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Beratungstipps

Pubertätskonflikte: Wenn Eltern um Rat fragen

Wenn Sie in Jahrgangsstufe 6 bis 9 unterrichten, kommen auch in puncto Elternarbeit ganz neue Aufgaben auf Sie zu: Schule wird zum „leidigen Thema“ und die Eltern fragen um Rat — nicht nur in schulischen Belangen.

Beratungstipps: Pubertätskonflikte: Wenn Eltern um Rat fragen Konflikte zwischen Eltern und Kindern sind in der Pubertät völig normal, aber zuweilen schwierig zu lösen © David Pereiras - Fotolia.com

„Pubertät — Wenn Erziehen nicht mehr geht“, so lautet der Titel eines der bekanntesten Eltern-Ratgeber. Der dänische Familientherapeut Jesper Juul führt darin Familien Heranwachsender „gelassen durch stürmische Zeiten“. „Man kann seine Kinder auch einfach nur genießen“, ist sein Credo, das er auch im Interview mit der Süddeutschen Zeitung hervorhebt. SZ-Redakteurin Christina Berndt quittiert das fast ein wenig ungehalten, indem sie auf die Kehrseite des Umgangs mit Pubertierenden verweist: „Unermüdlich plädieren Sie in der aufgeheizten Erziehungsdiskussion für mehr Gelassenheit. Aber finden Sie Kinder nicht manchmal unglaublich nervig?“ „Doch. Keine Frage“, räumt Juul ein.

Die meisten Eltern von Pubertierenden erleben ein Wechselbad der Gefühle. Sie lernen dann meist erst einmal, dass es immer mehr Bereiche gibt, wo sie ihre Kinder „laufen lassen“ müssen, auch wenn sie sich um sie sorgen. Zugleich verschärfen sich in der Beziehung mit ihren Kindern alte Konflikte und neue kommen hinzu: Es geht um vernachlässigte Haushaltspflichten, verwüstete Jugendzimmer, nächtliche Partys, Taschengeld und besonders oft auch um das leidige Thema Schulleistungen. Auch Lehrkräfte werden dann immer wieder zur Anlaufstelle für ratsuchende Eltern, die fragen: „Wo sollte ich meinem Teenager Freiheiten lassen, wo Grenzen setzen?“

Spagat zwischen Eigenständigkeit und Grenzen

Wenn auch elterliche Erziehung nicht mehr greift, so brauchen Jugendliche doch immer noch beides: Freiraum zur Identitätsfindung, aber auch elterliche Begleitung und Schutz, schreibt der Schulpsychologe Alexander Geist in seinem Informationsblatt „Pubertät — Problem und Chance“. Klare Ansage, was Musik, Poster, Frisur etc. betrifft: „Kümmern Sie sich nicht um Dinge, die Sie nichts mehr angehen.“ Interveniert werden sollte hier nur dann, wenn z. B. die Musik so laut ist, dass die Eltern sie mitanhören müssen.

Die neue Rolle der Eltern

Jesper Juul plädiert für eine „gleichwürdige Kommunikation“ und meint damit ehrliche und authentische Begegnungen auf Augenhöhe, bei denen die eigene Integrität gewahrt und die des Gegenübers respektiert und beiderseits persönliche Verantwortung für das Handeln übernommen wird. Die Beziehung von Erwachsenem zu Jugendlichem sollte nicht hierarchisch sein, sondern die Eltern sollten sich als Sparringpartner der Heranwachsenden verstehen. Dabei gehe es darum, „maximalen Widerstand an[zu]bieten und minimalen Schaden an[zu]richten“, sagt der Familientherapeut im NDR. (Jesper Juul: Pubertät, Teil 2, Min. 4:09)

Das leidige Thema Schule

Beim Thema Schule betont Schulspsychologe Geist, dass sich bei fast allen Pubertierenden ein „gewisser Schulleistungsabfall“ bemerkbar mache. Trotzdem „müssen jedoch die Kinder hinnehmen, dass Eltern auf ein Mindestmaß an schulischem Engagement bestehen“. Seine Tipps dazu: Feste Hausaufgabenzeiten vereinbaren, sich die Klassenarbeitstermine geben lassen und mit dem Teenager die Prüfungsvorbereitung planen. Und: „Legen Sie positive wie negative Konsequenzen fest, wenn solche Pläne und Zeiten nicht eingehalten werden.“ („Pubertät- Problem und Chance“, S. 3)

Im Gegensatz dazu hält Jesper Juul den Begriff „Konsequenzen“ nur für ein politisch-korrektes Synonym für „Strafe“ (Vgl. dazu: „Time-out — Schluss damit!“, S. 3). Sein Erziehungsratgeber (Titel s. o.) widmet dem Thema Schule mehrere Kapitel. Immer geht es dabei darum, ob die Eltern ihren Kindern vertrauen und wirklich bereit sind, die Verantwortung für die Schule an sie abzugeben, oder ob sie noch immer im Wir-Modus über die Schule denken und lediglich weniger kontrollieren.

Gerade angesichts neuerer Erkenntnisse der Hirnforschung bleibt die Skepsis vieler Eltern bei der Übergabe der vollen Verantwortung für wichtige Lebensbereiche nachvollziehbar: Denn es entwickelt sich schließlich der Präfrontalcortex, genau der Teil des Gehirns, der für Impulskontrolle, planvolles Vorgehen und Antizipation möglicher Konsequenzen verantwortlich ist, „als eine der letzten Hirnregionen“: (Vgl. dazu: Süddeutsche Zeitung, „Großbaustelle Gehirn“)

Martina Niekrawietz

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