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Lehrer-Tipps

So respektieren Ihre Schüler/-innen Sie

Respekt, den Schüler/-innen den Lehrkräften gegenüber nicht immer entgegenbringen, ist ein ständiges Thema in der Schule. Regeln und konsequentes Verhalten helfen dabei, sich als Lehr- und Respektsperson zu positionieren.

Lehrer-Tipps: So respektieren Ihre Schüler/-innen Sie Es ist gar nicht so einfach, nicht in Wut zu geraten, wenn Schüler/-innen sich respektlos verhalten © darkbird - stock.adobe.com

Das sollte ein Lehrer auf keinen Fall tun, zum Beispiel Schüler/-innen bloßstellen. Der Autor des Beitrags „Aaaahhhhhhhh!“ in der SPIEGEL-Rubrik „Anonymes Lehrergeständnis“ tut aber genau das, wenn gar nichts anderes mehr hilft. Er weiß, dass renitente Schüler/-innen oft eine „verwundbare Stelle“ haben: „ihre Coolness“, und dafür opferten sie „fast alles, manchmal sogar ihren Abschluss“. Das will er nicht zulassen und deshalb bringt er so manchen „männlichen Querulanten“ schon mal zur Raison, indem er sein Handy zückt mit den Worten: „Ich muss leider deine Mama anrufen, wenn du nicht brav bist.“ – Nichts sei peinlicher für die Provokateure, der Anruf erübrige „sich danach meist“.

Mit den Jahren entwickelte der Autor des Lehrergeständnisses, ein 39-jährige Lehrer an einer Hamburger Schule, seine ganz eigenen Methoden, um bei den Schülerinnen/Schülern den nötigen Respekt zu erlangen. Deshalb lohnt es sich unbedingt, sich im Kollegium über Ideen auszutauschen oder sich bei gegenseitigen Hospitationen das ein‘ oder andere „abzuschauen“. Und auch mit den bewährten Praxistipps in diesem Beitrag verbessern Sie Ihr Standing bei den Schülerinnen/Schülern.

Am Anfang besser die Zügel anziehen

„Nett sein bringt nichts“ – diese Erfahrung machte die bekannte Lehrerbloggerin Frau Freitag gleich in den ersten Wochen ihres Referendariats. Da probierte sie es noch mit Nettigkeit, doch die Kontrolle über die Klasse entglitt ihr mehr und mehr. Nach außen gab sie sich noch ruhig, doch innerlich „kochte“ sie und eines Tages platzte ihr der Kragen. Das war der Beginn ihrer „Schreiphase“, nach der sie damit begann, sich und ihre Regeln durchzusetzen.

Sagt eine Lehrkraft zu ihren Schülerinnen/Schülern, „Seid doch bitte mal kurz ruhig“, hat sie „schon verloren“, meint Frau Freitag. Klare Ansagen sind geboten, ohne Relativierungen durch „mal kurz“ oder Konjunktiv („würdet ihr ...“), damit die Schüler/innen den Lehrer/die Lehrerin ernst nehmen. Doch wie macht man das? 

Den richtigen Ton treffen will geübt sein, genauso wie die Formulierungen, mit denen Sie etwas einfordern. Dabei hilft es, sich in der Lehrerrolle selbst zu beobachten und zu reflektieren: Welche Sätze sind eher kontraproduktiv? Entkräfte ich eine Anweisung dadurch, dass sie wie eine Entschuldigung klingt? Oder auch ganz grundsätzlich: Warum fällt es mir überhaupt schwer, eine klare Ansage zu machen und den Schülerinnen/Schülern eine Verhaltensänderung abzufordern? 

Inakzeptables Verhalten sofort abstellen

Wie auch die Geschichte von Frau Freitag zeigt, brauchen Kinder und Jugendliche Grenzen, und wer sie als Lehrkraft nicht setzt, verliert an Respekt. Besonders bei neuen Lehrern/Lehrinnen testen die Kids meist erst einmal aus, wie weit sie gehen können. Wichtig ist es dann, schnell und angemessen zu reagieren und zu zeigen, dass man der Chef/die Chefin im Ring ist. 

Damit das klappt, sollten Sie sich bereits im Vorfeld „munitionieren“. In einer ruhigen Stunde könnten Sie zunächst überlegen, wo Ihre Grenzen sind: Welche Regeln sollten in Ihrem Unterricht und im Umgang mit Ihnen eingehalten werden? Und was passiert, wenn sie übertreten werden? Das sollten Sie festlegen und den Schülerinnen/Schülern kommunizieren, denn: „Nur wenn Ihren Schülern die Regeln klar sind, können sie auch eingehalten werden“, betont der Autor des lesenswerten Beitrags „Als Lehrkraft Respekt erlangen“ auf der Website Info-Beihilfe.de.

Natürlich ist es dann auch wichtig, bei Regelverstößen konsequent zu handeln, getreu Frau Freitags Motto in ihrem oben verlinkten Artikel: „Wenn du etwas androhst, dann musst du das auch durchsetzen!“ 

Mit Training und Tricks zur Respektperson

Respektiert werden und unsicher sein – das schließt sich meist aus. Und ob jemand selbstbewusst und souverän ist, erkennt man sekundenschnell an der Körperhaltung, der Stimme und der Sprache. Doch einen „respektablen Auftritt“ kann man sich nach der Devise „fake it until you make it!“ auch einfach antrainieren: lauter zu sprechen, Aussagen und klare Handlungsanforderungen formulieren, fragenden Tonfall am Satzende vermeiden, Sätze grundsätzlich beenden und dabei nicht leiser werden, nicht den Blick senken u. v. m.

Der Autor des eingangs verlinkten Lehrergeständnisses hat sich zudem „einen Psycho-Blick“ angeeignet, „bei dem rebellierende Schüler sich fragen, ob gleich einer dieser berüchtigten Ausraster kommt“. Außerdem hat er „dafür gesorgt“, dass an der Schule „ein paar Geschichten“ über ihn „kursieren“: Welcher Schüler/welche Schülerin will es sich schon mit einem Lehrer verderben, mit dem man „einen ganzen Sonntag“ lang das Klassenzimmer streichen muss, nur weil man einen „20 Jahre alten Tisch bekritzelt“ hat? 

Die Schüler/-innen respektieren

Grundvoraussetzung dafür, dass die Schüler/-innen eine Lehrkraft respektieren ist, sie ebenfalls zu respektieren. Woran Ihre Schüler/-innen merken, dass Sie ihnen Achtung und Wertschätzung entgegenbringen, bringt der oben verlinkte Artikel auf der Seite „info-beihilfe“ auf den Punkt: geduldig sein, gute Umgangsformen vorleben, „ehrliches Interesse“ an den Schülerinnen/Schülern zeigen, „möglichst gerecht (...) bleiben“, auch bei Schülerinnen/Schülern, wo das nicht so leicht fällt, den Schülerinnen/Schülern auch „eine zweite, dritte und vierte Chance“ einräumen und „einen abwechslungsreichen Unterricht gestalten“ – damit bauen Sie eine tragfähige Beziehung auf. Und die hält dann auch, wenn Sie sich bei den Schülerinnen/Schülern konsequent durchsetzen.

Martina Niekrawietz

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