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Elterngespräche

Gesprächsanlässe — So bleiben Sie mit Familien in Kontakt

Der Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen wird überwiegend bestimmt vom Einfluss des Elternhauses. Unerlässlich ist darum ein kontinuierlicher Austausch von Lehrkräften und Eltern über die Entwicklung des Kindes. Dafür können in der Schule entlastende Strukturen entwickelt werden. Doch wie geht das — auch mit einfachen Mitteln?

Elterngespräche: Gesprächsanlässe — So bleiben Sie mit Familien in Kontakt In einer entspannten Atmosphäre sind Eltern leichter zu gewinnen © Apos - Fotolia.com

Beste Voraussetzung ist eine wertschätzende Grundeinstellung gegenüber dem Interesse von Eltern an der schulischen Entwicklung ihres Kindes.  Eine lösungsorientierte Kommunikation mit Kindern gehört zum Alltagsgeschäft von Lehrkräften. Sie sind jedoch auch gefordert, ihr professionelles Repertoire für die Kontakte mit Müttern und Vätern zu schulen.

 

 

 

 

 

Gesprächsanlässe

Die  „Settings“, d.h. Anlass und Rahmen, zu und in denen Lehrkräfte und Eltern miteinander sprechen, können höchst unterschiedlich sein und verfolgen daher unterschiedliche Ziele.

 Angesichts der Vielfalt von Gesprächsanlässen ist zu unterscheiden zwischen

  • „angeordneten“ Gesprächen,
  • informellem Austausch, 
  • aufsuchender Elternarbeit,
  • Zufallsgesprächen.

 Beispiele hierfür sind:

  1. Eltern werden zum Gespräch in die Schule gebeten. Die Erfahrung sagt ihnen: „Da ist etwas schief gelaufen!“  Entweder gibt es Probleme mit dem Verhalten ihres Kindes oder seine Leistungen lassen zu wünschen übrig.
  2. Frau Maier freut sich auf den Mittwochmorgen. Dann ist das Elterncafé geöffnet, wo sie andere Mütter aus der Klasse ihres Sohnes trifft. Sie trinken Tee und erzählen sich von dem, was zuhause und in der Schule gerade passiert, tauschen Tipps und Erfahrungen aus, und manchmal kommt eine Lehrkraft oder die Schulleiterin  ins Café, um Fragen zu Schule und Bildung in Deutschland zu beantworten.
  3. Die Klassenlehrkraft besucht Eltern, weil es zur Philosophie der Schule gehört, im engen Kontakt mit dem Elternhaus zu stehen oder  weil sich die Lehrerin/der Lehrer Aufschluss erhofft über die häusliche Situation des Kindes mit dem Ziel, ihm besser gerecht werden zu können.  Ein weiterer Grund kann sein, dass die Eltern wegen ihrer Schichtarbeit oder anderer Verpflichtungen fast nie Gelegenheit haben, an einem Elternabend teilzunehmen.
  4. Vater und Tochter begegnen der Lehrerin beim Einkauf. Nach anfänglicher Befangenheit kommen sie ins Gespräch und erfahren manches Wissenswerte voneinander.

 

Passen Sie sich dem Anlass an

Den folgenden Abschnitten geht jeweils eine Grundannahme voraus, gefolgt von Hinweisen zum formalen und mentalen „Rahmen“ der  jeweiligen Gesprächssituation.

Ambiente und Austausch auf Augenhöhe

Beispiel 1:
Grundannahme: Eltern sind Experten/innen für ihr Kind.

Ambiente: Behandeln Sie die Eltern wie Gäste

Kommunikation: Legen Sie Anliegen und Ziel offen, kommunizieren Sie auf Augenhöhe

Die zu Anfang geschilderte  Situation ist allen, die mit Schule zu tun haben, bekannt. Ein von der Lehrkraft anberaumter Gesprächstermin verheißt meist nicht Gutes! Wenn es „brennt“,  werden Vater und Mutter während des Schultages geladen. Andersfalls kommen die „bad news“ beim halbjährlich stattfindenden Elternsprechtag auf den Tisch.

