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Qualitätsmerkmale Elternarbeit

Elternarbeit verbessern — mit System!

Wie können Schule und Elternhaus partnerschaftlich zusammenarbeiten? Diese Frage beantwortet eine aktuelle Handreichung führender Erziehungswissenschaftler, die vier Qualitätsmerkmale für schulische Elternarbeit entwickelt haben. — Keine „graue Theorie“, sondern konkrete Maßnahmen, die sich sofort in die Tat umsetzen lassen.

Qualitätsmerkmale Elternarbeit: Elternarbeit verbessern — mit System! Lehrer und Eltern sollten im Interesse der Kinder und Jugendlichen systematisch und konstruktiv zusammenarbeiten © .shock - Fotolia.com

„Was wird an eurer Schule konkret getan, um die Eltern enger an die Schule zu binden?“ fragt eine Grundschullehrerin in einem Lehrerforum. An ihrer Schule sei es schon problematisch, „die Eltern zu den Elternabenden zu bekommen, aktive Mitarbeit ist noch schwieriger“, schreibt sie.

Ein Elternrat mit einigen engagierten Eltern fände sich nur „mit Müh und Not“. Trotzdem hat sie die Erfahrung gemacht, dass es manchmal die „ganz kleinen“ Dinge sind, mit denen sich Eltern dann doch aus der Reserve locken lassen. „Aber auf die muss man erst einmal kommen. Nach denen suche ich“, schreibt sie.

Seit April 2013 gibt es ein systematisches Kompendium guter Ideen mit praktischen Beispielen zur Umsetzung: Den Leitfaden „Qualitätsmerkmale schulischer Elternarbeit“, den namhafte Erziehungswissenschaftler mehrerer Universitäten im Auftrag der Vodafone-Stiftung erarbeitet haben. Der Titel der 28-seitigen Broschüre ist Programm: Es geht nicht etwa darum, Standards oder gar ein Kontrollinstrument für Elternarbeit zu etablieren; vielmehr zielt der Leitfaden auf eine konstruktive Zusammenarbeit von Schule und Elternhaus, von der alle profitieren, wie die Autoren in ihrem Vorwort darlegen: „Schüler sind lernbereiter und erzielen bessere Leistungen, Eltern identifizieren sich mehr mit den Anliegen der jeweiligen Schule und die Lehrkräfte werden in der Folge in ihrem ‚Kerngeschäft‘, dem Unterrichten, unterstützt.“ (S. 1) Hier eine kurze Zusammenfassung der vier Qualitätsmerkmale mit Anregungen zur Realisierung im schulischen Alltag:

Eine Willkommens- und Begegnungskultur schaffen

Das bedeutet zunächst, dass die Eltern eine einladende und freundliche Atmosphäre vorfinden. Konkrete Maßnahmen dazu: ein einladender Eingangsbereich, mehrsprachige Wegweiser, damit sich die Eltern im Schulgebäude und auf dem Gelände schnell orientieren können oder ein ruhig gelegenes Sprechzimmer.

„Willkommensgespräche und -rituale für Eltern neuer Schüler“ helfen die Berührungsängste abzubauen und sorgen für einen guten, gemeinsamen Start. Auch dazu gibt es praktikable Vorschläge, die sich leicht umsetzen lassen: eine „Auftaktfeier“ (gleich mit vier Tagesordnungspunkten für den Ablauf) beispielsweise oder Willkommensgeschenke, die das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden („Begrüßungspakete“ mit leicht verständlichen Informationsmaterialien und kostenlosen Elternratgebern des jeweiligen Bundeslandes).

Und wie gelingt es, möglichst viele Eltern zu erreichen? Am besten durch vielfältige Angebote und Gelegenheiten zum gegenseitigen Austausch (Elterncafé oder Elternbibliothek, Come-together-Abende in den Klassen) und natürlich auch durch eine aktive Zusammenarbeit mit Elternvertretern und -mentoren (Patenfamilienmodell).

Gerade auch sozial schwache Familien behalten die Autoren im Blick, wenn sie vorschlagen, die Kosten für Schulveranstaltungen, Ausflüge und Exkursionen möglichst niedrig zu halten beziehungsweise über Möglichkeiten für Zuschüsse zu beraten oder auch „unterschiedliche Hintergründe und Bildungsniveaus der Eltern (…) bei mündlichen und schriftlichen Ansprachen zu berücksichtigen“ (S. 6).

