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Gesundheitsvorsorge

Wenn Sie krank sind, sind Sie krank

Schnell kommt Unsicherheit bei jungen Lehrkräften auf, wann und ob sie sich krankmelden sollen und dürfen. Falsche Denkmuster und „ungesundes“ Pflichtempfinden sind ausgesprochen „ansteckend“ und helfen keinem.

Gesundheitsvorsorge: Wenn Sie krank sind, sind Sie krank Viele Lehrerinnen scheuen sich, sich bei Unwohlsein krankzumelden © Krakenimages.com - stock.adobe.com

Seit zweieinhalb Jahren ist „Tapsi“ Lehrerin in Baden-Württemberg und in dieser Zeit hat sie erst zwei Mal wegen Krankheit gefehlt. „Leider erkranke ich immer in den Ferien, so dass ich die Woche im Anschluss, wenn die Schule wieder los geht[,] zu Hause bleiben muss“, postet sie auf der Website lehrerforen.de. Die Woche nach den Ferien krank und das schon zum zweiten Mal — da denkt der Chef doch bestimmt, „du willst nur deine Ferien verlängern“, so Tapsis Befürchtung. Die Junglehrerin auf Probe hat sogar Angst, ihren Job zu verlieren.

„Hanuta“ aus Niedersachsen ist schon lange im Lehrerberuf und denkt auch „immer, dass irgendwer was denken könnte“. Doch sie lebt „halt mit dieser Macke“, weil es ja „immer einen Grund“ gibt, warum sie „‚gerade heute‘ eigentlich nicht krank sein dürfte“: Vor oder nach den Ferien und montags oder freitags wegen Freizeitverlängerung, dienstags hat sie ihren längsten Tag und mittwochs „schon gar nicht — Auszeit zur Wochenmitte“, schreibt sie.

Wenn auch mancherorts Lehrer, die aus dem Krankenstand zurückkommen, schief angesehen werden, lassen Sie sich nicht verunsichern! Der folgende Beitrag unterstützt Sie dabei, im Krankheitsfall unbeirrt das Richtige zu tun und sich — frei von Sorgen und Bedenken — entspannt auszukurieren.

Schädliche Denkmuster

Warum schleppen sich viele Lehrer in die Schule, obwohl sie eigentlich zu Hause oder im Bett bleiben sollten? Dafür gibt es, außer den eingangs genannten, viele Gründe und Denkmuster, zum Beispiel: „Die Kollegen sind eh schon so gestresst, da kann ich ihnen nicht auch noch zumuten, mich zu vertreten.“ Oder: „Meine Schüler schreiben bald eine wichtige Prüfung, da kann ich sie nicht im Stich lassen.“ Oder: „Der Chef/Seminarleiter hat mich eh schon auf dem Kieker, da kann ich unmöglich auch noch/schon wieder fehlen.“ Oder: „Ausgerechnet heute, wo dieser wichtige Termin ist!“ Oder auch: „Die anderen kommen selbst auf dem Zahnfleisch zum Dienst, da kann ich doch nicht wegen einem lächerlichen grippalen Infekt daheim bleiben ...“

Doch es gibt mindestens ebenso gute Gründe, auf seinen Körper zu hören, und sich krank zu melden: Schließlich übernehmen auch Sie Vertretungsstunden für andere. An vielen Schulen fehlt es einfach an einer mobilen Reserve — das ist ein strukturelles und nicht Ihr Problem. Außerdem hat niemand etwas davon, wenn Sie sich mit einer ansteckenden Krankheit in die Schule schleppen. Im Gegenteil, es wäre kontraproduktiv! Womöglich stecken Sie Ihre Kollegen an, und dann werden die mit Recht verärgert reagieren. Oder Sie gehen über Ihre Grenzen und klappen dann erst so richtig zusammen. Damit ist keinem geholfen, denn das dauert dann in der Regel um ein Vielfaches länger. Wichtige Termine lassen sich meist verschieben, Prüfungen auch. Und wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Chef ist Ihnen nicht wohlgesonnen, sprechen Sie das einfach einmal in einer ruhigen Minute mit ihm an. 

Im Zweifel den Arzt fragen

Wenn uns eine handfeste Grippe oder — bei Berufseinsteigern häufig — eine Kinderkrankheit erwischt, sind wir von einer Minute auf die andere schlicht „außer Gefecht“ gesetzt. Aber wie ist das bei weniger eindeutigen Krankheitsbildern, etwa bei Erkältungskrankheiten oder bei einem angehenden grippalen Infekt? „Leichter Schnupfen, Husten oder Kopfschmerzen sind noch keine Gründe krankgeschrieben zu werden“, sagt der Sprecher des Berufsverbandes der HNO-Ärzte, Michael Deeg, im Gespräch mit der Mitteldeutschen Zeitung. Hingegen sollte man bei Durchfall und Erbrechen und bei „Fieber, Gliederschmerzen und gelblichem Auswurf beim Husten oder Naseputzen“ zu Hause bleiben. Und wo beginnt Fieber? „Steigt die Temperatur über 38 Grad, sollte man nicht zur Arbeit gehen“, rät Matthias Frank vom Deutschen Hausärzteverband, der im Gespräch mit dem Magazin Focus noch weitere Symptome mit Indikation Bettruhe nennt. 

Im Zweifelsfall könnten Sie aber auch zum Arzt gehen und ihm die Entscheidung überlassen. Lassen Sie sich von ihm ggf. auch dann krankschreiben, wenn Sie eigentlich erst am dritten oder vierten Tag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheiningung vorlegen müssten. Und wenn Sie schon da sind, fragen Sie auch, wie lange Sie voraussichtlich fehlen werden. — Wenn Sie diesbezüglich dann direkt in der Schule Bescheid geben, wissen Schulleitung und Kollegen gleich, worauf sie sich einstellen müssen. Eine solchermaßen transparente Kommunikation sorgt auch dafür, dass „miese Stimmung“ im Krankheitsfall gar nicht erst aufkommt.

Apropos miese Stimmung: Wenn Sie krankgeschrieben sind, heißt das nicht automatisch, dass Sie „Stubenarrest“ haben. Oft sind Spaziergänge oder auch sportliche Aktivitäten genesungsförderlich, jedoch „sollten Freizeiteinrichtungen wie eine Kegelbahn gemieden werden“, empfehlen die Autoren des Beitrags „Beamtenrecht — Was dürfen Lehrer[,] die krankgeschrieben sind?“ auf der Website der Beihilfe

Auch hier vermeiden Sie Gerede und Probleme mit der Schulleitung am besten, indem Sie mit offenen Karten spielen: Wenn Sie zum Beispiel wegen eines Bandscheibenvorfalls o. Ä. krankgeschrieben sind, informieren Sie die Schule darüber, dass Ihr Arzt Ihnen Physiotherapie verschrieben hat. Mit ärztlicher Erlaubnis sind sogar Besuche im Schwimmbad möglich (ebd.). — Sorgen Sie für Transparenz, am besten bereits im Vorfeld, denn Sie wissen ja: Als Lehrer sind Sie bekannt wie ein bunter Hund, und irgendwo gibt es immer Eltern oder Schüler, die Sie sehen, auch wenn Sie sie gar nicht (er)kennen.

Martina Niekrawietz

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