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Meinungsforschung

Wie beurteilen Eltern Schulen und Lehrer?

Was erwarten Mütter und Väter von der Schule ihrer Kinder? Was halten sie von deren Lehrern und wie erleben sie den Kontakt zu ihnen? Das ermittelte das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid im Rahmen einer repräsentativen Elternbefragung.

Meinungsforschung: Wie beurteilen Eltern Schulen und Lehrer? Ein großer Prozentsatz der Eltern ist von der Fachkompetenz der Lehrer überzeugt © MK-Photo - Fotolia.com

Die Kommunikation zwischen Lehrern und Eltern steht oft unter einem schlechten Stern. „Nervige Eltern“ ist ein mehrere Seiten langer Thread übertitelt, in dem die Lehrer ihr Leid klagen: Manche Eltern machen wegen Kleinigkeiten ein „Riesendrama“ und „petzen“ gleich bei der Schulleitung, andere drohen mit einer „Dienstaufsichtsbeschwerde“, weil ihrer Meinung nach ein Fachlehrer nicht erklären kann, oder die Noten des Sprösslings nicht für den Übertritt aufs Gymnasium ausreichen.

Besonders belastend ist für viele Lehrkräfte, wenn die Eltern die Schuld für das schulische Versagen ihrer Kinder in der Unterrichtsgestaltung suchen. Um sich dann „abzuregen“, führt sich ein erfahrener Kollege folgendes vor Augen: „Die meisten Eltern sind nicht so und sehen, was Lehrkräfte leisten. Die Eltern, die den Lehrern das Leben zur Hölle machen wollen, sind die Minderheit.“ —

Stimmt das? Die Ergebnisse der JAKO-O-Bildungsstudie 2012 (JAKO-O-BB) bestätigen diese zuversichtliche Einschätzung: 3000 Mütter beziehungsweise Väter von schulpflichtigen Kindern im Alter bis zu 16 Jahren äußerten überwiegend positive Erfahrungen mit Schule und Lehrern.

„Gute Noten“ für die Lehrer

Zu 90 Prozent sind die Eltern von der Fachkompetenz der Lehrer überzeugt. Über 80 Prozent von ihnen halten die Lehrkräfte ihrer Kinder für gerecht und engagiert. Ebenso viele glauben, „dass die Lehrer eine gute Beziehung zu den Schülern aufbauen, Interesse bei ihren Schützlingen wecken [Anm.: 81 Prozent] und generell gut erklären können [78 Prozent]“ (JAKO-O-BB, S. 5). Immerhin noch 72 Prozent stimmen der Aussage zu, dass Lehrer die Stärken der Kinder erkennen und fördern. (Vgl. dazu die Grafiken zu den Ergebnissen, S. 18) Dass Pädagogen „mit unterschiedlichen sprachlichen Voraussetzungen gut umgehen“ können, finden 69 Prozent und 66 Prozent glauben, dass Lehrer alles tun, damit auch die Schwächeren mitkommen. (ebd.)

Vergleicht man die Bildungsstudie 2012 mit der vorangegangenen Bildungsbefragung 2010, so werden die Lehrer aktuell deutlich positiver beurteilt: 9 Prozent Zuwachs sind es bei den Aussagen zu Gerechtigkeit und Engagement, und auch bezüglich der individuellen Förderung je nach Stärken (plus 12 Prozent) oder Schwächen der Schüler (plus 10 Prozent) nahm die Zufriedenheit der Eltern mit den Lehrern in den letzten beiden Jahren zu. — Eine gute Ausgangslage für eine konstruktive Elternarbeit.

Aufgabenverteilung Eltern — Schule

Eine Frage, die bei der schulischen Elternarbeit reichlich Konfliktpotenzial bietet. Das spiegeln auch die Ergebnisse der aktuellen Bildungsstudie wider: 60 Prozent der Eltern „beklagen, dass sie vieles von dem leisten müssen, was sie eigentlich als Aufgabe der Schule ansehen“. (Ergebnisse der JAKO-O-Bildungsstudie, S. 6) Doch wie genau verteilen sich die Aufgaben? Bezüglich Pünktlichkeit, Höflichkeit und guter Manieren sehen die Eltern vorrangig sich selbst in der Verantwortung, bei der Vermittlung von Fachwissen in erster Linie die Lehrer (60 Prozent) beziehungsweise Lehrer und Eltern gemeinsam (39 Prozent). Die Erziehung zu Selbstständigkeit, Disziplin und Ordnung sowie zu Teamfähigkeit und die Allgemeinbildung ist nach Auffassung der Befragten sowohl vom Elternhaus als auch von der Schule zu leisten.

Chancengleichheit statt Selektion

Bezüglich fehlender Bildungsgerechtigkeit sehen Eltern offensichtlich eher den bildungspolitischen Überbau kritisch, als die Arbeit der Lehrer an der Basis: Befragt nach den Bildungszielen an deutschen Schulen steht für 74 Prozent die „Leistung im Vordergrund“ und nicht einmal ein Drittel der Eltern stimmt der Aussage zu, „dass alle die gleichen Bildungschancen haben“ oder „dass lernschwache Schüler besser gefördert werden“ (Grafiken zu den Ergebnissen, S. 5).

Insgesamt sehen die Eltern hinsichtlich der Chancengleichheit im Bildungssystem „dringenden Handlungsbedarf“. Chancengleichheit ist auch ein erklärtes Ziel jeder inklusiven Schule. — Dieser gemeinsame Nenner dürfte es Lehrern und Schulleitern erleichtern, die Eltern von der Notwendigkeit einer Pädagogik der Vielfalt zu überzeugen.

Eltern unter Druck

Oft überträgt sich der Leistungsdruck, dem die Kinder unterworfen sind, auch auf Mütter und Väter: 91 Prozent „fühlen sich verpflichtet, sich eingehend um die schulischen Leistungen ihrer Kinder zu kümmern“ und drei Viertel der Befragten geben an, „sich „intensiv“ mit der Schule und den Schularbeiten ihres Kindes zu beschäftigen, ein Drittel sogar „sehr intensiv“ (Ergebnisse der JAKO-O-Bildungsstudie, S. 8). — Vor diesem Hintergrund wird es dann möglicherweise etwas verständlicher, dass so manche Eltern angesichts schlechter schulischer Leistungen ihrer Schützlinge überreagieren. Möglicherweise fühlen sie sich sogar selbst ungerecht bewertet, denn 77 Prozent helfen ihren Kindern bei einem Referat oder vor einer Klassenarbeit und weit mehr als die Hälfte (63 Prozent!) der Väter und Mütter „erarbeiten den Stoff generell mit dem Kind“. (ebd.)

Martina Niekrawietz

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