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Mündliche Noten

Auf Gerechtigkeit und Transparenz kommt es an

Mündliche Noten haben immer auch eine subjektive Komponente. Wie schafft man es als Lehrer dennoch, fair zu bewerten? Klare Ansagen, fest definierte Kriterien und spezielle Verfahren, machen es möglich, mit hoher Genauigkeit die tatsächlichen Leistungen der Schüler zu ermitteln und abzubilden.

Mündliche Noten: Auf Gerechtigkeit und Transparenz kommt es an Damit die Waagschale nicht zugunsten rein subjektiver Wahrnehmung ausschlägt, sind überprüfbare Beurteilungskriterien um so wichtiger © lassedesignen - Fotolia.com

Unter der Rubrik „Lehrergeständnisse“ berichtet eine Lehrerin in SPIEGEL ONLINE, warum sie nach Sympathie benotet. „Bei dem einen drückt man eher ein Auge zu, bei dem anderen ist man nicht so hilfsbereit“. Dass die Schüler besonders bei der Leistungsbewertung unter falschen Etikettierungen zu leiden haben, bekam sie schon einmal am eigenen Leib zu spüren: „Mein Sohn musste vor einiger Zeit eine Inhaltsangabe abgeben. Er hatte schon mehrere Arbeiten geschrieben und immer eine schwache 4 kassiert“, erzählt die 44-Jährige. „Unerlaubterweise“ habe sie dann für ihn eine Inhaltsangabe verfasst. „Resultat: eine schwache 4“, und das, obwohl sie ihr Deutschstudium mit 1,5 abgeschlossen hatte.

Ist ein Lehrer gegenüber seinem Schüler voreingenommen, so kann sich das auch in den Zensuren niederschlagen. Und nicht nur dort: „In Felduntersuchungen konnte inzwischen dutzendfach belegt werden, daß die Erwartungen eines Lehrers bezüglich der Leistungen bestimmter Schüler nicht nur seine Beurteilungen der Schüler (Urteilsfehler), sondern auch die tatsächlichen Leistungen beeinflussen“, so definiert das Online-Lexikon des Magazins „Spektrum der Wissenschaft“ diesen sogenannten Rosenthal- oder Pygmalioneffekt.

Mehr noch als schriftliche Noten, die meistens auf Grundlage von differenzierten, nachprüfbaren Kriterien entstehen, haben mündliche Zensuren auch immer eine mehr oder weniger subjektive Komponente. Doch wie kann es gelingen, dass man trotzdem möglichst fair benotet? Die folgenden Tipps und Tools unterstützen Sie dabei.

Klare Kommunikation — von Beginn des Schuljahres an

Transparenz schaffen - das ist eine grundsätzliche Voraussetzung für Notengerechtigkeit. Kommunizieren Sie Eltern und Schülern am Schuljahresanfang, wie sich die Zeugnisnoten in ihren Fächern zusammensetzen und wie häufig Sie mündliche Noten vergeben. Ebenfalls eine wichtige Information: Was gehört zum schriftlichen, was zum mündlichen Leistungsbereich? Schließlich ist es für Schüler und Eltern nicht unbedingt ersichtlich, dass zum Beispiel die Beurteilung schriftlicher Hausaufgaben in die mündliche Note eingeht. Wer klar kommuniziert, welche Leistungen nach welchen Kriterien beurteilt werden, ist auch in Auseinandersetzungen mit Eltern und Schülern auf der sicheren Seite.

So könnte man innerhalb der Fachschaft zu einheitlichen Regelungen kommen und diese zu Schuljahresbeginn an alle Schüler und Eltern ausgeben. (Hier der Kriterienkatalog einer Niedersächsischen Realschule, der auch zur Selbsteinschätzung der Schüler verwendet werden kann).

Sinnvoll ist es auch, immer wieder während des Schuljahres die Zwischenstände bekannt zu geben. Dieses Feedback ermöglicht es Schülern, mündlich „anzuziehen“ und erspart Ihnen nervenzehrende Diskussionen und Konflikte unmittelbar vor dem Zeugnis.

Je mehr mündliche Noten, desto besser

Mit lediglich punktuellen Leistungsbeurteilungen kann man womöglich schwer danebenliegen. Wie man „ohne Stress und mit relativ wenig Zeitaufwand zu möglichst objektiven mündlichen Noten kommen“ kann, zeigt die ICE-Methode.

Mündliche Noten werden dabei „en masse vergeben“, und das im Hochgeschwindigkeitsverfahren („ICE“): „Sie brauchen pro mündlicher Note brutto nicht mehr als 7 Sekunden“, verspricht der Beitrag auf der Website „Der Lehrerfreund“ (ebd.) Und das geht so: Sie legen für die mündlichen Noten Ihrer Klasse ein eigene Datei mit einem Programm zur Tabellenkalkulation an und vergeben während des gesamten Schuljahres immer wieder jeweils spätestens nach vier Unterrichtsstunden eine mündliche Note (Notensystem 1 bis 6, ausschließlich ganze und halbe Noten). Den Kopf sollten Sie dabei nur einschalten, „wenn Sie zum wiederholten Male größere Zweifel hegen, ob Sie Schülerin x gerade zu gut oder zu schlecht bewerten“, rät der Autor des ICE-Beitrages. Im Zweifelsfall „sollten Sie Ihr Augenmerk auf diese Schüler/in richten und überprüfen, ob Sie mit Ihrer Intuition richtig liegen“.

Permanent und „en masse“ mündliche Noten zu vergeben, führt zu Zensuren, die „weitgehend unabhängig von Ihrer Tagesform oder von extremen Spitzen im Schülerverhalten“ sind. Sie selbst haben die mündlichen Leistungen Ihrer Schüler dauernd auf dem Radar, ganz ohne „kognitiven und moralischen Stress“, gleichzeitig können Sie den Schülern permanent Auskunft über den Stand der Dinge geben. Die vielen mündlichen Noten bilden die Wirklichkeit treffender ab und geben Ihnen auch im Gespräch mit Schülern oder Eltern die Sicherheit, „dass diese Noten in Ordnung sind“. (ebd.)

Fertige Tools zur Ermittlung der Zensuren können helfen

In Foren oder auf eigenen Websites stellen manche Lehrer ihre eigenen Materialien, Arbeitshilfen oder Tools der kollegialen Webgemeinde zur Verfügung. Diverse Lösungen erleichtern die Zensurenermittlung, -verwaltung und Kommunikation: wie der Zensurenermittler zum Beispiel, den sein Entwickler, Sebastian Diel, in einem kurzen Video vorstellt. Weitere digitale Helfer bei der Notengebung stellt Ihnen die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft auf Ihrer Website vor.

Martina Niekrawietz

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