter darüber. Machen Sie sich während des Gespräches Notizen.
  • Wenn Sie jedoch keine Möglichkeit sehen, auf der sachlichen und fachlichen Ebene mit diesem Fachleiter ein weiterbringendes Gespräch zu führen, suchen Sie sich den Seminar- oder Fachleiter Ihres Vertrauens und sprechen Sie über einen möglichen Wechsel Ihres Beraters.
  • Denken Sie daran, dass die Zusammenarbeit mit diesem Kollegen zeitlich begrenzt ist.
  • Tauschen Sie sich mit anderen Lehramtsanwärtern über deren Erfahrungen aus. Vielleicht ergeben sich neue Lösungsansätze für Ihr Problem.

Die Zeit des Referendariats ist Ihre Ausbildungszeit, in der Sie jede mögliche Unterstützung und Anregung annehmen sollten. Ausbildungslehrer, Kollegen und Fachleiter können Ihnen in der Regel sowohl Tipps aufgrund eigener Erfahrungen als auch didaktisches und methodisches Wissen vermitteln. Fachleiter und Ausbildungslehrer wissen (meistens), wie man den Lehrstoff so aufbereitet, dass man ihn den Schülern zielgerecht vermitteln kann. Und wenn es nicht so gut läuft mit dem Fachleiter, dann sollte man erträgliche Dinge in Kauf nehmen, sich selbst vertrauen und sich selbstbewusst damit abfinden. Nach dem Motto: Zähne zusammenbeißen und durch. Ein totaler Konfrontationskurs raubt meist zu viel Energie, als dass man dadurch seine Situation verbessert.   

Sie haben allerdings auch die Möglichkeit, aktiv zu werden und einige Dinge selbst anzuregen. Fragen Sie nach, ob Sie bei verschiedenen Kollegen im Unterricht hospitieren können, wenn möglich in Ihrer Freistunde. Regen Sie im Seminar an, dass Sie sich mit anderen Referendaren gegenseitig besuchen und beraten können. Legen Sie vorher Schwerpunkte fest, auf die Ihre Kollegen achten sollen. So können Sie neue Ideen selbst erproben und gezielt an Entwicklungen arbeiten.

Wenn Sie einige dieser Anregungen verinnerlichen, können Sie auch schwierige Gespräche überstehen, auch wenn es sich zunächst anstrengend anhört. Denken Sie auch daran, dass Sie für genügend Ausgleich sorgen, zum Beispiel durch Sport, frische Luft und Entspannung. Diese Zeit sollten Sie sich bei allem Stress nehmen.

Der Lehrerberuf ist ein wundervoller Beruf, in dem man mit jungen Menschen arbeiten, ihnen Bildung und Werte vermitteln und sie in ihrer Entwicklung weiterbringen und fördern kann. Mit Freude, Struktur und Gelassenheit kann das Referendariat gut gelingen. Und jeder „kritische Hinweis“ ist auch eine Chance für Ihre Wirksamkeit als Lehrer/-in.

Angela Hentschel

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