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Effektives Zeitmanagement

Tipps für eine flexible und effektive Unterrichtsplanung

Plötzlich Vollzeitlehrer — das bringt viele Junglehrer an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Eine detaillierte Unterrichtsplanung bleibt da auf der Strecke. Mut zur Lücke ist gefragt und eine realistische, praxistaugliche Vorbereitung, die auch Unvorhergesehenes im Blick hat.

Effektives Zeitmanagement: Tipps für eine flexible und effektive Unterrichtsplanung Damit Dinge nicht unerledigt bleiben, ist ein gutes Zeitmanagement nötig © thingamajiggs - Fotolia.com

Dass zwischen geplantem Unterricht und tatsächlicher Stunde oft ein himmelweiter Unterschied besteht, erleben Junglehrer von Referendarsbeinen an. Im ersten Jahr als volle Lehrkraft geht dann die Schere zwischen Anspruch und Wirklichkeit noch viel weiter auseinander. Eine junge Lehrerin schildert ihre Erfahrungen im ersten Berufsjahr in einem Lehrerforum des VBE folgendermaßen: Während des Referendariats wurde ihr „zwei Jahre fast ‚gehirnwäschenartig‘ eingetrichtert, wie die perfekte Stunde aussehen soll“ mit „Methodenvielfalt, Binnendifferenzierung, Motivation“ und hohem erkennbarem Lernzuwachs. Doch jetzt mit 26 Wochenstunden bekomme sie es einfach nicht mehr hin. Manchmal würde sie zu früh fertig, manchmal zu spät, mal sei es für die Schüler zu schwer, mal zu leicht und für individualisierende Maßnahmen fehle entweder die Zeit oder Methoden und Ideen ließen sich „mit Lerngruppe xy“ nicht umsetzen.

Der Schulalltag eines Junglehrers ist hektisch und viel Neues und Unvorhergesehenes strömt auf ihn ein. Auch im Unterricht läuft nicht alles immer so glatt, wie man es sich wünschen würde. Doch mit ein wenig Flexibilität lässt sich so manches abfangen. Im Folgenden einige Tipps dazu.

Unterrichtszeit und Schulstunde sind nicht das Gleiche

Diese Frage sollte nach Auffassung von Seminarschulrat Christoph Kunz am Anfang einer effektiven und realistischen Unterrichtsplanung stehen, um den „häufigsten Fehler von Berufsanfängern“ zu vermeiden: „eine Unterrichtsplanung, die von einer vollen Unterrichtszeit von 45 Minuten ausgeht“ (S. 2). In der Regel dauere es schon, bis sich die Klasse zur Begrüßung versammelt hat, und auch die Klärung organisatorischer oder pädagogischer Fragen oder die Besprechung der Hausaufgaben nehme meist mehr Zeit in Anspruch als vorgesehen. Läuft die zeitliche Planung aus dem Ruder, sollte man einfach gelassen bleiben: Für Kunz ist es „ganz normal“, dass man sich bei der Zeitplanung für eine Phase verschätzt und die Schüler „für die Bearbeitung einer Aufgabe oder deren Besprechung etwas mehr Zeit brauchen, als (…) dafür geplant“ wurde. Um diesen Unwägbarkeiten flexibel zu begegnen, rät Kunz: „eine Unterrichtsstunde nie auf volle 45 Minuten planen, sondern besser nur auf etwa 35 und dazu eine oder zwei weitere optionale Phasen vorbereiten, die wir dann einsetzen, wenn alles so (oder besser) läuft, wie wir es geplant hatten.“ (ebd.) Durch eine solche Grobplanung mit Pufferzeiten setzen Sie erreichbare Ziele und vermeiden kontraproduktiven Druck auf die Schüler.

Mit einer (Halb-)Jahresplanung den Überblick wahren

Die Autoren des „Leitfadens zum Berufsstart“ für Lehrer in Niedersachsen empfehlen, gleich zu Beginn des Schuljahres einen (halb-)jährlichen Terminplan zu erstellen (S. 24). Hier sollten „nur schulische Termine, die Sie wirklich betreffen“, notiert werden und dann mithilfe der schuleigenen Arbeitspläne Themen für Unterrichtseinheiten grob festgelegt und Termine für Klassenarbeiten eingetragen werden. Auch Exkursionen, Klassenfahrten und sonstige Projekte sind „beizeiten zu fixieren und mit den Kolleginnen und Kollegen abzustimmen“. (ebd.) Grundlage für Ihre individuelle beziehungsweise für die schulinterne Unterrichtsplanung sind natürlich die Lehrpläne der Länder für allgemeinbildende Schulen.

Viele bundeslandspezifische Arbeitshilfen zur Jahresplanung finden sich im Internet, zum Beispiel ein aktueller „Leitfaden Didaktische Jahresplanung“ für Bayern, der für unterschiedliche Schularten konzipiert und so allgemein gehalten ist, dass sich auch für andere Bundesländer nützliche Impulse ergeben.