Welches Ambiente finden die  „geladenen“ Eltern vor?
Das hätten sie nicht erwartet: Ein heller, ruhiger Raum und Kaffeeduft empfangen Vater und Mutter, die an der Tür von der Lehrerin erwartet und freundlich begrüßt werden. Sie serviert ein Getränk und leitet das Gespräch ein mit  Fragen wie: „Wie geht es Ihnen?“  „Wie viel Zeit haben Sie mitgebracht?“ „Was haben Sie in letzter Zeit von Ihrem Kind über die Schule erfahren?“

Die Eltern sind überrascht, denn statt  des ihnen persönlich entgegengebrachten Interesses der Lehrerin hatten sie eine „Gardinenpredigt“ erwartet über die Unzulänglichkeiten ihres  Sprösslings. Ihre Anspannung löst sich und es entwickelt sich ein angeregtes Gespräch über das Kind, seine Schul- und Familiensituation.  Schließlich entwickeln  Eltern und Lehrerin Schritte, wie sie die Probleme des Kindes gemeinsam mit ihm meistern können.

Raum und Zeit für Eltern

Beispiel 2:
Grundannahme: Eltern brauchen  einen Ort in der Schule, der ihnen zur Verfügung steht und für den sie selbst verantwortlich sind. Sie freuen sich über Angebote der Schule zur gegenseitigen Kommunikation und  zum informellen Austausch.

Ausgangssituation: An die Elternvertretung der Schule wird der Wunsch herangetragen, dass in der Schule ein Raum zur Verfügung steht, den vor allem die Elternschaft gestaltet und nutzt.

Verankerung: Schulleitung und Vorstand der Elternvertretung haben (in Abstimmung mit dem Schulträger) einen Vertrag zur Nutzung eines Raums geschlossen, der als Ort des informellen Gesprächs unter Vätern und Müttern sowie für Elternbildungszwecke dienen soll.

Das Elterncafé an der Schule Y gibt es erst seit einem Jahr. Die Initiative dazu hat der Vorstand des Schulelternbeirats ergriffen und die Gelegenheit beim Schopf ergriffen, einen frei werdenden Fachraum als Treffpunkt für die Elternschaft zu gestalten. Schnell hat sich herumgesprochen, dass sich Mütter und Väter dort bei Tee, Kaffee und Snacks zwanglos unterhalten können.  Ab und zu kommt eine Lehrkraft oder jemand aus der Schulleitung dazu, um ein offenes Ohr für Fragen und Anregungen von Eltern zu bieten. Manchmal gibt eine Expertin/ein Experte von außerhalb einen Input zu Erziehungs- und Bildungsfragen.

Die Homepages der Otfried-Preußler-Schule Dillenburg und der Theodor-Heuss-Schule Baunatal informieren über ihre Angebote.

Der Kontakt zur Familie ist essentiell für die Problembewältigung!

Beispiel 3
Grundannahme: Ein  Kind lernt in erster Linie in und von der Familie.

Philosophie: Lehrerinnen und Lehrer brauchen einen Augenschein vom  Elternhaus, um das Kind besser zu verstehen.

Vorgehen: Aufsuchende Elternarbeit bahnt den Weg für eine Zusammenarbeit im Interesse des/der Heranwachsenden.

Das Kind ist ganz aufgeregt, denn heute kommt sein Klassenlehrer zu Besuch! Dies gehört zum Ritual einer Schule, die es sich zum Anliegen macht, das Gespräch mit den Eltern nicht nur in der Schule anzusiedeln. Vater und Mutter freuen sich, dass sie nun an der Reihe sind und der Termin zu einer Tageszeit liegt, wo sie sich Zeit nehmen können, mit dem Lehrer eine Stunde lang über dies und jenes zu sprechen, was sie ihm schon immer einmal mitteilen und ihn fragen wollten. Das Kind hat sein Zimmer aufgeräumt und ist stolz, seinen häuslichen Arbeitsplatz zu zeigen. Gegen Ende des Besuchs signalisieren die Eltern ihr Interesse an Elternabenden. Sie entschuldigen sich für ihr bisheriges Fernbleiben und  bitten darum, diese  wegen ihrer Arbeitszeiten künftig früher beginnen zu lassen. Der Lehrer wird das Anliegen an die dafür zuständige Elternvertretung weiterleiten.

Einen besondere Praxis der Zusammenarbeit mit dem Elternhaus stellt das sogenannte Team-Kleingruppen-Modell (TKM) der Lichtenberg-Schule, einer Integrierten Gesamtschule in Göttingen-Geismar, dar. www.igs-goe.de/grundlagen/

Die Familiensituation einschätzen  - dem Kind besser gerecht werden!

Beispiel 4
Grundannahme: Je sachdienlicher die Informationen, die Lehrkräfte und Eltern voneinander erhalten, desto besser geht es dem Kind.

