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Berufsorientierung

Eltern bei der Berufswahl ausdrücklich erwünscht!

Wie geht es nach der Schule weiter? Bei dieser entscheidenden Frage brauchen Schüler Unterstützung — von schulischer Seite und besonders von den Eltern, denn diese beeinflussen die Berufswahl von Jugendlichen entscheidend. Wie Schule und Elternhaus effektiv kooperieren, zeigt ein aktueller Leitfaden der Bundesarbeitsgemeinschaft SCHULEWIRTSCHAFT.

Berufsorientierung: Eltern bei der Berufswahl ausdrücklich erwünscht! Eltern spielen bei der Berufswahl ihrer Kinder eine weit wichtigere Rolle als ursprünglich angenommen © Marco2811 - Fotolia.com

Eigentlich ist die Pubertät die Zeit der Ablösung von den Eltern. Mehr und mehr treffen die Heranwachsenden ihre eigenen Entscheidungen, die Kindheitsfamilie tritt in den Hintergrund, während die „Peers“ an Bedeutung gewinnen. Und doch bestätigt gleich eine ganze Reihe von Studien in den letzten zwanzig Jahren, dass die Eltern den größten Einfluss auf die Berufswahl ihrer Kinder haben. Erst auf Rang zwei folgen die Altersgenossen. Die Lehrkräfte liegen an dritter Stelle und das Schlusslicht bilden die Berufsberater. (Werner Sacher, Eltern im Berufsorientierungsprozess ihrer Kinder und ihre Einbindung durch Elternarbeit, Bielefeld 2011, S. 10) „Sich aus der Berufswahl seines Kindes herauszuhalten ist nicht möglich,“ betonen die Autoren des aktuellen Leitfadens zur kooperativen Elternarbeit für die Berufsorientierung (Kurzversion) (Hg.: Bundesagentur für Arbeit, Bundesarbeitsgemeinschaft SCHULEWIRTSCHAFT: „Eltern erwünscht!?“, 2013, S. 6 f.)

Auch wer seinem Kind „nicht reinreden“ möchte, wirkt — bewusst oder unbewusst — auf die Berufswahl ein: Die Kinder erleben die Eltern in Berufs- und Arbeitsrollen und deren Erfahrungen, Werte und Einstellungen beeinflussen sie bei der Berufsfindung. Sie wirken nicht nur als Vorbild, sondern auch als Ratgeber im Informationsprozess und als „emotionaler Rückhalt“ bei Rückschlägen.

Angesichts einer sich rasant verändernden Arbeitswelt eine anspruchsvolle Aufgabe, bei der die Schule die Eltern unterstützen kann. Der Leitfaden (LF-Kurzversion) von SCHULEWIRTSCHAFT (Link s. o.) bietet dazu eine modular strukturierte Sammlung von Themen, die flexibel kombiniert werden können, je nachdem, was Eltern bei der Berufs- und Studienwahl ihrer Kinder interessiert. Hier das Wichtigste in Kürze:

Modul 1: Elternrolle thematisieren, Selbstvertrauen geben

Alle Angebote und Veranstaltungen für Eltern sollten vor allem eines vermitteln: „Wir können unser Kind unterstützen, auch wenn wir keine Fachleute sind!“ (LF-Kurzversion, S. 8) Ausgangspunkt ist dabei die Leitfrage „Welche Unterstützung hätten wir uns selbst von unseren Eltern bei der Berufs- oder Studienwahl gewünscht?“ Daraus leitet sich ab, wo und wie Eltern ihren Kindern Chancen aufzeigen können (Informationen sammeln, Stärken erkennen), aber auch, wo die Grenzen liegen und Expertenwissen gefragt ist.

Modul 2: Wege nach der Schule

Wie geht es nach dem Abschluss weiter? Natürlich ist es unmöglich, die Vielzahl der Möglichkeiten erschöpfend zu behandeln. Aufgezeigt werden jedoch die vier wesentlichen Wege nach der Schule (vgl. dazu die etwas ausführlichere Langversion des Leitfadens, mit weiterführenden Links zu vertiefenden Informationen, S. 9 f.): Betriebliche Ausbildung, Schulische Ausbildung, Studium und Duales Studium und Sonderausbildungen. Kurz angerissen wird auch die Durchlässigkeit des deutschen Bildungssystems: Links zu den „Bildungssystemen der Länder in der Bundesrepublik Deutschland“ finden sich auf der Website bildungsserver.de.

Modul 3: Berufswahl Schritt für Schritt

Was kann unser Kind besonders gut? Herausfinden lässt sich das, indem man Alltagserfahrungen oder Präferenzen in Freizeit und Familie reflektiert (Abgleich Selbst- und Fremdeinschätzung). Auch Selbsttests, Self-Assessments, berufspsychiologische Tests oder Praktika helfen bei der Einschätzung der eigenen Interessen und Fähigkeiten. (Internetadressen und Ansprechpartner dazu: Leitfaden-Langversion, S. 12)

Schritt 2 ist die Berufserkundung: Welche Berufe gibt es? Wie sieht ein Arbeitstag in welchem Beruf aus? Wo informiere ich mich über Mädchen in MINT-Berufen? Links zu entsprechenden Informationsseiten im Web bietet die Langversion des Leitfadens (S. 13 f.)

Bei der Entscheidung für einen Beruf, eine Ausbildung oder ein Studium (= Schritt 3) unterstützt der Leitfaden mit Tipps (Beratungsangebote, Plan „B“) und Detailfragen (zum Beispiel: Passt der jeweilige Beruf zum Lebenskonzept der Jugendlichen? Kommt eine andere Stadt in Frage? etc.)

Anschließend heißt es bewerben oder anmelden (Schritt 4: Wie geht das?), Wartezeiten möglicherweise sinnvoll überbrücken (Schritt 5: Welche Möglichkeiten gibt es?) und die Finanzierung der Ausbildung planen (Schritt 6: Wo und wie kann man finanzielle Unterstützung erhalten?) Auch dazu bietet die Langversion nützliche Links und Praxistipps.

Modul 4: Wer hilft Eltern beim Helfen?

Hilfreich für die Eltern sind hier sehr konkrete Informationen: Welche Lehrkräfte oder Schulsozialpädagogen sind in der Schule für die Berufs- und Studienorientierung zuständig? Wie und wann sind sie erreichbar? Bieten Berufsberater Sprechstunden an der Schule an? Wann und zu welchen Themen finden welche Elternabende und Aktionen in der Schule statt? Mit einem kleinen Fragebogen (oder bei einer Auftaktveranstaltung durch Zuruf der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und Sammlung per Flipchart) können ergänzend auch Themenwünsche der Eltern aufgenommen werden.

Rechtzeitig handeln – der Berufswahlfahrplan hilft dabei

Der Prozess der Berufsfindung benötigt Zeit und Ruhe. Wann sollten die Jugendlichen welche Aktivitäten in Angriff nehmen? Einen — im wahrsten Sinne des Wortes — plakativen Überblick dazu gibt der Berufswahl-Fahrplan auf der informativen Website planet-berufe.de.
Auch eine interaktive Version des Fahrplanes ist verfügbar; außerdem stehen acht fremdsprachige Versionen für Eltern oder Schüler mit Migrationshintergrund zum Download bereit.
Wenn Sie also als Lehrkraft, den Eltern frühzeitig Informationen an die Hand geben, können diese Ihre Kinder – zusätzlich zu den Angeboten der Schule – kompetent bei der Berufswahl zu unterstützen.

Martina Niekrawietz

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