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Homeschooling

So coachen Sie die Eltern

Homeschooling-Phasen überfordern viele Eltern, besonders wenn sie selbst auch noch im Homeoffice sind. Was Lehrkräfte tun können, um Eltern und Schüler/-innen zu unterstützen, lesen Sie in diesem Beitrag.

Homeschooling: So coachen Sie die Eltern Eltern benötigen Unterstützung beim Homeschooling durch die Lehrerinnen und Lehrer ihrer Kinder © elenbessonova - stock.adobe.com

„Liebe Eltern! Ich möchte euch mit diesem Video den Druck nehmen“, sagt Lehrer Schmidt, einer der bekanntesten YouTube-Mathematiklehrer der Nation. Und das gelingt ihm in dem etwa 8-minütigen Video recht gut. 

Zunächst wirbt er darum, dass die Eltern den Lehrkräften Rückmeldung geben, und zwar ehrliches Feedback, zum Beispiel so: „Stefanie hat die Aufgaben 4 bis 7 nicht geschafft, und wir brauchen Unterstützung.“ Auch Informationen über ein zu großes Pensum seien wichtig. Grundsätzlich sollten die Lehrkräfte – wann immer nötig – um Unterstützung gebeten werden, damit sie auch wissen, wo es brennt. Stress und Druck, etwa wegen des bevorstehenden Übergangs auf eine weiterführende Schule, sollte nach Möglichkeit nicht an die Schüler/-innen weitergegeben werden. Locker bleiben sei das Gebot der Stunde und „Ruhe bewahren und ein bisschen Vertrauen in die Lehrerschaft. (...) Wir werden es schon gemeinsam hinkriegen.“

Nach dem Lockdown während der ersten Corona-Welle im Frühjahr haben Schüler/-innen, ihre Eltern und Lehrer/-innen bereits einige Wochen Heimunterricht hinter sich. Wenn jetzt in der kälteren Jahreszeit die Zahlen wieder steigen, wird es auch sicherlich immer wieder Distanzunterrichtsphasen geben. – Eine große Herausforderung für viele Eltern, die für grundlegende und pädagogische Tipps von Ihrer Seite sicherlich dankbar sein werden. – Mit den folgenden Praxistipps, Link- und Checklisten sind Sie für die Elternberatung bestens gerüstet.

Checklisten für erfolgreiches Homeschooling

10 wissenschaftlich fundierte Hinweise für erfolgreiches Homeschooling hat das Leibnitz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik auf seiner Website zusammengestellt. Sämtliche Tipps spiegeln die Erkenntnisse aus aktuellen Studien wider, sind allerdings an manchen Stellen für Eltern schwer nachzuvollziehen. „Organisieren Sie den Tag so, dass alle Beteiligten ihre Aufgaben in Ruhe bearbeiten können“, so lautet beispielsweise der erste Hinweis. – An sich leicht verständlich, doch bei der konkreten Umsetzung geht es ans Eingemachte: Von der „Bereitstellung eines kompetenzunterstützenden Rahmens“ ist da zum Beispiel die Rede, von „klaren Regeln zur Aufgabenbearbeitung“ oder von der „Organisation des Arbeitsplatzes“. – Diese abstrakten Begriffe könnten Sie mit konkreten Beispielen in einem kleinen Tutorial erläutern, das Sie auf die Schulwebsite stellen oder den Eltern mailen. 

Ein Foto eines gut organisierten häuslichen Arbeitsplatzes etwa sagt mehr als tausend Worte. Und vier oder fünf grundsätzliche Regeln helfen den Schülern und Schülerinnen beim konzentrierten Arbeiten: 

  1. Handy und andere Medien sind beim Arbeiten tabu.
  2. Fragen vorab mit Eltern, Geschwistern oder Mitschüler/-innen klären.
  3. Zunächst die Aufgabe in Ruhe durchlesen.
  4. Eine eigenständige Lösung erarbeiten.
  5. Auf ein sauberes Schriftbild achten.

Auch Ilka Hoffmann, die GEW-Schulexpertin, hat 10 Eltern-Tipps formuliert, die die Hinweise des Leibnitz-Instituts um wichtige Aspekte ergänzen: „Überfordern Sie die Kinder nicht!“, heißt es da zum Beispiel, oder: „Achten Sie darauf, dass Ihre Kinder das Lernen nicht als Zwang und Drill erleben!“ Gold wert für Homeoffice und Homeschooling gleichermaßen ist der folgende Tipp: „Machen Sie aus dem Lernen einen in jeder Hinsicht bewegten Prozess!“ Neben Fitnessübungen an der frischen Luft rät Ilka Hoffmann dazu, „Bewegung in das Lernen“ zu integrieren. – Auch sind die Eltern sicherlich aufgeschlossen für eine kleine Ideensammlung von Ihrer Seite.

