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Vertrauensbildende Maßnahmen

Mit diesen Tipps klappt’s auch mit den Helikoptereltern

Sie kreisen unablässig über ihren Kindern, sie bringen sie bis ins Klassenzimmer, setzen bei schlechten Noten den Lehrer unter Druck und verbessern die Hausaufgaben. Als Lehrer schützt man sich vor Helikoptereltern am besten, indem man ihnen Grenzen setzt und ihr Vertrauen in die Schule und das Kind stärkt.

Vertrauensbildende Maßnahmen: Mit diesen Tipps klappt’s auch mit den Helikoptereltern Eltern können ihre Kinder bei den Hausaufgaben unterstützen, aber sie sollen sie nicht übernehmen © contrastwerkstatt - Fotolia.com

Dem Leiter einer Baden-Württembergischen Grundschule war es zu bunt geworden: Er verfasste einen „Brandbrief“, um die überbesorgten Eltern seiner Schüler zur Raison zu bringen: Täglich müsse er mitansehen, wie Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren, teilweise ihren Kindern den Ranzen bis ins Klassenzimmer tragen, „dem Sohn oder der Tochter die Jacke abnehmen, helfen die Hausschuhe anzuziehen und dann noch die Gelegenheit nützen, die unterschiedlichsten Dinge mit der Klassenlehrerin zu besprechen“, schrieb er, und „all dies nicht selten nach Beginn des Unterrichts um 7.45 Uhr“. (Vgl. dazu: Stuttgarter Zeitung, 3.12.2014) — Offenbar kein Einzelfall, wie die WELT am 25.12.2014 berichtete: Immer mehr Schulen setzten überfürsorglichen Eltern Grenzen und wehrten sie mit „Kiss-and-go-Zonen“ ab.

Auch in weiterführenden Schulen und selbst noch in Universitäten fallen etwa 10 bis 15 Prozent der Elternschaft dadurch auf, dass sie „ständig schützend über ihrem Nachwuchs kreisen“, wie die Süddeutsche Zeitung das Phänomen umschreibt. Auch im Spiegel waren überaufgeregte Eltern jüngst wieder einmal Thema. — Im Folgenden einige Tipps für den Umgang mit diesen sogenannten Helikoptereltern.

Klare Aufgabenteilung zwischen Schule und Elternhaus

Zunächst sollte die Lehrkraft — am besten zusammen mit dem Kollegium und der Schulleitung — klar definieren: Was liegt in der Verantwortung von Schule und Lehrern (Zensuren!), was ist Sache der Eltern und wo sollten Schule und Elternhaus an einem Strang ziehen? Im Zweifelsfall und/oder im Umgang mit besonders „hartnäckigen Fällen“ sollte man seine Linie gegenüber Helikoptereltern vorher mit der Schulleitung abstimmen. Denn dort, wo „der Chef“ Entscheidungen der Lehrkraft revidiert, ist die Basis für eine vertrauensvolle Elternarbeit zerstört.

Argumente und klare Absprachen mit Eltern und Schülern

Josef Kraus, ehemaliger Präsident des Deutschen Lehrerverbandes und Schulleiter, setzt lieber auf gute Argumente im Sinne der Schüler, um übereifrige Eltern davon zu überzeugen, dass Kinder im schulischen Bereich mehr Eigenverantwortung übernehmen sollten.

Seiner Erfahrung nach schadet es den Kindern zum Beispiel mehr als es ihnen nützt, wenn die Eltern für sie die Hausaufgaben „schönen“: Erstens fielen diese Schüler dann bei den Prüfungen auf die Nase, wenn die Eltern nicht dabei sind. Und zweitens bekäme der Lehrer womöglich den Eindruck, „dass er das Tempo zur nächsten Lerneinheit anziehen kann, wenn es keine Fehler gibt“. (WELT, 05.07.2014) An anderer Stelle fügt Kraus noch ein drittes Argument hinzu, das vor allem in weiterführenden Schulen greift: Spätestens dann, wenn der Schulstoff das Wissen der Eltern übersteige, „müssen die Schüler selbst ‘ran — oder die Nachhilfe“.

Wichtig ist es auch, die Kinder zu eigenverantwortlichem Handeln zu ermutigen. So kann es zum Beispiel in Grundschulen sinnvoll sein, ein Belohnungssystem für selbstständig erledigte Hausaufgaben zu installieren: Die WELT (Link s. o.) berichtet in diesem Zusammenhang von einer Berliner Grundschule, die mit der Belohnungstaktik gute Erfolge erzielt hat.

Parallel dazu könnte man derlei Maßnahmen — im Sinne einer transparenten Elternarbeit — den Eltern ankündigen und diskutieren, etwa im Rahmen eines Klassenelternabends zum Thema elterliche Hilfe bei den Hausaufgaben. Hilfreich bei der Konzeption einer solchen Abendveranstaltung sind die pädagogisch fundierten Tipps mit Fallbeispielen und Regeln, die sich auf der Website der Grundschule am Wiesengrund in Bad Zwischenahn finden: „Wie Kinder lernen, ihre Hausaufgaben zu erledigen“.

Vertrauen zur Schule aufbauen

Der Baden-Württembergische Kultusminister Andreas Stoch hält vor allem Offenheit und Transparenz der Lehrer gegenüber den Eltern für eine wichtige Voraussetzung für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zum Wohl der Kinder (vgl. dazu: Bildungsmagazin „News4teachers“). Oft hätten die Eltern lediglich „Angst, etwas falsch zu machen“. Wenn „die Eltern Vertrauen haben, sind sie auch nicht mehr helikopterisch“, so lautet die einfache Botschaft von Gernot Aich, Juniorprofessor für Pädagogische Psychologie in Schwäbisch Gmünd. Lehrer sollten besonders diese Eltern informieren und ihnen die Angst nehmen.

Hilfreich ist dabei eine rege Elternarbeit, bei der die Lehrer den Eltern einerseits auf Augenhöhe begegnen (keine Klassenelternabende, bei denen die Eltern auf den Stühlchen ihrer Grundschulkinder sitzen!), andererseits aber auch Kompetenz und Sicherheit vermitteln: „Ich beherrsche meinen Job und weiß, was ich mache, aber ich bin auch bereit, sinnvolle Impulse von außen aufzunehmen.“

Den Eltern die Ängste nehmen und sie entlasten

Sicherlich wollen die meisten Eltern das Beste für ihr Kind erreichen und ihr Kind vor schlechten Erfahrungen schützen. Wenn Eltern dabei übertreiben, dann häufig aus Angst, die damit begründet wird, „dass die Welt sich nun mal verändert habe“ und „eine bösere geworden“ sei (vgl. dazu: „Kinder, bleibt im Haus!“, Süddeutsche Zeitung, 6.03.2015): Wenn dann nach Meinung überbesorgter Eltern „alleine auf dem Schulweg mehr Gefahren lauern als in einem Super-Mario-Level“ (ebd.), wirkt in diesem Fall eine Statistik sicherlich entlastend: „Obwohl in den Städten mehr und mehr Menschen auf immer weniger Raum zusammenleben, ist die Zahl der tödlichen Schulwegunfälle in Deutschland seit 2003 von 121 konstant auf 37 im Jahr 2013 zurückgegangen.“ (Ebd.)

Letztlich schaden Eltern ihren Kindern durch ihre übertriebene Sorge. Sie müssen lernen, ihre Kinder loszulassen — und ihnen den nötigen Freiraum für die Entwicklung zu selbstständigen und eigenverantwortlichen Persönlichkeiten einräumen.

Martina Niekrawietz

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