Haltung: Erwachsene arbeiten zusammen, um den schulischen Erfolg des Kindes bestmöglich zu unterstützen.

Strategie: Jede Gelegenheit zum informellen Gespräch wahrnehmen und dafür Strukturen in der Schule schaffen (s.o. Elterncafé)

Lehrerin Werner und Vater Aslan begegnen sich zufällig beim Einkauf. Den Vater begleiten drei Kinder. Das Älteste zeigt auf die Lehrerin und ruft erfreut: „Schau mal, das ist meine Lehrerin, Frau Werner!“ Vater und Tochter gehen auf die Lehrerin zu und begrüßen sie herzlich. Im Gespräch stellt sich heraus, dass der Vater den Wocheneinkauf übernimmt, um seine Frau zu entlasten und ihr den Besuch des Sprachkurses zu ermöglichen.

Den beiden Erwachsenen gibt die Zufallsbegegnung Stoff zum Nachdenken: Frau Werner über ihr  Bild von der Rollenzuweisung in türkischen Familien, über ihre Annahme, dass die Eltern Alsan nicht Deutsch sprechen können und dass sie  kein Interesse an schulischen Dingen haben. Deshalb, so hatte sie angenommen, sind sie noch nie in der Schule erschienen, seitdem seine Älteste vor einem Jahr eingeschult wurde….

Herr Aslan findet Frau Werner sympathisch und denkt daran, sie demnächst einmal zum Tee einzuladen, weil er doch unter der Woche so schwer abkömmlich ist. Nach dem freundlichen Gespräch bedauert er, dass er wegen seines Schichtdienstes noch nie an einem Elternabend oder einem Treffen im Elterncafé teilnehmen konnte. Er hofft, dass seine Frau bald soviel Deutsch gelernt haben wird, um an der Seite ihrer Nachbarin den Weg in die Schule zu finden. Dann könnte sie sich nach den Lernfortschritten ihres Kindes erkundigen, denn die Eltern wussten bisher nicht so recht, wie ihre Tochter in der neuen Schule lernt, weil sie zu Hause fast nie etwas erzählt. Die Auskunft der Lehrerin, dass seine Tochter eifrig lernt und die Aufgaben gut bewältigt, wird auch die Mutter erfreuen.

„Wege entstehen dadurch, dass wir sie gehen!“ (Franz Kafka)

So vielfältig die Anlässe für einen Austausch zwischen Lehrkräften, Eltern und Kindern sind, so unterschiedlich sind die Möglichkeiten, Zeit und Raum dafür zur Verfügung zu stellen.

Jede Schule mag einen anderen Ansatz wählen, der den Möglichkeiten des Kollegiums und den Familien entspricht.

Die Umsetzung eines Vorhabens könnte erfolgen, indem

  • die Lehrkräfte eines Jahrgangs beschließen, eine der beschriebenen Varianten auszuprobieren.
  • sie ihre Erfahrungen auf der Gesamtkonferenz darstellen.
  • das Kollegium die Einführung von Elterncafé und/oder Hausbesuchen  diskutiert.
  • die Elternvertretung informiert und in die Planung einbezogen wird.
  • die Schulkonferenz die Einführung des Vorhabens beschließt.

Gemäß des Mottos von Franz Kafka lohnt es sich, den ersten Schritt zu gehen und erste Erfolge zu organisieren. Denn im Ergebnis ist ein entspannter Umgang miteinander und eine Entlastung im Unterricht garantiert!

Übersicht: Mit Familien im Kontakt bleiben — welchen Rahmen kann die Schule bieten?

WasZielMit WemVoraussetzungen/Anmerkungen
Raum für ElterngesprächeAtmosphäre für ungestörte Gespräche schaffen
  • Schulleitung
  • Elternvertretung
  • eventuell Schulträger einbeziehen
  • Wille zur Realisierung
  • Raumkapazität in der Schule oder benachbartem Gebäude
  • Geld- und Sachspenden sammeln für die Ausstattung
Elterncafé
  • informelle Kontakte ermöglichen
  • Elternbildung etablieren
  • Elternvertretung
  • engagierte Eltern „ohne Mandat“

Mehrfachnutzung bedenken:

  • für Elterngespräche am Vormittag,
  • als Elterntreff am Nachmittag oder Abend
aufsuchende Elternarbeit (jährlich)die Lebensumstände des Kindes kennen lernen
  • Kollegium
  • Klassenlehrkräfte
  • Elternvertretung
Beschluss der Schulkonferenz

Dorothea Kröll

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