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Medienutzung begrenzen

Vorsicht: digitale Überflutung der Kids!

Kids verbringen häufig viel zu viel Zeit am Laptop, Smartphone oder mit der Spielekonsole. Doch wie lässt sich übermäßiger Medienkonsum limitieren? — Hier benötigen Eltern auch durch die Schule Infos, Tipps und Tools.

Medienutzung begrenzen: Vorsicht: digitale Überflutung der Kids! Zu viel Zeit am Bildschirm zu verbringen ist nicht gut, selbst wenn es sich um Lernspiele handelt © 0605alex - Fotolia.com

Heike Endlich macht sich Sorgen um den Medienkonsum ihrer beiden Söhne. Zu oft „sitzen sie (...) davor, unter Umständen auch dann, wenn ich grade mal weg bin“, befürchtet sie. Denn wenn sie dann wiederkommt, spielen „die oft da zwei Stunden schon (...) und das ist mir (...) einfach zu viel“, erzählt sie in der SAT1-Ratgebersendung „Der Familiencoach“. Familiencoach Karsten Löwe schlägt ein Experiment vor: Eine Woche Medienabstinenz für Mutter und Söhne. In einem Videotagebuch dokumentieren alle, wie es ihnen dabei geht: Der jüngere der beiden Jungs spielt jetzt öfter statt Computer ein Musikinstrument, die Mutter freut sich darüber, dass sich ihre Söhne nicht so oft in ihr Zimmer zurückziehen wie vorher, und abends trifft sich die Familie zu Gesellschaftsspielen. Als das Medienfasten vorbei ist, vereinbart Familie Endlich in einem gemeinsamen Gespräch ein Zeit-Budget von 1,5 Stunden für die Mediennutzung. Es gilt für Mutter und Söhne gleichermaßen und gewährleistet genügend Zeit für Sport, Treffen mit Freunden, Schule und andere wichtige Aufgaben. 

Medienzeiten mit den Kindern diskutieren, als Erwachsener mit gutem Beispiel vorangehen, beim „Medienfasten“ das eigene Medienverhalten reflektieren – das sechsminütige Video gibt Eltern gute Anregungen und bietet gleichzeitig Anreize zu einem Gespräch über eigene Erfahrungen und Unsicherheiten. – Der ideale „Türöffner“ für einen Elternabend zum Thema „Feste Medienzeiten“. 

So viel Medienzeit ist angemessen 

Die Medienpädagogen auf der Website „Schau hin!“ differenzieren hier gestaffelt nach Lebensalter:

  • bis 5 Jahre: maximal eine halbe Stunde am Tag
  • 6 bis 9 Jahre: bis zu einer Stunde am Tag
  • ab 10 Jahre: rund 9 Stunden pro Woche

Etwas großzügiger ist die Medienzeit nach folgender Faustregel bemessen, die sich ebenfalls auf der Website „Schau hin!“ findet: „10 Minuten pro Lebensjahr am Tag oder 1 Stunde pro Lebensjahr in der Woche“ (ebd.). Ein solches Wochenkontingent bietet sich allerdings erst bei Kindern ab zehn Jahren an und wird am besten gemeinsam mit dem Kind festgelegt.

Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gibt Empfehlungen zur Höchstdauer der Mediennutzung von Kindern. Dabei beziehen die Gesundheitsexperten sogar „Hörmedien“ mit ein, also Musik-CDs, -Kassetten oder -MP3-Files sowie Hörgeschichten, und bleiben hinsichtlich der „Bildschirmmedien“ (inklusive Fernsehen!) weit unter den Zeiten von „Schau hin!“: So sind demnach für Kinder von 6 bis 10 Jahren „zusammen höchstens 45–60 Minuten“ pro Tag empfehlenswert, damit „andere Aktivitäten wie Bewegung, gemeinsame Familienzeiten und ‚klassische‘ Spiele nicht zu kurz kommen“. 

Jugendliche verbringen zu viel Zeit mit digitalen Medien

Im Jahr 2014 widmete sich eine Studie der Techniker-Krankenkasse (TK) der bezeichnenden Frage „Jugend 3.0 — abgetaucht nach Digitalien?“ (J. 3.0). Bei immerhin 50 Prozent der befragten Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren scheint das der Fall zu sein: Sie surfen nach Ansicht ihrer Eltern zu viel (Details zur angegebenen Medienzeit auf den Seiten 4 und 5 der Studie). Ein festes Zeitbudget für den Onlinekonsum vereinbaren jedoch nur „sechs von zehn Eltern“, so heißt es auf der Website der TK. Das bedeutet: „Vier von zehn Jugendlichen surfen ohne Limit“ (vgl. J. 3.0, S. 12)!

Wie aus der aktuellen JIM-Studie (S. 27 f.) hervorgeht, nutzen 12- bis 19-Jährigen digitale Medien von Montag bis Freitag täglich durchschnittlich 200 Minuten. — Das ist sicherlich mehr als ihnen gut tut (vgl. dazu zum Beispiel einen Beitrag im Deutschen Ärzteblatt von 2007, der sogar nur von einer täglichen Online-Nutzungszeit von damals 97 Minuten pro Tag ausging.). 