Homeoffice und Homeschooling besser vereinbaren

Elternbefragungen nach dem Lockdown zeigten, dass es für viele besonders stressig war, gleichzeitig Homeoffice- und Homeschooling-Aufgaben zu „wuppen“. Wenngleich sich hier vermutlich in den meisten Familien Routinen eingespielt haben, ist doch bestimmt immer noch „Luft nach oben“. Einige konkrete Impulse für die Optimierung des Familienalltags bietet die Linkliste „Homeoffice, Homeschooling und Kinderbetreuung?!“ des Büros für Gleichstellung und Gender Studies der Universität Innsbruck. Im Folgenden eine kleine Auswahl der Tipps.

So rät etwa die Redaktion des Specials „Homeoffice und Homeschooling“ auf der KiKA-Website: „Legen Sie kurze Arbeitszeiten für sich fest. Intervalle von 25 Minuten reichen oft aus, um einen Arbeitsschritt konzentriert zu erledigen.“ Danach eine kurze Pause von fünf bis zehn Minuten, um sich mit dem Kind/den Kindern auszutauschen. Auch Schlafphasen der Kinder können für berufliche Aufgaben genutzt werden, z. B. morgens, bevor das Kind aufsteht, oder abends, wenn es bereits im Bett ist. Mittags könnte eine Ruhezeit vereinbart werden: „Machen Sie es dem Kind gemütlich“, so die Empfehlung, am besten mit einem fesselnden Buch oder Hörspiel. Für mehr vormittägliche Ruhe sorgt auch der Tipp, am Morgen „ein paar Obstsnacks“ vorzubereiten. Am besten stellen die Eltern auch gleich einige „Pausenbrote“ und ausreichend Getränke für den Vormittag bereit, dann sind die Kids versorgt.

Sind beide Partner im Homeoffice, wird der Tag aufgeteilt: Jede/jeder kann einen halben Tag ungestört arbeiten, empfiehlt Der Standard auf seiner Website. – Und noch ein Tipp, der viele Eltern sicherlich entlasten wird: „Ausnahmen bei Bildschirmzeiten sind in herausfordernden Situationen wie diesen völlig okay“, heißt es da, „erlauben Sie doch einfach zwei Kindersendungen mehr pro Tag“.

Wenngleich Flexibilität und Improvisieren unvermeidbar sind, so sollte es doch eine verbindliche Tagesstruktur für alle Familienmitglieder geben: In einem Tages- oder Wochenplan sollten „Arbeitszeiten, Freizeitprogramm und Essenszeiten“ vermerkt werden. Dann den Plan an einem für alle sichtbaren Ort aushängen und möglichst konsequent durchziehen. Morgens ganz normal aufstehen, sich waschen und anziehen – das sollte ebenso beibehalten werden wie die alltäglichen Abendrituale und Bettgehzeiten. 

(Fast) alle Eltern erreichen

Besonders Grundschulkinder brauchen in Homeschooling-Phasen intensive Betreuung. Deshalb ist es in diesem Bereich besonders wichtig, mit den Eltern in Kontakt zu treten und sie nach Möglichkeit zu entlasten. Doch erfahrungsgemäß sind es überwiegend „die bildungsnahen Eltern“, die für einen Austausch mit den Lehrkräften aufgeschlossen sind, sagt Maresi Lassek, der Vorsitzende des Grundschulverbands, auf der Website des deutschen Schulportals

Das Kollegium der Franz Leuninger Grundschule in Hessen hat es sich zum Ziel gesetzt, kein Kind während der Coronakrise zurückzulassen und die gute Beziehung mit den Eltern auch in Distanzunterrichtsphasen aufrechtzuerhalten. Weil einige Familien keine digitalen Endgeräte nutzen und auch keinen Internetzugang haben, stellen die Lehrkräfte alle zwei Wochen „Tüten“ mit „Wochenplan, Übungsmaterialien und Anregungen für kreative Aufgaben“ zusammen. „Und wir denken dabei auch immer an die Eltern“, sagt Schulleiterin Nicole Schäfer auf der Website das Deutsche Schulportal (s. o., unter dem Link im vorigen Absatz), ihre Lehrkräfte packen dabei „auch schon mal eine Tafel [Schokolade] als Dankeschön oder, in der letzten Tüte, eine Bastelanleitung für die Kinder zum Muttertag“ hinein. Einmal pro Woche telefonieren die Lehrerinnen und Lehrer auch mit den Eltern. Dabei bekommen sie Feedback, was gut und was schlecht läuft, und sie erfahren, „welche Bedürfnisse und Probleme die Kinder und Eltern haben“ (ebd.). 

Doch was ist, wenn der regelmäßige Austausch mit den Eltern an fehlenden Deutschkenntnissen scheitert? Dann laden Sie sich einfach das entsprechende Informationsblatt mit Infos und Tipps für Homeschooling-Phasen der Hamburger Bildungsbehörde in der Sprache der Eltern herunter, drucken es aus und schicken es (mit einer Tafel Schokolade?) per Post. – Vielleicht ist das der Anfang einer wunderbaren Erziehungspartnerschaft über sprachliche Barrieren hinweg.

Martina Niekrawietz

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