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Eltern unterstützen

Schnell und effizient: Eltern-Support in Coronazeiten

Gerade die Eltern tragen in den langen Monaten der Schulschließungen und des Wechselunterrichts eine große Bürde. Deshalb sind viele Mütter und Väter jetzt besonders auf die Unterstützung der Schule angewiesen.

Eltern unterstützen: Schnell und effizient: Eltern-Support in Coronazeiten Feste Gesprächszeiten für den Eltern-Support © contrastwerkstatt - stock.adobe.com

Viele Lehrkräfte klagen über Mehrbelastung in Distanzunterrichts-Phasen, so das Ergebnis einer Umfrage des Bayerischen Philologen-Verbandes unter 2000 Gymnasiallehrern: 95 Prozent der Befragten berichteten über Mehrarbeit. Laut einem Beitrag auf der Website BR24 kosteten besonders auch die „einzelnen Kontaktaufnahmen mit Eltern und Schülern (...) extra Zeit“. 

Auf der anderen Seite tragen gerade die Eltern in den langen Monaten der Schulschließungen und des Wechselunterrichts eine große Bürde. Wenngleich sich mittlerweile vieles eingespielt hat, und auch Jugendliche in weiterführenden Schulen weniger Betreuung brauchen als Grundschülerinnen und Grundschüler, zerrt doch die Doppelbelastung von Arbeit und Homeschooling an den Nerven. Deshalb sind viele Mütter und Väter jetzt besonders auf die Unterstützung der Schule angewiesen.

Wo genau sehen die Eltern Schwierigkeiten beim Homeschooling? Und wie unterstützen Sie sie am besten effektiv und ohne Ihr eigenes Zeitkontingent überzustrapazieren? Diese Fragen beantwortet der folgende Beitrag mit Tipps und Anregungen für die Praxis. 

Feedback einholen: Eltern-Befragung

„Wie geht es Ihnen in der aktuellen Homeschooling-Situation?“ Das ist sicherlich derzeit der Türöffner für die meisten Elterngespräche am Telefon oder über die digitalen Medien. Mit einer kurzen Onlinebefragung bekommen Sie ein Meinungsbild und sehen, wo genau Sie strukturiert ansetzen können. 

Anregungen für die Konzeption eines Fragebogens liefert Ihnen zum Beispiel die ausführliche Homeschooling-Befragung des webbasierten Umfrage-Tools LamaPoll. Es berücksichtigt alle wichtigen Aspekte: 

  • technische Ausstattung zu Hause, 
  • tägliche Lernzeit, 
  • Unterstützungs-Potenzial in der Familie und im Umfeld, 
  • Über- oder Unterforderung des Kindes oder Jugendlichen durch das Aufgabenpensum, 
  • Qualität des Lernmaterials u.v.m. 

Um die Eltern nicht gleich „zu erschlagen“, konzentrieren Sie sich am besten auf einige wenige Fragen und kommunizieren den Teilnehmern anschließend die Ergebnisse der Befragung. Davon ausgehend planen Sie dann weitere strukturierte Maßnahmen. Wie das aussehen könnte, zeigen die folgenden Beispiele anhand zweier typischer Probleme von Eltern beim Homeschooling.

Struktur in den Tag bringen

Durch den Unterrichtsausfall während der Homeschoolingzeit lernten Schülerinnen und Schüler durchschnittlich „drei Stunden weniger als an einem üblichen Schultag vor Corona“, nämlich nur 4,3 Stunden pro Tag. Das ergab eine Befragung des ifo-Instituts von 2000 Eltern, über die das ZDF auf seiner Website am 20.04.2021 berichtete. 4,6 Stunden pro Tag verbrachten die Schüler/-innen hingegen „mit Fernsehen, Computerspielen und Handy“ (ebd.). Die Lernzeit unterscheidet sich „kaum nach schulischen Leistungen und Familienhintergrund“, trotzdem haben „leistungsschwächere Schüler*innen und Nicht-Akademikerkinder zu Hause deutlich weniger effektiv und konzentriert gelernt“ (ebd.). 

Doch wie gelingt es den Eltern, mehr Struktur in den Homeschooling-Tag zu bringen? Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Eltern ohne viel Zeitaufwand zu beraten. Vielleicht stellen Sie eine Checkliste zur Gestaltung eines lernförderlichen Arbeitsplatzes auf die Schulwebsite, auf die Sie dann nach Bedarf bei der Elternberatung verweisen. Oder Sie verlinken einfach auf diesen interessanten Beitrag des Online-Magazins scoyo zum Thema. 

Eine weitere Möglichkeit: Sie bieten Webinare zu zentralen Fragen der Arbeitsplatzorganisation und Tagesstruktur an, am besten zu wirklich konkreten Themen, die die Lebenswirklichkeit der Eltern treffen, z. B. „So vereinbaren Sie feste Medienzeiten mit Ihren Kindern“ oder „Wie sieht ein idealer Homeschooling-Tag aus?“ (vgl. dazu diesen Beitrag auf der Seite der GEW. Wahlweise erstellen Sie Erklärvideos dazu, die dann jederzeit auf der Schul-Website abrufbar sind.