Medienpädagogische Empfehlungen setzen weit weniger Online-Zeit an, zum Beispiel die Jugend- und Familienberatungen der Zentralschweiz auf ihrer Website no-zoff.ch. Demnach sollten Jugendliche 

  • von 12 bis 14 Jahren maximal 1,5 h oder 10,5 h pro Woche,
  • von 14 bis 16 Jahren maximal 2 h oder 14 h pro Woche und
  • von 16 bis 18 Jahren höchstens 2,5 h pro Tag oder 17,5 h pro Woche mit digitalen Medien verbringen.

Das Wochenkontingent bei no-zoff.de entspricht in etwa der Faustregel „1 Stunde pro Lebensjahr in der Woche“ der Medieninitiative „Schau hin!“

Bildschirmzeit limitieren — das sollten Eltern wissen

Wie viel Bildschirmzeit okay ist, kann nicht pauschal beantwortet werden: „Zwei Stunden Recherche für ein Referat sind etwas anderes als zwei Stunden Videospiel oder Billig-Soap im TV“, betont Jugendmedienschutz-Experte Günter Steppich auf seiner Website medien-sicher.de. Bei einer ausgewogenen Freizeitgestaltung gebe es „kaum Grund, die Stoppuhr auszupacken“. Wenn aber die schulischen Leistungen nachlassen und „Bildschirme die Freizeit dominieren“, sollten Eltern „klare Grenzen ziehen und diese auch konsequent durchsetzen“, so der Medienpädagoge (ebd.). Am besten schon, bevor man die Notbremse ziehen muss. 

Einen Mediennutzungsvertrag schließen

In bestimmten Situationen sollten Handy, Computer, Spielekonsole etc. ausgeschaltet bleiben, zum Beispiel bei den Hausaufgaben oder wenn die Familie sich zum Essen trifft. Um nicht immer wieder mit den Kindern diskutieren zu müssen, sollte man sich auf feste Regeln verständigen und diese schriftlich festlegen. 

Ganz leicht ist das mit der Website mediennutzungsvertrag.de: Gestaffelt nach Alter der Kinder (6-12 und 12+) klickt man sich hier einfach eine individuelle Vereinbarung zusammen. Zur Auswahl stehen dabei allgemeine, zeitliche und medienspezifische Regeln. Sie beziehen sich nicht nur auf die Kids, sondern auch auf die Eltern: „Ich achte auf mein eigenes Medienverhalten und bin ein gutes Vorbild für mein Kind“, heißt es da zum Beispiel. — Eine wichtige Sache, wie eine aktuelle Studie zeigt: Demnach findet mehr als die Hälfte der 8- bis 13-Jährigen, „dass die Eltern zu viel Zeit mit dem Smartphone verbringen“. 

Keine elektronischen Geräte vor dem Schlafengehen

Handys, Tablets, TV & Co. sollten bei Kindern und Jugendlichen übrigens ein bis zwei Stunden vor dem Schlafengehen, auf jeden Fall aber im Bett und am besten auch im Kinderzimmer tabu sein. Eine Infografik auf der Website von „Schau hin!“ (siehe oben)  veranschaulicht den Eltern eindrucksvoll, warum: Schlafdauer und Schlafqualität vermindern sich, und das Risiko für Albträume, Einschlaf- und Schlafstörungen steigt. (Hier dazu die Ergebnisse einer US-Studie auf aerztezeitung.de

Gründe für die schlafstörende Wirkung der Geräte gibt es viele, vor allem jedoch hemmt helles Licht, insbesondere dessen Blauanteil, die Produktion des „Schlaf-Hormons“ Melatonin (vgl. dazu: „Das passiert, wenn das Smartphone mit ins Bett geht“ auf welt.de). 

Noch gibt es bei Smartphones keinen „Bettmodus“, der automatisch die blauen Lichtwellen passend zur Uhrzeit herausfiltert, dafür aber kostenfreie Software, die das übernimmt. (Links und weitere Tipps dazu auf der Website von galileo.tv). 

Challenge: Medienfasten 

Einen Löffel Zimt essen oder einen Kübel Eiswasser über den Kopf bekommen — Filme von solchen „Challenges“ kursieren in den sozialen Medien. 

Die „Challenge“ Medienfasten verlangt den Jugendlichen mehr ab: Hier geht es nicht nur darum, sich zu etwas kurzfristig Unangenehmem oder Ekeligem durchzuringen, sondern über längere Zeit auf etwas zu verzichten. Auch werden die Kids beim Medienverzicht weniger auf Anerkennung als vielmehr auf Unverständnis bei ihrer Peergroup stoßen und womöglich sogar in Erklärungsnot geraten. Wie motiviert man Jugendliche trotzdem dafür? 

Vielleicht klappt es mit der Real-Life-Challenge auf der Website von handysektor.de. Dabei stellen sich die Familienmitglieder gegenseitig Aufgaben, wie z. B. „Höre keine Musik mit deinem Smartphone“ oder „Verwende WhatsApp höchstens einmal pro Stunde maximal fünf Minuten!“ 24 Stunden lang müssen sich die Nominierten bei der Mediennutzung einschränken. Wer es schafft, bekommt dafür Punkte und könnte dann belohnt werden und zum Beispiel bestimmen, wohin der nächste Familienausflug geht.

Martina Niekrawietz

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