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Eltern mit Migrationshintergrund

Kooperation für mehr Bildungsgerechtigkeit

Die meisten Eltern mit Migrationshintergrund wünschen sich eine gute Schulbildung für ihre Kinder und mehr Partizipation im schulischen Bereich. Wie lässt sich dieses wertvolle Potenzial nutzen? Zahlreiche Ideen dazu bietet der Leitfaden „Qualitätsmerkmale schulischer Elternarbeit“.

Eltern mit Migrationshintergrund: Kooperation für mehr Bildungsgerechtigkeit Eltern und Lehrer sollten an einem Strang ziehen, um den Kindern eine möglichst gute Ausbildung zu bieten © Trueffelpix - Fotolia.com

Welche Erfahrungen machen Migranten im deutschen Bildungssystem? Dieser Frage widmet sich derzeit das Forschungsprojekt „Bildung, Milieu und Migration“ der Universität Düsseldorf. Im Dezember 2013 wurden erste Ergebnisse veröffentlicht. „Über den gesamten Bildungsverlauf von der Grundschule bis zum Studium“ würden die Potenziale von Kindern mit Migrationshintergrund „systematisch unterschätzt“, so heißt es im Pressetext, oft dauere es lange, bis die Fähigkeiten und Möglichkeiten der Schüler erkannt würden „und die richtigen Weichenstellungen“ erfolgten — „wenn überhaupt“ schränken die Autoren ein. Und das, obwohl die meisten Eltern mit Migrationshintergrund für ihre Kinder eine gute Bildung anstreben und dafür „oft große Anstrengungen“ unternehmen. Deshalb liegt eine zentrale Aufgabe interkultureller Elternarbeit darin, gerechte Bildungschancen durch eine partnerschaftliche Kooperation von Schule und Elternhaus zu schaffen.

Wie stehen die Eltern zu einer Bildungspartnerschaft?

Nur vereinzelte Eltern engagieren sich in Elterngremien. — Die Autoren registrierten bei den Eltern „deutliche Zugangsbarrieren (schüchtern, ‚nichts für mich‘)“. Trotzdem würden die meisten Mütter und Väter (milieu-übergreifend!) mehr Partizipation in der Schule begrüßen: „Eltern wollen in ihrer Rolle als Experten für die Bildung der Kinder ernst genommen und eingebunden werden“, schreiben die Wissenschaftler in ihren Zwischenergebnissen zur Studie (S. 4 f.).

Mehrheitlich begrüßen Migranteneltern auch Angebote der Elternbildung, etwa Sprachangebote oder Informationen über das deutsche Bildungssystem. Mütter und Väter bestimmter Milieus (adaptiv-bürgerlich, intellektuell-kosmopolitisch und multikulturelles Performermilieu) würden sich auch gern an der Planung und Umsetzung solcher Angebote beteiligen und selbst als Experten und Dozenten agieren. Und: „Gefordert wird mehr Empowerment von Eltern mit Migrationshintergrund.“
Mütter und Väter aus Migrantenfamilien möchten sich also engagieren, sich aktiv für den Bildungserfolg ihrer Kinder einsetzen und — wo nötig — selbst dazulernen. Doch wie könnte das in der schulischen Praxis konkret aussehen? Zahlreiche Ideen und Anregungen dafür finden sich in den „Qualitätsmerkmalen schulischer Elternarbeit“, einem aktuellen Leitfaden für die Elternarbeit, den namhafte Erziehungswissenschaftler mehrerer Universitäten im April 2013 veröffentlichten.

Praktische Möglichkeiten für Partizipation

Das erste der vier „Qualitätsmerkmale“ zielt auf eine Willkommens- und Begegnungskultur, durch die sich alle Eltern „als Teil der Schulgemeinschaft wohl und wertgeschätzt“ (S. 4 ff.) fühlen. Konkrete Maßnahmen dafür können beispielsweise sein:

  • Wegweiser in den unterschiedlichen Herkunftssprachen der Eltern und Schüler, damit sich alle sofort orientieren können.
  • Förderung der Verständigung durch erfahrene Eltern(-vertreter), die neue Eltern begrüßen und sie — nach Möglichkeit mehrsprachig — in „Kultur und Mitwirkungsmöglichkeiten der Schule einführen“.
  • Ein Patenfamilienmodell mit Elternmentoren oder Bildungspaten, mit denen die Eltern sich in ihrer Herkunftssprache austauschen können.

Im Kontext interkultureller Elternarbeit ist eine vielfältige und respektvolle Kommunikation (S. 7 ff.) besonders wichtig. Dazu gehört natürlich in erster Linie, dass alle Informationen von allen Eltern verstanden werden:

  • Ehrenamtliche oder Pro-Bono-Übersetzer unterstützen fremdsprachige Eltern.
  • Gespräche und Informationsmaterialien sollten „zielgruppenspezifisch ausgerichtet“ sein. Zudem sollten wichtige Informationen der Schule „grundsätzlich auch in den Muttersprachen der Eltern mit Migrationshintergrund veröffentlicht“ werden (S. 9).
  • Trainings, Workshops und Supervisionen vermitteln Lehrern und Eltern kommunikative und interkulturelle Kompetenzen.

Eine funktionierende Bildungs- und Erziehungskooperation zwischen Schule und Elternhaus versucht, herkunfts- und migrationsbedingte Nachteile auszugleichen und Chancengleichheit herzustellen. Konkret bedeutet das, dass Eltern und Schule gemeinsam klären, „welche Ressourcen und Kompetenzen in der jeweiligen Familie verfügbar sind und aktiviert werden können“ und wie Eltern das häusliche Lernen ihrer Kinder begleiten können: Wie sieht eine förderliche häusliche Lernumgebung aus? Wie lobt man ein Kind? Wie lässt sich Kritik üben, ohne zu demotivieren?

Lehrkräfte sollten zu derlei wichtigen Fragen konkrete Tipps geben und prüfen, wo zusätzlicher Beratungsbedarf besteht. Sinnvoll wären auch gemeinsame Übungsstunden mit Lehrern, Eltern und Schülern oder ein mehrsprachiges „Learning-Support-Team“, das bei Fragen und Problemen hinzugezogen und direkt von den Eltern kontaktiert werden kann.

Martina Niekrawietz

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