Zusätzlich unterstützen Sie die Eltern am besten durch strukturierte „Lehr-Lern-Angebote (...) in Form von Wochenplänen“, die „in einem festen Rhythmus übermittelt“ werden. (Vgl. dazu die Ergebnisse einer „Bundesweiten Elternbefragung zu Homeschooling während der Covid 19 Pandemie“, S. 29, im Folgenden abgekürzt mit „BEH“). Dadurch lernen die Schüler/-innen, „sich ihre Zeit einzuteilen“ und „zwischen Lernen und Freizeit abzugrenzen, Anforderungen an Aufgaben einzuschätzen und ggf. Hilfe einzufordern“ (ebd). Und die Eltern bzw. Familien müssen keine Strukturen implementieren, sondern werden durch die rhythmisierte Lernstruktur und die zunehmende Eigenständigkeit ihrer Kinder entlastet. 

Konfliktberatung der Eltern

Wenngleich ein gut strukturierter Tag schon viel Konfliktpotential herausnimmt, gibt es im Alltag der Familien noch immer genügend „Zunder“. Ingrid Lassonczyk-Haas, Diplom-Pädagogin und Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin, gibt auf dem Jugendhilfeportal probate Tipps, um die Lage zu entspannen und die Kids zu motivieren. 

Sie rät den Eltern, nicht nur auf das Wohl der Kinder, sondern auch auf sich selbst zu achten: „Fragen Sie sich, was Ihnen gut tut und was Ihnen Entspannung bringt. Machen Sie Pausen, suchen Sie Kraftquellen!“ Der Grund: Die Spannung der Eltern überträgt sich auf die Kinder, und dann „wackelt das ganze System ‚Familie‘“.

Für Jugendliche in der Pubertät ist die Corona-Krise besonders belastend: Sie haben kaum Kontakte zu Gleichaltrigen, obwohl doch die Peers in dieser Lebensphase so wichtig sind. Und sie sind auf engem Raum mit ihren Eltern eingesperrt, obwohl sie sich doch von ihnen ablösen möchten: „Auf einmal sollen sie mit den Eltern gemeinsam lernen, sollen sich von ihnen, die sie eigentlich so infrage stellen, die Welt erklären lassen...“, sagt die Therapeutin im oben verlinkten Interview. Das ist nervig für beide Seiten, aber für die Eltern wichtig zu wissen. Trotzdem müssen „Grenzen (...) klar gesetzt, aber auch immer wieder demokratisch miteinander neu verhandelt werden“, betont die Therapeutin. Die Devise sollte dabei lauten „Grenzen verhandeln, Grenzen ziehen und Orientierung bieten – aber niemals beschämen oder Schuld zuweisen“ (ebd., frei nach Jesper Juul).

Hirnphysiologisch können Jugendliche „die Konsequenzen ihres Tuns besonders schlecht abschätzen“, sie denken meist recht kurzfristig, und die langfristige „Wichtigkeit des Lernerfolgs“ würde „kaum ankommen“. Deshalb sollten Eltern hier eher auf kleine, kurzfristig ersichtliche Anreize und Anerkennung setzen“ (ebd.).

Apropos Anerkennung und Motivation: Der Beitrag „Loben – aber richtig!“ ist die ideale Quelle für einen kleinen Crash-Kurs. Auch das ist wieder hilfreiches Praxiswissen für die Eltern, dass sie über verschiedene Kanäle und Beratungskanäle übermitteln können.

Eltern-Hotlines zu wichtigen Themen

Viele Eltern sind in Homeschooling-Phasen dringend auf kompetente Unterstützung vonseiten der Schule angewiesen. Für manche ist vermutlich die Hemmschwelle groß, eine Fachlehrkraft „einfach so“ anzurufen. Auf der anderen Seite ist es für die Lehrkräfte schwierig, für Eltern über lange Strecken des Tages telefonisch verfügbar zu sein.  

Hier sind themenbezogene Hotlines eine gute Lösung. Die Beratungszeiten können innerhalb des Kollegiums aufgeteilt werden, was die einzelnen Lehrer/-innen entlastet. Vielleicht geben die Ergebnisse der eingangs empfohlenen Online-Befragung gute Hinweise, bei welchen Themen die Eltern Gesprächsbedarf haben. Sinnvoll ist aber in jedem Fall ein regelmäßiger technischer Support, denn mehr als ein Viertel der Eltern hat bei der Befragung der Uni Landau angegeben, dass sie technische Probleme beim Homeschooling haben. 

„Analoge Gespräche“ im Freien

Nicht alle Eltern lassen sich mit Elternbefragungen oder über digitale Medien erreichen. Manche tauschen sich auch lieber face-to-face mit ihrem Gegenüber aus. Einige Schulen bieten deshalb die Möglichkeit von persönlichen Gesprächen im Freien an. Wie wäre es zum Beispiel mit regelmäßigen Elternsprechstunden im Freien? Oder mit dem Angebot eines „Distanzspaziergangs“ im nahegelegenen Park? Viele Eltern werden froh sein, wenn sie auf diese Weise einmal ihrem beengten Homeschooling-Alltag entfliehen können und ein anderes Gesicht sehen.
 

Martina Niekrawietz


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