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Offener Unterricht

So klappt das Lernen an Stationen

Lernen an Stationen erfordert eine minutiöse Planung und ist mit vielen Unwägbarkeiten verbunden: Welche Möglichkeiten gibt es für die Ergebnissicherung? Wie gewährleiste ich, dass die Schüler weder über- noch unterfordert sind? Die wichtigsten Tipps zur erfolgreichen Planung und Umsetzung dieser offenen Unterrichtsform.

Offener Unterricht: So klappt das Lernen an Stationen Vertiefung: Stationenlernen lässt sich an verschiedenen Stellen in eine Unterrichtseinheit einbauen © iStockphoto.com /monkeybusinessimages

Beim Stationenlernen arbeiten die Schüler eigenständig, kooperativ und aktiv mithilfe vorbereiteter Materialien, die an mehreren Stationen angeordnet sind. Mit dieser Form handlungsorientierten Unterrichts können äußerst positive Lerneffekte erzielt werden, da die Schüler mit allen Sinnen lernen, in unterschiedlichen Sozialformen und ihrem individuellen Lerntempo entsprechend arbeiten. Wie lässt sich diese komplexe Organisationsform im Unterricht erfolgreich planen und umsetzen? Selbstbestimmtes und kooperatives Lernen will geübt sein. Die Klasse muss deshalb in kleinen, gelenkten Schritten mit neuen, offenen Lernformen vertraut gemacht werden. Für eine sinnvolle Zusammenstellung der Stationen und Arbeitsgruppen ist es wichtig, die Schüler schon einige Zeit beobachtet zu haben und ihre Stärken und Schwächen zu kennen. So können der Lernstand einzelner Schüler und die Strukturen, Regeln und Rituale, die der Klasse bereits vertraut sind, in die Planung einbezogen werden. Man sollte mit einigen wenigen Stationen beginnen und den Parcours nach und nach erweitern.

 

Die Planung

Stationenlernen lässt sich an verschiedenen Stellen in eine Unterrichtseinheit einbauen, z.B. bei der Einführung in ein Thema zur Erarbeitung von Basiswissen oder in Vertiefungsphasen. Auch im fächerübergreifenden Unterricht kann der Einsatz eines Stationsbetriebs sinnvoll sein.
Der Zeitbedarf hängt von der Anzahl der Stationen ab, darüber hinaus von der Klassengröße, von der Methodenkompetenz der Schüler und vom organisatorischen Rahmen. Zwei Unterrichtsstunden sollten jedoch mindestens veranschlagt werden, um kontraproduktiven Zeitdruck zu vermeiden.
Zu Beginn der Stationenarbeit erhalten die Schüler Laufzettel als Orientierungshilfe: Darauf vermerken sie, welche Stationen bereits abgearbeitet sind, und haben dadurch jederzeit den Überblick über das verbleibende Pensum. Die Ergebnisse halten sie in einem Arbeitsjournal fest, d.h. in einem Arbeitstagebuch, das begleitend zum Arbeitsprozess erstellt wird.

Die Lernstationen, feste, klar ausgewiesene Orte mit Arbeitsaufträgen und -materialien, befinden sich z. B. in einem größeren Klassenzimmer, können aber auch auf mehrere Räume verteilt werden. Pflicht- und Wahlstationen ermöglichen es, Aufgabenstellungen in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden zu stellen und die Schüler nach ihrem individuellen Lerntempo vorgehen zu lassen. An Parallelstationen ist jeweils dasselbe Teillernziel mit unterschiedlichen Aktivitätsformen zu erreichen, sodass unterschiedliche Lerntypen berücksichtigt werden. Bei Bedarf stehen Servicestationen mit Hilfsmitteln zur Verfügung. An Kontrollstationen können die Schüler ihre Arbeitsergebnisse mit ausliegenden Materialien eigenständig abgleichen.

Die Arbeitsaufträge sind nicht allzu umfangreich, meist inhaltlich relativ unabhängig voneinander und ermöglichen den Lernenden den Zugang zum Thema durch vielfältige Lernwege, Methoden und Medien. Den Schülern steht in der Regel die Reihenfolge der Bearbeitung frei. Eine Sonderform des Stationenlernens ist die Lernstraße. Hier bauen die Aufgaben aufeinander auf und sind in einer festgelegten Abfolge zu durchlaufen.