Vielfältige und respektvolle Kommunikation

Regelmäßig und auch ohne konkreten Anlass sollten sich Schule, Eltern und Elternvertreter austauschen. Voraussetzung dafür ist, dass „alle Eltern alle wichtigen Informationen“ regelmäßig bekommen. Auch diejenigen, die keine schulischen Veranstaltungen besuchen oder das Internet nicht nutzen. Um das zu bewerkstelligen, sollten wichtige Informationen gedruckt und digital verfügbar gemacht (Beispiel: Elternordner mit allen wichtigen Informationen, der an alle Eltern ausgegeben wird und gleichzeitig auch auf der Schulwebsite steht) und verschiedene Kommunikationswege (neue Medien ebenso wie Tür-und-Angel-Gespräche) gezielt genutzt werden.

Elternarbeit mit System — dazu gehört einerseits, entsprechende Maßnahmen einzuplanen und zum Beispiel festzulegen, „auf welchen Wegen und zu welchen Zeitpunkten über bestimmte Themen mit wem“ im Verlauf des Schuljahres kommuniziert wird. (S. 8) Andererseits sollte es möglich sein, dass Eltern und Lehrer jederzeit bestehende Probleme ansprechen können, ohne dafür „formelle Hürden“ überwinden zu müssen.

Erziehungs- und Bildungskooperation

Dieses Qualitätsmerkmal „definiert die rollenspezifische Verantwortung für Bildung und Erziehung“, (S. 11) die im schulischen Alltag auch immer wieder für Zündstoff sorgt, da die Zuständigkeiten von Schule und Elternhaus hier häufig ineinandergreifen.

Eine Abgrenzung der Kompetenzen zumindest bezüglich der Gestaltung des Unterrichts täte hier not, fehlt jedoch in den „Qualitätsmerkmalen schulischer Elternarbeit“. Die Autoren des Leitfadens für Elternarbeit halten es insgesamt für erstrebenswert, mehr Transparenz und eine größere „Nähe zur Kernaufgabe des Unterrichts“ herzustellen (S. 11), zum Beispiel durch Unterrichtshospitationen von Müttern und Vätern.

Der folgende (nur missverständlich formulierte?) Vorschlag dürfte bei Lehrern eher für gemischte Gefühle sorgen: „Die Eltern, Lehrkräfte und Schüler arbeiten gemeinsam am Erziehungs- und Bildungserfolg und stimmen sich über Lernziele und -inhalte ab.“ (S. 11) Nach wie vor sind Lernziele und -inhalte fest von den Lehrplänen vorgegeben und stehen per se nicht zur Disposition.

Letztlich geht es bei der Erziehungs- und Bildungskooperation jedoch um einen „Austausch“, so die Autoren, der „den Blick auf die Sichtweisen, Erwartungen und Anforderungen des Gegenübers“ erweitert und „die sinnvolle Abstimmung von Unterstützungsmaßnahmen zwischen Elternhaus und Schule“ erleichtert. Vorgeschlagene Maßnahmen dazu sind beispielsweise (S. 12 ff.): Beratung durch die Lehrkräfte, wie die Eltern das häusliche Lernen begleiten können, gemeinsame Übungsstunden mit Eltern, Lehrern und Schülern oder auch ein „Learning Support Team“ aus Lehrern, Sozialarbeitern und Eltern, das um Unterstützung gebeten werden kann.

Partizipation der Eltern

In der Schule haben die Eltern Mitwirkungsrechte und auch -pflichten. Darüber sollte die Schule informieren und Mütter und Väter dazu ermutigen, „ihre Beteiligungsmöglichkeiten auszuschöpfen“. (S. 17) Die unterschiedlichen Gruppen innerhalb der Elternschaft sollten sich „angemessen“ an schulischen Entscheidungen und Schulentwicklungsprozessen beteiligen und sich auch in der Zusammensetzung der Elterngremien widerspiegeln.

Letztlich zielt der Leitfaden auf ein „breit getragenes und von Eigeninteressen losgelöstes Verantwortungsgefühl für den Auf- und Ausbau einer demokratischen Schulgemeinschaft“, die auch die Interessen der Kinder vertritt, deren Eltern „sich nicht einbringen (können)“ und alle Schüler auf ihre Rolle als verantwortliche Bürger vorbereitet. (S. 2) — Ein hehres Ziel, das manchem Lehrer, zum Beispiel an einer Brennpunktschule, eher utopisch erscheinen dürfte.

Doch die Stärke der „Qualitätsmerkmale schulischer Elternarbeit“ liegt darin, dass sie flexibel genutzt werden können: für punktuelle Anregungen, wenn es zum Beispiel darum geht, Eltern für einen wichtigen Klassenelternabend zu mobilisieren, oder auch für umfassende innovative Konzepte zur Verbesserung der Elternarbeit in einer Regelschule, die sich zur inklusiven Schule entwickelt.

Martina Niekrawietz

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