„Spickzettel“ statt minutengenaues Stundenkonzept

Alltagsstunden planen bedeutet, sich von der minutengenauen Einzelstundenplanung des Referendariats zu verabschieden. Stattdessen sollten Lehrer sich „ein individuelles Raster der Stundenvorbereitung erstellen, das (…) im Unterricht auch als Spickzettel dienen kann“, empfiehlt der „Leitfaden zum Berufsstart“ für Lehrer in Niedersachsen (Link s. o., S. 24). Wie sollte so ein Spickzettel konkret aussehen? In Jedem Fall sollten die entscheidenden Impulse an den Angelstellen der Stunde klar und schriftlich fixiert sein.

Ein beispielhaftes Formular für die tägliche Stundenskizze beschreibt Christoph Kunz in seinen Tipps für eine effektive und realistische Unterrichtsplanung (Link s. o., S. 3 f.): Datum, Klasse, Stundenthema und -ziele stehen im Kopf; dann folgt eine Tabelle mit den Spalten „Zeitbedarf“, „Medien“, „Sozial- und Arbeitsformen“ und „Aktionen“ von Lehrern beziehungsweise Schülern. Eine fünfte Spalte bietet Raum für Kommentare, etwa zu Zweck und Ziel der jeweiligen Phase, zu möglichen Schwierigkeiten oder zu Alternativen und Differenzierung. Sinnvoll ist es außerdem, die Hausaufgaben festzuhalten und komplexe Tafelbilder aufzunehmen.

„Think big“: Unterrichtsplanung über mehrere Stunden

Natürlich lassen sich Stundenskizzen auch für umfangreichere Unterrichtseinheiten mit mehreren Stunden oder für ganze Unterrichtsreihen nutzen. — Das gibt Ihnen dann auch ein noch größeres Maß an Flexibilität: Denn wenn dann zum Beispiel eine Übung mit den Schülern etwas länger dauert, dann regulieren Sie das einfach, indem Sie den Unterricht an anderer Stelle etwas straffen.

Gegenüber der Einzelstundenplanung bringt die Reihenplanung weitere Vorteile: Man arbeitet sich einmal in ein Thema ein, handelt es in allen relevanten Aspekten ab und stellt auch gleich alle Materialien zusammen. Das spart Zeit. Auch behält man „den roten Faden“ besser im Auge und kann — je nach Bedarf — bei der Realisation einzelne Aspekte ohne weiteres vorziehen oder zurückstellen.
Der Übergang von minutiöser Planung zur „Unterrichtsskizze“ fällt manchen Berufseinsteigern leichter, wenn sie innerhalb ihrer Reihenplanung notfalls auch auf einzelne detailliert geplante Module zurückgreifen können. Solche „ausgearbeiteten“ Unterrichtseinheiten geben in bestimmten Situationen mehr Sicherheit, zum Beispiel im Fall einer unangekündigten Beurteilungsstunde.

Dass die Unterrichtsreihenplanung für Vollzeit-Pädagogen eine Selbstverständlichkeit ist, zeigt ein Blick in ein Lehrerforum, wo auch sofort ersichtlich wird, dass jeder Lehrer seine ureigene Art der Vorbereitung entwickelt: Bei manchen beschränkt sie sich gar auf „eine absolut abgespeckte Form der Verlaufsplanung, die pro Stunde 5–10 Textzeilen enthält“: den „Titel“ der Stunde, der auch direkt ins Klassenbuch kommt, „den Stundeneinstieg, (…) die Methode, Buchseite oder Titel des Arbeitsblattes, den Abschluss der Stunde und die Hausaufgabe“ (ebd.).

Unterrichtsabläufe und Rituale mit der Klasse üben

„Ritualisieren Sie Unterrichtsschritte, um nicht ständig die Aufmerksamkeit der Schüler aktiv einfordern zu müssen“, so heißt es in dem Leitfaden zum Berufsstart (Link s. o., S. 25), der dem Thema „Rituale“ zwei informative Seiten widmet (S. 30 f.). Hier finden sich auch Vorschläge für altersgerechte Rituale: Für Grundschulkinder eignen sich etwa visuelle oder akustische Signale, um den Wechsel von Unterrichtsphasen anzuzeigen, oder auch Helferkärtchen, „tosender Beifall“, Erzählstein im Stuhlkreis, ein „Lesethron“ usw., während sich in den Unterricht der Sekundarstufe I verschiedene „Gesprächsformen, z. B. Blitzlichtrunde“, eine Wandzeitung, ein „Thema der Woche“ ebenso einbauen lassen, wie bestimmte Techniken zur Ideenfindung und zum strukturierten Denken (Mindmapping oder Clustering).

Auch wenn Junglehrer damit erst einmal Kraft und Zeit investieren müssen, bis die Klasse Rituale oder feste Abläufe im Unterricht internalisiert hat, so zeigen sich doch schnell entlastende und zeitsparende Effekte.

Martina Niekrawietz

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