Ein Thema ist für Stationenarbeit gut geeignet, „wenn es Raum für Erfahrungslernen bietet, wenn es über vielfältige Zugänge erschlossen werden kann, wenn es in eine größere Zahl von tendenziell unabhängigen Lernabschnitten unterteilt werden kann und wenn es allein mithilfe gegebener Informationen, Kenntnisse und Fähigkeiten (einschließlich des Materials an den Lernstationen) erarbeitet werden kann.“ (Quelle: Website Methodenpool der Uni Köln, Prof. Dr. Kersten Reich)

Die sechs Arbeitsphasen der Stationenarbeit

Nach der Planung und Konzeption (Phase 1) und der praktischen Vorbereitung inklusive Aufbau (Phase 2) beginnt die eigentliche Stationenarbeit mit einer Einführung (Phase 3): Die Lehrkraft führt die Lerngruppe an das Thema heran, erklärt, wie die bevorstehende Stationenarbeit funktioniert und erläutert die einzelnen Stationen, Lernziele und Arbeitsregeln.

Während der Durchführung (Phase 4) bearbeiten die Schüler die Stationen. Im einfachsten Fall ist in einer vorgegebenen Zeit eine gewisse Anzahl von Stationen in beliebiger Reihenfolge zu absolvieren. Durchlaufen die Lernenden die Stationen gruppenweise, bietet sich ein Rotationsverfahren mit Wechsel nach einer festgelegten Bearbeitungszeit an. Die Arbeitsaufträge der einzelnen Stationen sollten dann annähernd gleich viel Zeit beanspruchen.

Die Ergebniskontrolle und Präsentation (Phase 5) erfolgt meist schon am Ende jedes Arbeitsauftrags (Eintrag in das Arbeitsjournal, Bearbeiten von Fragen in Einzelarbeit, Partner-Korrektur, gegenseitiges Abfragen etc.) oder auch bei der Nachbesprechung im Plenum (Präsentation, Unterrichtsgespräch etc.).

Bei der anschließenden Auswertung (Phase 6) reflektieren Lehrer und Schüler gemeinsam die relevanten Fragen, z. B.: Wie ist es Lernenden und Lehrenden ergangen? Hat die Arbeit Spaß gemacht? Sind die Lernziele erreicht worden? Was ist gut gelungen, was war schwierig? Entspricht die Qualität der Ergebnisse dem erwarteten Niveau? Was sollte anders laufen und wie? Detaillierte Informationen zur Planung und zu den einzelnen Phasen bietet der Methodenpool der Uni Köln.

Das Rollenverständnis von Lernenden und Lehrenden

Anders als beim lehrerzentrierten Frontalunterricht arbeiten die Schüler bei der Stationenarbeit selbstbestimmt und steuern ihren Lernprozess eigenverantwortlich. Im Idealfall sind sie schon bei der Planung und Vorbereitung eingebunden und suchen sich bei der Durchführung ihren eigenen Weg durch den Stoff, indem sie aus einem vielfältigen Angebot von Lernsituationen die für sie Interessantesten auswählen. Die Lehrkraft tritt in den Hintergrund, sie begleitet und berät die Schüler, steuert gruppendynamische Prozesse, fördert schwächere Schüler oder unterstützt die besseren bei besonderen Leistungen.

Das Für und Wider von Stationenarbeit

Die Vorteile von Stationenarbeit liegen auf der Hand: Lerntypengerechtes und selbst gesteuertes Lernen mit allen Sinnen steigert die Eigenmotivation der Schüler. Lerngruppen und Partnerarbeit fördern soziale Kompetenzen: Die Schüler lernen, konstruktiv Kritik zu üben und Konflikte zu bewältigen, sich gegenseitig zu unterstützen und im Team nach Lösungen zu suchen. Sie entwickeln Lernstrategien und erproben unterschiedliche Methoden, Techniken und Fähigkeiten. Je nach Arbeitstempo, Leistungsstand und Lerntyp bearbeiten die Einzelnen auf sie zugeschnittene Aufgaben. Das gewährleistet eine optimale Binnendifferenzierung.

Einwände gegen das Stationenlernen richten sich in erster Linie gegen den immensen Kraft- und Zeitaufwand bei Planung und Durchführung. Auf einen Schlag sind Materialien für mehrere Unterrichtsstunden vorzubereiten, Auf- und Abbau kosten viel Zeit, die erforderlichen sozialen und methodischen Kompetenzen sollten in der Klasse bereits im Vorfeld geschult werden.

Den Vorbereitungsaufwand minimieren

Eine Möglichkeit, um den Arbeitsaufwand zu reduzieren, besteht darin, Kollegen für das Stationsprojekt zu gewinnen: So verteilt sich die Materialbeschaffung und -erstellung auf mehrere Schultern. Darüber hinaus wird fächerübergreifendes Lernen möglich und die Schüler profitieren in jedem Fall davon, wenn mehrere Lehrer ihren Lernprozess begleiten. Deshalb ist es hilfreich, gleich zu Beginn des Halbjahres zu überlegen, welches Thema zur Stationenarbeit herangezogen werden kann, um anschlißend in Ruhe Ideen und Materialien zu sammeln.

Martina Niekrawietz

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